An die Kanzlerin

Das Haus Mainusch hinter Bäumen.

Das Haus Mainusch schreibt an die Kanzlerin! Jan Zombik | CC BY-NC-SA

Seit bald 30 Jahren gibt es das Haus Mainusch, ein selbstverwaltetes Kulturprojekt auf dem Mainzer Uni-Campus. Doch seit die Uni-Leitung im Januar 2017 den Aktiven im Haus Mainusch den Mietvertrag gekündigt hat, ist das Projekt gefährdet. In einem offenen Brief wendet sich das Kollektiv aus dem Haus Mainusch an die Kanzlerin der Johannes-Gutenberg-Universität. Auf Bitte des Kollektivs hin veröffentlichen wir hier den vollständigen Brief.

Sehr geehrte Frau Kreutz-Gers,

wir haben Ihnen am 27.06. mitgeteilt, dass der Dalheimer Weg für uns nicht als Alternativstandort für das Haus Mainusch in Frage kommt.

Wir möchten an diese Information anschließen und Ihnen im Folgenden einige Voraussetzungen nennen, die ein Ausweichobjekt und ein neuer Mietvertrag unserer Meinung nach erfüllen sollte. Dadurch erhoffen wir uns, den Prozess effizienter und für alle Seiten zufriedenstellender zu gestalten.

Zunächst möchten wir anmerken, dass unsere Priorität weiterhin darin besteht, das Haus Mainusch am aktuellen Standort zu erhalten. Wie wir Ihnen schon dargelegt haben, werden durch den Umzug fast 30 Jahre Geschichte von selbstorganisiertem Engagement verloren gehen. Das schließt zahlreiche Erinnerungen von Menschen an diesem Ort, aber auch die Spuren dieser Menschen in Umbau, Sanierung und Renovierung ein. Das schließt die Kenntnis vieler Menschen von diesem Ort ein, die immer noch, wenn sie in Mainz sind den Weg dorthin finden. Das schließt die einzigartige Weise ein, wie dieser Raum als Zentrum nutzbar gemacht wurde und genutzt wird. Kein neues Objekt ist auf einer emotional-historischen Ebene mit dem aktuellen Ort vergleichbar.

Auch ein vergleichbar guter Standort mit Anbindung an den Campus, den AStA und die Stadt, konnten Sie uns in unseren bisherigen Gesprächen nicht in Aussicht stellen. Dieser ist jedoch essenziell für unsere Arbeit als Kommunikationszentrum.

Da Ihr Interesse jedoch im Bau des Medientechnikhauses an unserem Standort liegt, möchten wir Ihnen unsere wichtigsten Voraussetzungen für ein anderes Gebäude darlegen. Diese sind im Folgenden:

  • *Lage auf dem Zentralcampus* (Areal zwischen Dalheimer Weg, Albert-Schweitzer-Straße, Wittichweg und Staudingerweg) – wir sind ein Ort, der von vielen Studierenden genutzt wird. Von daher ist ein Objekt auf dem Campus für die Nutzer_innen des Haus Mainusch essentiell.
  • Mindestens gleiche Fläche mit gleichen Nutzungsmöglichkeiten – besonders ist hier die Möglichkeit der Einrichtung einer Küche als herausragend wichtig zu nennen.
  • Barrierefreier Zugang – insbesondere zu den Sanitäranlagen und Büro.
  • in freistehendes Gebäude mit einem gestaltbaren Außenbereich.

Desweiteren sind uns einige Dinge in Bezug auf einen neuen Mietvertrag wichtig:

  • Ein Bleiberecht in dem neuen Projekt für mindestens 30 Jahre.
  • Ein nahtloser Übergang ist für das Bestehen des Projekts unabdingbar.
  • Wir möchten zukünftig so früh wie möglich über Baupläne informiert werden.
  • Wir möchten die Möglichkeit der Unterbringung von Gästen (bspw. tourende Bands) im Mietvertrag zugesichert bekommen – dies wäre beispielsweise in Form von einer kleinen Bauwagensiedlung vorstellbar.
  • Schließlich ist es uns wichtig über die Kosten des forcierten Umzugs zu reden, für den zB mindestens ein LKW angemietet werden müsste, da der Verein selbst keinen besitzt. Weitere Kosten sind ebenfalls vorstellbar und können nicht vom Verein allein getragen werden.

Wir hoffen, diese Punkte unterstützen Sie bei der Prüfung von möglichen Ausweichalternativen.

Wir freuen uns über eine Rückmeldung Ihrerseits, gern in Form eines Terminangebots für ein Gespräch.

Gleichzeitig möchten wir Sie darüber informieren, dass dieses Schreiben in Form eines offenen Briefes von uns im Internet publiziert und auch an die Presse weitergeleitet wird. Wir haben in der letzten Zeit sehr viele Anfragen bezüglich der aktuellen Situation und den Aussichten der Verhandlungen erhalten – dem öffentlichen Bedürfnis nach Informationen möchten wir auf diesem Wege genüge tun.

Mit freundlichen Grüßen
das Haus Mainusch-Kollektiv

Haus Mainusch

Über Haus Mainusch

Einem kleinen Haus, das versucht, sich seine widerständische Praxis zu erhalten. Ein Ort, der jeder*jedem eine Plattform bieten soll, sich mit einzubringen und seine*ihre Umwelt kulturell mitzugestalten. Das Mainusch soll die Möglichkeit eröffnen, Erfahrungen in Selbstorganisation von Projekten oder Veranstaltungen zu sammeln, ein Ort der Kommunikation und des Miteinanders.

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