Afghanistan: Kein Land für Minderheiten

Abschiebung ist Mord. Petra Sitte | CC BY-SA

Im vergangenen Monat wurden 34 Menschen nach Afghanistan abgeschoben. Weitere Deportationen sind nach Ankündigungen des CDU-geführten Innenministeriums geplant. Verschiedene Organisationen riefen bereits zum Protest auf. Die nächste Demonstration, nachdem bereits Mitte Dezember Proteste gegen die Abschiebungen stattfanden, ist am Samstag, den 7. Januar geplant. Veranstalterin ist der Zentralrat afghanischer Hindus und Sikhs e.V., der die Interessen dieser religiösen Minderheiten vertritt.

Der Zentralrat der afghanischen Hindus und Sikhs e.V. macht in einer Pressemitteilung auf die bedrohliche Situation und die Verfolgung der religiösen Minderheiten in Afghanistan aufmerksam. Auch im Zuge des Wiederaufbaus des Landes nach der US-geführten Intervention in Afghanistan ist  der Schutz der religiösen Minderheiten vernachlässigt worden. Obwohl die afghanische Verfassung seit dem Sturz des Taliban-Regimes die Religionsfreiheit festschreibt, kann sie de facto nicht in Anspruch genommen werden.

Vor Beginn des Bürgerkrieges 1992 sollen schätzungsweise rund 220.000 Angehörige der religiösen Minderheiten in Afghanistan gelebt haben. Viele sind nach Indien und Pakistan geflohen, einige nach Europa. Wenige blieben zurück, je nach Quellen variiert die Zahl der bis heute dort Verbliebenen zwischen 1.000 und 2.500.

Der Krieg in Afghanistan fand mit und seit der US-geführten Intervention 2001 allerdings kein Ende. Die zeitweise Eroberung von Kundus durch die Taliban 2015 illustriert das deutlich. Dieses Jahr, für das vergangene liegen noch keine genauen Zahlen vor, zählte über 11000 zivile Opfer. Der ununterbrochene Krieg wird auch durch die Regierung und die staatlichen Organe geführt, die in letzter Zeit verstärkt mutmaßlich loyale Milizen bewaffnen und so aber auch die offene Gewalt im Staate erhöhen.

Lebensbedrohliche Situation in Afghanistan für Hindus und Sikhs

Die Lebensumstände in Afghanistan sind für Hindus und Sikhs besonders prekär. Sie können nur sehr eingeschränkt am öffentlichen Leben teilnehmen und ihren Glauben vor Ort nicht frei ausüben. Beispielsweise ist bei einem zentralen Ritus wie der Feuerbestattung Verstorbener die Präsenz der Polizei unverzichtbar. Die politische Situation und eine damit einhergehende gesteigerte Intoleranz innerhalb der afghanischen Mehrheitsbevölkerung führt dazu, dass Hindus und Sikhs sich im Land nicht mehr frei bewegen können.

Erst vor einigen Tagen erschossen Unbekannte den Vertreter der Sikhs in Kundus Nirmohan Sing Dilsoze. Bereits im Oktober war der bekannte Vertreter Sardar Rawail Singh, ebenfalls in der Sikh-Gemeinde aktiv, in Jalalabad von Uniformierten erschossen worden und die Leiche am folgenden demonstrativ vor dem Sikh-Tempel geworfen worden.

Um weitere Abschiebungen in eine lebensgefährliche Situation nach Afghanistan zu verhindern, in besonderem Maße die der religiösen Minderheiten, ruft der Zentralrat der afghanischen Hindus und Sikhs bundesweit zur Demonstration am 7. Januar auf. Es werden mehrere Hundert Teilnehmer*innen an der Alten Oper in Frankfurt am Main erwartet, die dafür aus mehreren Städten anreisen.

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