Das Nazi-Denkmal

Der Bauplan des Kriegsmarinedenkmals zeigt einen Reichsadler mit Hakenkreuz.

Der Bauplan des Kriegsmarinedenkmals zeigt einen Reichsadler mit Hakenkreuz. Mainzer Stadtarchiv | Public Domain

Jedes Jahr im November erlebe ich das gleiche Ärgernis. Die Stadt legt am Volkstrauertag einen Kranz an das Kriegsmarinedenkmal am Fischtorplatz. Dort wird dem Untergang eines Kriegsschiffes im Ersten Weltkrieg gedacht. Doch das Denkmal ist ein Nazi-Denkmal. Der Ausschnitt aus einem Bauplan des Obelisken am Fischtorplatz zeigt ein Nazisymbol: fliegender Adler mit Hakenkreuz in den Krallen. Die Baupläne liegen zusammen mit der Baugenehmigung im Mainzer Stadtarchiv. Dokumente des fertiggestellten Denkmals mit Adler sind nicht auffindbar. Es gibt keinen erkennbaren Grund anzunehmen, dass das Denkmal nicht mit dem Nazisymbol errichtet worden wäre. Es befand sich an allen öffentlichen Gebäuden. Die Symbole mussten nach der Befreiung Deutschlands auf Befehl der Militärkommandanten der Siegermächte beseitigt werden. Befreiungsfeiern gab es 1945 nicht. So gehe ich davon aus, dass über die Beseitigung von vornherein nichts dokumentiert wurde.

Dass die Allgemeine Mainzer Zeitung (AZ) vom 28.08.14 behauptet, das Denkmal sei „kein Nazi-Denkmal“, ist nicht nachvollziehbar. Die Inschrift auf dem Denkmal zeugt von dem militaristischen und fanatischen Geist dieser Zeit. Denn sie empfiehlt den „Heldentod“ künftigen Geschlechtern zur „Nacheiferung“. Diese Haltung wurde im Nationalsozialismus jungen Menschen an Schulen gelehrt und viele gingen freiwillig in den Krieg, um „für das Vaterland“ zu sterben. Doch nicht nur der Zeitpunkt der Erbauung und die Inschriften am Denkmal bezeugen die braune Vergangenheit des Denkmals. Auch die Hintergründe seiner Errichtung zeugen davon.

"Kein Kranz für Kriegspropaganda"-Text auf dem Kriegsmarineehrenmal

„Kein Kranz für Kriegspropaganda“. So wurde das Denkmal mit roter Farbe beschriftet.

Erbauer war der 1899 gegründete Marineverein. Die Baugenehmigung vom 25. Juli 1939 wurde mit den Bauplänen dem Kameradschaftsführer Herr Philipp S., dem damaligen Vorsitzenden der Marine-Kameradschaft Mainz, übersandt. Den Vorsitz hatte er von 1931, zwei Jahre bevor die Nazis an die Macht kamen, bis 1944. In diesem Jahr „erlosch das Vereinsleben, weil ein großer Teil der Vereinsmitglieder einberufen war“, so die Chronik im Stadtarchiv. 1952 wurde der Marineverein neu gegründet. Der gleiche Philipp S. wurde erneut Vereinsvorsitzender und blieb es bis 1956! Mir scheint diese über drei Staatsepochen – Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Bundesrepublik – dauernde Besetzung des Postens mit immer der gleichen Person auch für die Gegenwart bemerkenswert.

Der Oberbürgermeister findet nichts dabei, an diesem Denkmal zum Totengedenken einen Kranz niederzulegen. Zu den Tätern macht er keine Aussage. Will er die Täterschaft verdrängen? Berechtigte Widerstandshandlungen gegen eine solche Haltung des Verdrängens hat die städtische Obrigkeit offensichtlich geflissentlich übersehen, um die Verwandlung von Tätern zu Opfern und erneute Heldenverehrung, Kriegsverherrlichung und Kriegshetze nicht zu stören. Protestierende Beschriftungen werden jeweils wenige Tagen nach ihrer Anbringung kommentarlos beseitigt.

Hans Ripper

Über Hans Ripper

Hans Ripper mutierte vom Staatsdiener zum -kritiker, als er sich Anfang der 1980er mit dem Staat beim Bau der Startbahn West konfrontiert sah. Seinen Job gab er zehn Jahre später auf. Anlass war der Beginn der Umstrukturierung der NATO zu einer Interventionsarmee „out of area“ für militärische Durchsetzung neoliberaler Wirtschaftsinteressen. Hans wurde zum Pazifisten, nahm an Protesten gegen Volkszählungen und die Hartz-IV Reform teil, bei organisierten Demobeobachtungen zur Absicherung von Meinungsfreiheit und Demonstrationsrecht im Wendland, beim G8-Gipfel in Heiligendamm und bei Blockupy.

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