Afrin: „Humanitäre Tragödie“

Menschen in der heißen Sonne

2014: Die Bilder der Geflohenen gleichen denen von heute. Raperin Botan | CC BY-NC-SA

Seit das türkische Militär und djihadistische Truppen die Stadt Afrin eingenommen haben, befinden sich Hunderttausende Menschen unter freiem Himmel im Kanton Şehba. Dort entsteht eine „humanitäre Tragödie“, sagt der hessische Notarzt Michael Wilk nach einem Aufenthalt in der Region. Es fehle an Zelten, Nahrung, Trinkwasser und medizinischer Versorgung.

Letzte Woche wurde in Frankfurt das SPD-Büro besetzt, um gegen Waffenlieferungen an die Türkei zu protestieren. Sie forderten von dem SPD-Kreisverband eine Positionierung und kritisierten, dass die SPD den Angriffskrieg der Türkei billige. Die Aktivist*innen forderten darüber hinaus die Aufhebung der PKK-Verbots. Über tausend Menschen versammelten sich am vergangenen Samstag zu einer Demonstration in der hessischen Metropole für Frieden in Afrin. Der Ort der Proteste wurde dabei bewusst gewählt, denn die hessische Firma Rheinmetall produziert die Leopard-2 Panzer, die das türkische zu Dutzenden in Afrin einsetzt.

medico international startet Spendenaktion

Unterdessen ruft die zivilgesellschaftliche Organisation medico international zu einer Spendenaktion auf. Ein Hilfskonvoi der kurdischen Selbstverwaltung sei zu den Geflohenen nach Şehba durchgekommen, berichtet Michael Wilk. „Internationale Unterstützung ist dringend erforderlich“, sagt der Arzt in einer Stellungnahme. Denn „selbst über 40 Lastwagen und Ambulanzfahrzeuge sind ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Die kurdische Nachrichtenorganisation ANF berichtet von Hunderttausenden, die unter freiem Himmel ohne grundlegende Versorgung auf Hilfe warten.

Es steht zu befürchten, dass sich die militärischen Aggressionen der Türkei in den nächsten Wochen noch verschärfen. Denn Staatspräsident Erdogan kündigte Ende letzter Woche an, auch die von der kurdischen Bevölkerung kontrollierte Stadt Tell Rifat im Kanton Şehba einnehmen zu wollen. Die Region Afrin, in der die heftigen Kämpfe stattgefunden haben, galten vor der türkischen Militäroffensive als Rückzugsraum für Geflohene aus anderen Teilen Syriens.

Dennis Firmansyah

Über Dennis Firmansyah

Dennis Firmansyah hat die Zwischenzeit 2013 mitbegründet und 2016 die Herausgeberschaft und Chefredaktion übernommen. Seine Themen sind Migrationspolitik, Recht auf Stadt und Regionalgeschichte. Neben der Zwischenzeit veröffentlicht er auch bei der Jungle World, Direkte Aktion und Graswurzel Revolution.

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