Die neue deutsche Friedenswelle

Reichskriegsadler-Mann und Hippie-Frau

"Mahnwache für den Frieden" am Mainzer Hauptbahnhof: Die Veranstalter_innen wollen nicht rechtsoffen sein. Christian Borchert | CC BY-NC-SA

„Eine neue deutsche Friedenswelle muss durch die Welt rollen!“, schreit es aus einem Lautsprecher. Schauplatz dieser Forderung ist der Mainzer Hauptbahnhof. Hier haben sich am heutigen Montag gegen 18 Uhr etwa 50 Menschen versammelt, die an einer sogenannten „Mahnwache für den Frieden“ teilnehmen wollen. Im Hintergrund steht eine quietschbunte Wand, auf der das Wort Frieden in mehreren Sprachen zu lesen ist. Vereinzelt hängen Luftballons in Herzform daran herab. Zu der Veranstaltung eingeladen hatte der Anmelder der Kundgebung, Owe S., der sich gerade lautstark über das Mikrofon an seine Zuhörer_innen wendet. Laut eigener Aussage will er den „Weltfrieden“. Im Vorfeld hatte er Kritiker_innen seiner Veranstaltung als „Verbrecher“ bezeichnet und damit gedroht, sie öffentlich „an den Pranger zu stellen“. Auch jetzt tritt er augenscheinlich wenig friedliebend auf, aus dem Publikum wird er einmal gebeten, doch bitte weniger aggressiv zu sprechen.

Seine acht Mitstreiter_innen, die sich zu Beginn der Veranstaltung alle vorstellen, schlagen dagegen einen ganz anderen Ton an. M.(*), Angestellte an der Mainzer Universität, die in bunter Kleidung gekommen ist und betont sanft und ruhig spricht, will für „Frieden und Gerechtigkeit einstehen“. Chris, Student der Ethnologie, fragt sich, warum es keinen Frieden in der Welt gibt und „recherchiert gerne im Internet“ auf der Suche nach Antworten. Und Bodo hat vor mehr als 20 Jahren Unterschriften gegen den NATO-Doppelbeschluss gesammelt und nun seinen angestaubten Friedens-Anstecker, den er heute an seinem Kopftuch trägt, wieder ausgepackt. Wie auch die anderen, die sich nun der Reihe nach am Mikrofon präsentieren, will er – natürlich – „Frieden“. Deshalb liest er auch gleich ein Gedicht des Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch vor, das vor dem Faschismus warnen soll.

Was ist der Frieden?

Nach etwa einer Viertelstunde drängt sich dann endlich doch die Frage auf: Was ist dieser Frieden eigentlich? Wenn ihn sich alle so sehr wünschen, müsste er doch genauer zu fassen sein. Daher reicht nun Charlotte, die auch zum Veranstaltungsteam gehört und die Frage aufgeworfen hat, das Mikrofon herum. Alle sollen nun kurz sagen, was sie sich denn unter dem Frieden vorstellen. Eine lange Aufzählung von Schlagworten entsteht unter Mitwirkung der zögerlich sich beteiligenden Zuschauer_innen: Akzeptanz, innerer Frieden, Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Vorurteilsfreiheit, Selbstbestimmung und nicht zuletzt Gemeinschaft werden genannt. Damit ist freilich herzlich wenig Konkretes gesagt, und so beginnen bald diverse Reden, die überwiegend von M.(*) und Bodo kommen, garniert mit einigen wütenden Einlagen des Anmelders.

