Buchmesse: Kein Platz für Identitäre Bewegung

Zerissenes Demo-Schild

Am Samstagabend konnten etwa 70 Antifaschist*innen die Veranstaltung des rechten Antaios Verlages erfolgreich stören. Mit lauten Parolen konnte der Auftritt von Martin Sellner und Mario Müller (Identitäre Bewegung) verhindert werden. 

Am vorletzten Abend der Frankfurter Buchmesse erhielt der rechtsradikale Verlag Antaios eine große Bühne und viel Publikum für seine kruden Thesen. Der Verlag bot dort Björn Höcke (AfD) Bühne. Zahlreiche Demonstrant*innen hatten dagegen protestiert. Die AfD-Anhänger*innen nahmen ihnen die Plakate weg, die stundenlang zerissen auf dem Boden lagen.

Anschließend konnte Akif Pirnicci dort widerspruchsfrei großzügige Vergleiche zwischen sich und Thomas Mann ziehen. Als Martin Sellner und Mario Müller aber die Bühne betraten, reichte es einigen Besucher*innen.

Rund 70 Personen riefen laut Parolen gegen den Auftritt der Identitären Bewegung. Sofort griff die Polizei ein. Einzelne Polizisten gingen dabei hart vor und griffen kritische Personen aus der Menge grob an. Sie bildeten eine Kette zwischen den kritischen Besucher*innen und dem rechtsgerichteten Publikum, das um die Bühne stand. 40 Minuten lang machten die Besucher*innen ihren Unmut mit Parolen und Trillerpfeiffen Luft. Bis zur Schließung der Messe-Halle hielten sie durch. Martin Sellner und Mario Müller hatten entsprechend keine Gelegenheit ihre völkische Propaganda auf der großen Bühne zu verbreiten.

Enthauptungsgebärden gingen vom weißen, rechten Publikum aus

Das rechtsgerichtete Publikum, das direkt hinter der Polizei stand, verließ zum großen Teil nach und nach das Messegelände. Allerdings kam es auch dabei zu körperlichen Attacken von Seiten des rechten Publikums. So berichtet eine PoC-Antifaschistin, wie eine Weiße beim Verlassen der Halle sie mit Absicht schmerzhaft in den Rücken stieß. Obwohl es direkt vor den Augen der Polizei passierte, griff diese nicht ein. Stattdessen filmte die Polizei die Antifaschist*innen, von denen keinerlei Gewalt ausging. Zwei weitere PoC-Antifaschistinnen wurden durch das weiße, rechte Publikum direkt bedroht: „Sie standen direkt hinter einem Polizisten. Sie haben darauf gewartet bis wir Blickkontakt hatten, anschließend machte eine Weiße die Drohgebärde der Enthauptung. Mehrmals deutete sie dann auf uns.“

Drei weitere Antifaschist*innen wurden während des Protests von der Polizei festgehalten. Eine von ihnen berichtet vom überzogenen Vorgehen der Polizei. Sie habe sich demnach einer Leibesvisitation unterziehen müssen, als wäre sie kriminell. Den Dreien wird vorgeworfen eine Person aus dem rechten Publikum angegriffen zu haben. Dabei sei es umgekehrt der Fall gewesen, aber ihre Sicht  würde nicht angehört, erklärten die Antifaschist*innen.

Trotz erfolgreicher Aktion – fader Beigeschmack

Es ist nicht nachvollziehbar weshalb die Polizei das rechtsradikale Publikum nicht ins Visier nahm, von dem Drohgebärden und Handgreiflichkeiten ausgingen. Obwohl die Aktion gegen die Identitäre Bewegung für sich erfolgreich war, bleibt somit ein fader Nachgeschmack. Auch die Tatsache, dass der Antaios Verlag überhaupt noch einen weiteren Tag Raum erhält auf der Buchmesse ist bedenklich. Der Stand ist ein Sammelbecken für Rechtsradikale auf der Frankfurter Buchmesse. Bereits am Freitag gingen sie gegen kritische Besucher*innen vor.

 

[Redaktioneller Kommentar: in der ersten Version stand „Bernd Höcke“. Dank eine_s_r aufmerksamen Leser_in, haben wir den Namen verbessert in „Björn Höcke“.]

2 Gedanken zu “Buchmesse: Kein Platz für Identitäre Bewegung

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