Bildet Banden (5)

Herrscht zwischen dem Kleinkarierten und den Freischwebenden Affinity? Wir hoffen es, denn Affinity macht das Leben schöner. RJ | CC BY

Soziale Bewegungen organisieren sich auf viele verschiedene Arten. Die Diskussion darüber, welche Form der Organisierung effektiv und gleichzeitig möglichst hierarchiearm ist, wird seit Jahrhunderten teils heftig geführt. Zum Abschluss dieser fünfteiligen Serie erzählt Max von seinen eigenen Erfahrungen mit Organisierung, beschreibt das Affinity-Prinzip und redet über den Frust formeller Treffen.

Ich organisiere mich am liebsten informell, in kleinen Gruppen oder Netzwerken, mit Freund_innen. Ich bin ein Anhänger vom Affinity-Prinzip – das heißt, ich organisiere mich mit Leuten, denen ich vertrauen kann, mit denen ich gut klarkomme. Das ist mir lieber, als mich in großen Dachverbänden zu organisieren mit vielen Leuten. Mein Ansatz ist Do-It-Yourself. Um ein Beispiel zu nennen: Ich mag Orte, an denen ich einfach auftauchen und an dem teilnehmen kann, was gerade passiert oder mir dort selbst was suchen kann, was getan werden muss – und es einfach machen.

Ich komme nicht mit allen klar, weil ich spezielle Bedürfnisse habe, die nicht von allen berücksichtigt werden. Also arbeite ich mit Leuten, mit denen es „klick“ macht. Außerdem bin ich recht eklektizistisch und finde es gut, mit ganz verschiedenen Leuten zu arbeiten, Verbindungen aufzubauen, die nicht auf den unmittelbaren Freundeskreis beschränkt sind. Es gibt eine Menge Dinge, die nicht als Organisierung anerkannt werden, die aber wirklich wichtig sind, um Leute zusammenzubringen. Menschen schaffen Verbindungen über Lesekreise, Kunstprojekte, gärtnern, oder einfach, weil sie zusammen in einem Wohnprojekt oder einem Squat abhängen. Diese Verbindungen sind oft sehr real und bilden eine Basis für politischere Arten der Kooperation.

„Ich arbeite in losen Zusammenhängen“

Ich sehe meine eigene politische Praxis als Theoretiker und Pädagoge (educator). Meine Arbeit findet an den Rändern der Bewegungen statt, ich trage zu Veranstaltungen bei, die andere organisieren oder rede mit Leuten einzeln. Ehrlich gesagt bin ich nicht ganz sicher, was die Rolle von jemandem ist, der Theoriearbeit in Graswurzel- oder horizontalen Bewegungen macht – die Leute entwickeln ihre eigenen Theorien. Aber wenn es sowas wie einen organischen Intellektuellen oder eine organische Intellektuelle in einer horizontalen Bewegung gibt, dann sehe ich mich so.

Ich finde mich in der anti-organisationalen Kritik wieder, die innerhalb von post-linken, anarchistischen Kreisen entwickelt wurde. Das bedeutet, dass ich in losen Zusammenhängen arbeite, ohne festgeschriebene Organisationen. Ich finde formelle Strukturen sehr entfremdend – es ist oft schwierig, gehört zu werden und für ein kleines Untergrüppchen ist es leicht, alles zu dominieren. In formellen Strukturen gibt es häufig lange, frustrierende Plena, die jede Menge Stress bedeuten, ohne dabei viel politischen Output zu generieren.

„Ich verbringe meine Zeit lieber beim konkreten Arbeiten, als auf Plena“

Dazu kommt eine lange Liste von Regeln, über die man wie über Fallstricke fällt. Bei diesen ewigen, frustrierenden Plena frage ich mich oft, ob wir über die Streitfrage nicht einfach in unserem Alltag reden können, anstatt ein Riesending draus zu machen. Ich verbringe meine Zeit viel lieber in informellen Gruppen oder arbeite ganz konkret an etwas, als auf Plena zu gehen.

Informelle Organisation ist kein Allheilmittel gegen Autoritarismus, weil informelle Gruppen manchmal auch informelle Hierarchien haben, aber damit lässt sich umgehen, wenn jemand von Außen mit jemandem in der Gruppe Affinity hat. Ich habe nicht nur in kleinen Gruppen gearbeitet, sondern auch in umfangreichen, lose verbundenen Netzwerken – und in Kontexten mit leicht formalisiertem Charakter.

Dennis Firmansyah

Über Dennis Firmansyah

Dennis Firmansyah hat die Zwischenzeit 2013 mitbegründet und 2016 die Herausgeberschaft und Chefredaktion übernommen. Seine Themen sind Migrationspolitik, Recht auf Stadt und Regionalgeschichte. Neben der Zwischenzeit veröffentlicht er auch bei der Jungle World, Direkte Aktion und Graswurzel Revolution.

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