Die politischen Themen, die die Redner_innen dabei anschneiden, sind vielfältig und mitunter derart weit weg von dem Titel der Veranstaltung, dass es schwer fällt, sie in einen sinnvollen Zusammenhang zu stellen. So artikuliert M.(*) ihre Unzufriedenheit mit aller Parteipolitik: „Wollen wir unser Leben in die Hände unbekannter Menschen legen? Wir brauchen die Politiker nicht!“ – ein Statement, das später von ihr und in anderen Ansprachen ähnlich wiederholt wird. Die Unzufriedenheit mit dem politischen System also scheint groß zu sein. Das wird auch deutlich, wenn es um das europäische Freihandelsabkommen TTIP geht, das aktuell vielfach auch von linker Seite in der Kritik steht. Die damit verknüpften Befürchtungen M.s(*), dass bald nur noch „die Konzerne über unser Leben entscheiden“ und den Menschen in Europa „sämtliche Grundrechte genommen“ werden, können jedoch kaum als differenzierter Standpunkt gelten.

Unmutsbekundungen statt Analysen

Eine Unmutsbekundung ist das dennoch. Und davon gibt es noch viele mehr: Über das umstrittene Fracking, über die Privatisierung des Mainzer Zollhafens, die ECE-Shopping-Mall und Ähnliches werden Angst und Misstrauen am Open Mic öffentlich gemacht. Dazu gesellen sich ab und an ein paar laute Töne von Owe, der Kritik an der ukrainischen Swoboda-Partei und deutscher Außenpolitik mit Verschwörungszusammenhängen mischt. Die Statements der am Mikrofon zu Wort kommenden Menschen lassen bisweilen auch gar keine politischen Bezüge mehr erkennen, nicht einmal unbedingt einen Zusammenhang mit dem Thema Weltfrieden. So spricht ein älterer Mann mit großen Enthusiasmus davon, dass sich doch alles eigentlich nur um das Schienennetz drehe – nichts anderes sei unser Leben nämlich, und dieses Netz müsse nun dringend neu verlegt werden.

Unweigerlich kommt es auch zu den Beiträgen, deren eindeutig rechtsnationale Tendenz die Veranstalter_innen kleinreden oder bewusst ignorieren: Ein älterer Mann verkündet, wie sehr es doch Gemeinschaft für den Frieden bräuchte. Früher sei das doch in Deutschland viel besser gewesen, da habe es mehr Zusammenhalt gegeben. Sofort schallen ihm Buhrufe und Pfiffe aus dem Lager der Kritiker_innen der „Mahnwache“ entgegen, die sich in einiger Distanz versammelt haben. Sie verfolgen die Veranstaltung schon seit einer ganzen Weile mit skeptischen bis ablehnenden Blicken. Doch Owe, der sich als Anmelder und lautester Redner hier angesprochen fühlt, distanziert sich nicht von der nationalistischen Aussage, im Gegenteil: „Applaus für diesen mutigen Mann!“ fordert er die weniger kritischen Besucher_innen der Veranstaltung zum Beifall auf. Die reagieren auch prompt und klatschen engagiert für die fragwürdige Nostalgie des Vorredners. Der geht noch einmal ans Mikrofon, um zu verkünden, dass er deshalb natürlich kein Rassist sei.

Keine Distanzierung vom Reichsadler

Es kommt jedoch noch zu anderen Zwischenfällen. Nach einer längeren Tirade Owes, die er gegen „die Massenmedien, die unsere Gehirne zumüllen“ richtet, betritt ein Redner die Bühne, dessen T-Shirt wenig Raum zur Interpretation lässt: Darauf ist unverkennbar ein Reichsadler aus der NS-Zeit zu sehen, flankiert von dem Schriftzug „Manuel H.“ Auf Nachfrage werden die Bezüge hergestellt: Manuel H., auch bekannt unter dem Namen King Orgasmus One, ist ein Berliner Rapper, der durch seine von Gewaltdarstellungen und extremer Frauenfeindlichkeit gesättigten Texte bekannt ist. Also doch kein Nazi? Nein, nur ein Porno-Rapper, wie Mitveranstalter Chris feststellt – dann ist ja alles wieder in Butter. Der Reichsadler auf dem T-Shirt oder der Umstand, dass ein bekannter und gewaltbereiter Münchner Nazi den gleichen Namen trägt, wird nicht mehr erwähnt. Genausowenig, dass der auffällig gewordene Mann im Weggehen einen herumsitzenden Punk mit einem Fußtritt attackiert. Später ist der Angreifer in Begleitung mehrerer Polizist_innen auf dem Weg zur Bahnhofswache zu sehen.

