Der Volk is back

Ein Illuminat steht vor der Menschenmenge am Mainzer Hauptbahnhof

Postapokalyptische Illuminaten pür abendländische Panik-Orientierung - sie sind unter uns. Kaspar Skwatten | CC BY-NC-SA

Pegida wütet in Dresden, und das mit mittlerweile mehr als 17.000 Teilnehmer_innen. Zeit also, dagegen auch in Mainz etwas zu unternehmen. Daher trafen sich am gestrigen Abend am Hauptbahnhof ab 18 Uhr etwa 250 Menschen, um unter dem Motto „PIPAPO – Postapokalyptische Illuminaten pür abendländische Panik-Orientierung“ gegen Rassismus, Deutschtümelei und Homophobie zu demonstrieren. Zuvor war auf Facebook zu der Kundgebung eingeladen worden. Die Veranstalter_innen setzten dabei auf Satire, und so war zunächst ein resolutes „Wir sind alle sehr besorgt, weil ihr uns kein Geld mehr borgt!“ von den Anwesenden zu hören.

Wie auf der echten Pegida durften auch in Mainz die Einheizer nicht fehlen, die das Publikum lautstark zum Skandieren von Parolen antrieben. Vor allem der Mainzer Rapper form, der die Veranstaltung, wie er sagt, zusammen mit „zwei straßenkampferprobten deutschen Volkstänzern“ organisiert hatte, lief dabei zu Höchstform auf. Mit großem Elan pöbelte er gegen die „Islamisierung des Winterhafens“, hetzte gewandt gegen „Baklava-Torten“ und  verlangte, dass mehr Saumagen verzehrt werde. Außerdem trat er dafür ein, nun endlich „Der Volk“ sagen zu dürfen – denn „das Volk“ im Neutrum sei doch schließlich nur vom allgegegenwärtigen Genderwahn diktiert. Zwischendurch wurde zur Auflockerung immer wieder Wagner gespielt. Was wäre Deutschland schon ohne Hitlers Lieblingskomponisten?

Pegida wird lächerlich gemacht

Der Reihe nach wurden die Positionen von Pegida durch den Kakao gezogen, und stilsicher verweigerten einige der Teilnehmenden der Lügenpresse das Interview. Doch reicht so eine Persiflage der Pegida auch, um sie zu demontieren? Einige hätten es gerne gesehen, wenn die gestrige Kundgebung etwas informativer ausgefallen wäre. Gerade Umstehende, die vielleicht nur einzelne Brocken aufschnappen, hätten mensch durch Flyer aufklären können, äußerte sich Louisa (22), die unschlüssig ist, was sie von „PiPaPo“ halten soll. Çiçik (26), die nicht nur privat, sondern auch als Vertreterin des kurdischen Studierendenverbands YXK gekommen war, freute sich hingegen über das ungewohnte Format, weil es nicht so langweilig sei und mehr Menschen ansprechen könne. Sie hätte es aber gerne gesehen, wenn mehr persönlich von Rassismus Betroffene gekommen wären.

Das dem Augenschein nach überwiegend weiße Menschen vor dem Hauptbahnhof erschienen sind, könnte auch der eher mäßigen Mobilisierung geschuldet sein. Lediglich über Facebook und Twitter wurde zuvor zum Kommen aufgerufen; einige der Teilnehmer_innen hatten noch kurzfristig per SMS von der Veranstaltung erfahren. Es sind aber auch Menschen erschienen, die sich unmittelbar von Pegida bedroht sehen. Mohannad, der aus Syrien fliehen musste und sich erst seit einigen Monaten in Deutschland aufhält, hatte von einem Freund aus Leipzig von den rassistischen Aufmärschen erfahren. „It’s good for asylum seekers to protest here and stand up against racism. But we should be more people today.“ Er findet die Situation von Asylbewerber_innen, besonders im Osten von Deutschland, besorgniserregend. Auch Dalil, der direkt von einem der Organisatoren eingeladen wurde, ist gekommen, um gegen den Rassismus der Mehrheitsgesellschaft zu protestieren und freut sich über die Kundgebung.

Es braucht ein größeres Bündnis

Heshmat (60), der aus politischen Gründen den Iran verlassen musste und seit diesem Dezember seit 30 Jahren im Exil lebt, will nun mehr. „Nicht nur Pegida ist rassistisch, sondern Alltagsrassismus betrifft mich jeden Tag. Diese Kundgebung hier ist ein guter Anfang, aber so ein Protest bringt nur etwas, wenn er regelmäßig stattfindet, wenn er von einem breiten Bündnis getragen wird. Da muss noch mehr passieren.“ Und wie sieht das der Veranstalter? Form, der die Kundgebung angemeldet hat, kommentiert, dass er eine breiter aufgestellte Demonstration auch gerne unterstützen würde, aber derzeit einfach nicht mehr Zeit für die Organisation habe. „Mit einem Bündnis wird das auch schnell wieder so eine langweilige Veranstaltung, wie es sie viel zu oft gibt. Wir wollten das hier mal anders hochziehen.“

Kaspar Skwatten

Über Kaspar Skwatten

Vor etwa einem Jahr tauchte Kaspar Skwatten in Mainz auf: Müde von der Reise beschloss der gelernte Gärtner, der schon viel herumgekommen war, sich auf ein neues Arbeitsfeld einzulassen und fand schnell neue journalistische Freunde. Nun schreibt er für die Zwischenzeit und beschäftigt sich vor allem mit dem Thema Rassismus.

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