Das Inter1 denen, die drin wohnen

"Inter1 Forever." steht an das Inter1 geschrieben. Zicke | CC BY-NC-SA

Es muss in der vergangenen Nacht gewesen sein, als sich das Inter1 von einem leeren Studierendenwohnheim zu einer Leinwand des Widerstandes verwandelt hat. Die Fassade des Gebäudes ist voller Farbe, die Eingänge zum Haus sind verbarrikadiert. An der Außenwand, entlang des massiven, fünfzehnstöckigen Wohnheims sind Banner angebracht: „Besetzt“, „Günstiger Wohnraum ist die halbe Miete“ und „Häuser denen, die drin wohnen“. Erst vor etwa zwei Wochen hatte Unbekannte den meterhohen Schriftzug „Inter geht, Mainz brenn!“ an die Wand des Gebäude angebracht.

Die Aktion fällt in den Kontext weiterer Proteste rund um das Recht auf die Stadt. Erst am vorangegangenen Samstag endete die „Platz Da?!“-Aktionswoche mit einer gut besuchten Demonstration in der Mainzer Innenstadt. Im Verlauf der Aktionswoche beschäftigten sich Hunderte Menschen mit Wohnraumpolitik, Asylrecht und alternativen Konzepten der Unterbringung von Geflüchteten. Heute beginnt die Wohnkampagne des AStA der Uni Mainz, bei der in einem Protestcamp gegen hohe Mieten eine Reihe von Filmen und Vorträgen zu Gentrifizerung und neoliberaler Stadtpolitik organisiert werden.

„Bock, was Selbstbestimmtes auf die Beine zu stellen“

Als das Inter1 am heutigen Morgen von der Polizei gestürmt wurde, trafen die Beamt_innen niemanden im Inneren des Gebäudes an. Die Nachricht von der Besetzung hat trotzdem schon weite Kreise gezogen. Lorin, die im ältesten noch immer besetzten Haus der BRD wohnt, in der Frankfurt Au, freut sich über die Aktion: „Es ist super, dass Leute immer noch Bock haben, etwas Selbstbestimmtes auf die Beine zu stellen. In Mainz geht gerade viel ab in Sachen Besetzung.“

Tobias Noll, ehemals Mitglied der Heimverwaltung des Inter1, hat Ende letzten Monats das sogenannte Protestival für das Wohnheim mitorganisiert. In Form von Parties, Diskussionsrunden und Livemusik haben die Teilnehmer_innen dort gegen die Schließung des Inter1 protestiert. Er habe zu den Aktionen am Montag nicht aufgerufen, könne die Aktivist_innen aber verstehen: „Wenn man von offiziellen Stellen immer wieder hört, dass sie nichts machen können, obwohl total viel möglich wäre, dann verstehe ich gut, warum manche Leute einfach mal andere Saiten aufziehen.“

Dennis Firmansyah

Über Dennis Firmansyah

Dennis Firmansyah hat die Zwischenzeit 2013 mitbegründet und 2016 die Herausgeberschaft und Chefredaktion übernommen. Seine Themen sind Migrationspolitik, Recht auf Stadt und Regionalgeschichte. Neben der Zwischenzeit veröffentlicht er auch bei der Jungle World, Direkte Aktion und Graswurzel Revolution.

Ein Gedanke zu “Das Inter1 denen, die drin wohnen

  1. Hans

    Statt eines Kommentars ein Auszug eines Kommentar der Mainzer AZ vom 28,04.15: „Die Forderungen nach bezahlbarem Wohnraum werden in Mainz immer lauter. Beispiele dafür sind die Wohnbau-Mieter der Sömmeringstraße, denen der Abriss ihrer Häuser angekündigt wurde,….Was sie eint [Bewohner in der Sömmeringstraße und PLATZDA], ist der Unmut über den schleichenden Gentrifizierungsprozess in der Innenstadt. Demnach wandern ärmere Bevölkerungsgruppen ab, weil sie sich…. “ Da muss ich selbst kommentieren. Was heißt hier „Abwandern?“ – Das ist VERDRÄNGUNG! – Die Bewohner der Sömmeringstraße verlassen ihre Wohnung genauso wenig freiwillg, wie die vom Inter I freiwillig gegangen sind. – Hier hat das Wort „Abwandern“ nichts zu suchen! Es nicht um Migrations- Wanderungsbewegungen. Die Objektivität einer Wissenschaft ist fehl am Platz, wenn Menschen das Recht auf Wohnen, als soziales Umfeld geraubt wird und wenn die Mieten für Studentenwohnungen so teuer werden, dass die Studis vor lauter Jobben nicht mehr genug zum Studieren kommen und das Studium dann ganz aufgeben müssen. Auch das eine VERDRÄNGUNG.

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