Die Verbindung des Namens Manuel H. nach München mag mensch ruhigen Gewissens als bloßen Zufall abtun. Das NS-Symbol auf dem T-Shirt hingegen transportiert schon für sich genommen eine eindeutige Botschaft, die nicht einfach ignoriert werden kann. Auch hier distanzieren sich die Veranstalter_innen nicht, mehr noch: Statt dem Träger eindeutig klar zu machen, dass er mit Nazi-Symbolen nicht willkommen ist, zeigt sich M.(*) Arm in Arm mit dem Mann, das Logo auf seinem T-Shirt verharmlost sie als bloßes Missverständnis. Ein Geste, die nur zu deutlich macht, inwiefern die Beteuerungen, sich von rechtsradikalen Positionen zu distanzieren, nicht glaubwürdig sind. Dieses Problem scheint jedoch auf der „Mahnwache für den Frieden“ gar nicht wahrgenommen zu werden. Der Nachfrage, ob sich damit nicht die im Vorfeld vorgebrachte Kritik der Rechtsoffenheit bestätigen würde, weicht der Anmelder Owe S. zunächst aus. Er habe da gerade hinter der Aufstellerwand gestanden, als der Redner mit dem eindeutigen Symbol aufgetreten sei, und deshalb gar nichts davon gesehen.

Anmelder will von rechten Tendenzen nichts wissen

Doch als ich die Frage wiederhole, wird Owe plötzlich ausfällig. Mit am Hals hervortretenden Adern schreit er mich an, dass ich ihn nicht zu beleidigen habe. Ständig würden die Montags-Aktionen diffamiert, was ich mir denn erlauben würde, ihn nach politisch rechten Bezügen auf seiner Veranstaltung zu fragen; immer werde nur davon gesprochen. Dabei tritt er drohend nah an mich heran und gestikuliert heftig, das Mitschreiben fällt mir schwer. Ich komme noch dazu, mir einige Wortfetzen darüber zu notieren, dass er türkische und „halb-schwarze“ Freunde habe. Offenbar geht er davon aus, sich so von der Kritik freizusprechen zu können. Angesichts solcher gar nicht friedfertiger Ausbrüche scheint die Frage angebracht, was Owe hier genau sucht: Den Frieden? Werbung für sein Rapper-Alter-Ego oder seine Baufirma, auf die er eingangs hinweist, während er den generösen Geschäftsmann gibt? Sucht er politischen Einfluss? Oder einfach nur eine Plattform, um Bestätigung in seinen Ansichten zu finden? Selbst bezeichnet sich Owe als „Wahrheitssucher“, während er die Bedeutung dieses Titels im vagen lässt. Seine Bezugnahme auf eigene Erinnerungen an die Montagsdemos in der ehemaligen DDR wirken aber durchaus authentisch.

So unklar wie Owes Motivation zu dieser Veranstaltung erscheint, so unklar sind auch die Beweggründe der herbeigeströmten Friedenssuchenden. Die allermeisten haben noch nie in ihrem Leben eine Kundgebung besucht, politisch geben sie sich indifferent: Ruth (17) wurde auf Facebook eingeladen. Eigentlich wollte sie nur sehen, ob auch auf einem solchen Wege politisch etwas zu bewegen sei, von Wahlen hält sie aber mehr. Am ehesten würde sie die CDU wählen, wie sie sagt, „die hört sich für mich ganz gut an.“ Tobias (28), der über Freunde von der Veranstaltung erfahren hat, ist unzufrieden damit, was in der Welt passiert und sieht die Schere zwischen Arm und Reich sich immer weiter öffnen. Er ist heute hier, weil er sich „einer Bewegung anschließen“ möchte. Auch Juliane (22) hat nach einer Einladung von Freunden „spontan und ohne viel nachzudenken“ ihren Weg auf dem Mainzer Bahnhofsvorplatz gefunden. In der Vielfalt der Inhalte, von denen sie sich etwas überrollt fühlt, kann sie sich aber nicht mit konkreten Punkten identifizieren. Dennoch überlegt sie, nächsten Montag wiederzukommen.

Es fehlt an politischer Analyse

Ausgereifte politische Meinungen oder Analysen treffe ich hier nicht an. Ein Redner geht gar soweit zu verkünden, dass er hierhergekommen sei, weil ihm die Veranstaltung parteilos, mehr noch ganz „absichtslos“ erschienen wäre. So kommt es auch, dass die „Mahnwache für den Frieden“ letztlich wenig mit Frieden zu tun hat und zum hippiesken Happening mit vereinzelten Rechtsaußen-Einlagen gedeiht. Alle wollen sich irgendwie wohlfühlen – das scheint aber auch der einzige gemeinsame Nenner der Versammelten zu sein. Die lokalen, langjährigen Friedensaktivist_innen der DFG-VK hingegen sind nicht an der „Mahnwache“ beteiligt gewesen. Das liegt auch daran, dass sie gar nicht eingeladen wurden, wie einer der Friedensaktivisten auf Nachfrage bestätigt; sie hätten eine Einladung aber ohnehin abgelehnt, weil ihnen die rechten Tendenzen der Veranstaltung bekannt sind. Wer tatsächlich den Krieg für ein universales Verbrechen hält, ohne dabei Partei für eine Seite zu ergreifen und es mit dem eigenen Engagement nicht bei einem dubiosen Fest auf dem Bahnhofsvorplatz belassen möchte, ist bei der DFG-VK, die in Mainz sehr aktiv ist, sicher gut aufgehoben.

Letztendlich scheint es geboten, angesichts des zu Tage tretenden reaktionären Potentials dieser „Mahnwache“ zu beurteilen, welche politische Rolle sie in nächster Zeit einnehmen wird. Geht gar eine Gefahr von dieser neuen Bewegung aus? Das ist schwer zu sagen. Dafür sprechen die unverkennbare Rechtsoffenheit der Veranstaltung und unkritische Bezüge auf Nationalstaaten wie Deutschland, oder die Umarmungsgeste gegenüber dem Mann, der mit einem Symbol mit unverhohlenen NS-Bezügen auftreten darf. Auch liegt auf dem Bahnhofsvorplatz ein allübergreifendes, indifferentes ‚Wir‘-Gefühl in der Luft, das eine völkische Note hat – vom ‚Ihr‘ ist jedoch noch nichts zu spüren. Wo also wird sich diese Bewegung ihre Feinde suchen? Bei den USA und der EU? Die rechten Tendenzen der Veranstaltung lassen vermuten, in welche Stoßrichtung es geht. Doch wer deshalb diese Bewegung pauschal als klassisch rechts abstempelt, macht es sich zu einfach. Zu diffus sind die Positionen, die in der Luft liegen, zu unentschieden und politisch orientierungslos das Publikum, um über die weitere Entwicklung der „Mahnwache“ bereits jetzt ein klares Urteil fällen zu können. In dem Unmut über Ausbeutung, Fremdbestimmung und das Regiert-Werden scheint aber auch viel emanzipatorisches Potential begraben zu liegen.

Eine Kritik ist angebracht

Daher bleibt nun abzuwarten, wie sich die Mainzer „Mahnwache für den Frieden“ entwickelt und welche Richtung sie politisch einschlägt. Bis jetzt macht die Mischung aus berechtigter Herrschaftskritik und autoritären Gesten, Verschwörungstheorien und begründeter Medienkritik, kapitalismuskritischen Beiträgen und undifferenzierten Beschwörungen einer Gemeinschaft einen reichlich unausgegorenen, richtungslosen Eindruck. Ein Appell zu einer solidarischen Kritik, den unter anderem der bekannte Berliner Sozialwissenschaftler Peter Grottian oder Andrej Hunko, MdB der Partei Die Linke unterzeichnet haben, schlägt einen anderen Umgang mit der Bewegung als bloße Abschottung vor. In dem Text rufen die Unterzeichner_innen dazu auf, die Bewegung nicht unbesehen zu dämonisieren, sondern sich mit den ihr innewohnenden Widersprüchen auseinanderzusetzen. Der Aufruf, auf die berechtigten Nöte und Sorgen der Teilnehmer_innen der „Mahnwachen“ und „Montagsdemos“ einzugehen, scheint einen Versuch wert. Aus ihm spricht die Absicht, die Wünsche der Demonstrant_innen nach Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung ernstzunehmen, und sich dennoch klar von neurechten Ideologien, die immer wieder zu Tage treten, abzugrenzen. Ob es möglich ist, zwischen dem Publikum und den Organisator_innen der „Mahnwache“ zu differenzieren, ist ungewiss. Hoffentlich wird es in Mainz gelingen, die Besucher_innen der Veranstaltung mit einer solchen Kritik zu überzeugen.

Christian Borchert

Über Christian Borchert

Christian Borchert hat in Mainz Politikwissenschaften und Soziologie studiert, um dann nach Abschluss seines Studiums 2012 erstmal nach Frankreich zu verschwinden. Dort hat er Häuser besetzt und verschiedene urbane, linke Projekte bei ihrer Pressearbeit unterstützt. Sein Arbeitsschwerpunkt sind populistische, politische Strömungen und die Hausbesetzer_innenszene. Seit April 2014 wirkt er auch als Autor bei der Zwischenzeit mit.

10 Gedanken zu “Die neue deutsche Friedenswelle

  1. David

    King Orgasmus, der mit bürgerlichem Namen Manuel Romeike heisst, nennt sich des öfteren provozierend „Manuel Hitler“.
    Darauf spielt besagtes Shirtmotiv an.

    Rechtsradikal-symbolisch aufgeladene Einsprengsel lassen sich immer wieder in seinen Liedern finden.
    Da er nicht müde wird, sich als „härtesten Rapper Deutschlands“ zu bezeichnen, scheint es logisch, dass ihm alle Mittel der Provokation recht sind, um dieses Image aufrechtzuerhalten.

    Es gibt alte Lieder von ihm, die mich teilweise zum Lachen bringen („Meine Brille ist schöner als dein ganzer Kopf“), immer jedoch, wenn es plump beleidigend, frauenfeindlich und eindimensional wird, muss ich ausschalten. Ich muss eigentlich immer ausschalten.

    Ich denke nicht, dass er tatsächlich rechtsradikal angehaucht ist, ich habe sehr viel Videomaterial von ihm gesehen und meine, das einschätzen zu können. Aber wissen kann ich es natürlich nicht.

    Das ist mir schon immer ein sehr großes Rätsel, es gibt Momente, in denen er schreiend komisch ist und mich Parallelen zu Heino Jäger oder Jürgen von Manger erkennen lässt, andererseits erscheint dann wieder ein Lied, das stumpfsinniger nicht sein könnte. Rätsel.

    Übrigens ist MC Fitti, der gerade in aller Munde ist, „Die Legende“ aus den Orgi-Pörnchen :)

    • Jan ZombikJan Zombik

      Hi David, interessante Hintergründe sind das, danke dafür. Dennoch bleibt eins völlig offen: Warum der Träger des T-Shirts politisch anders positioniert haben sollte, als es das von ihm zur Schau getragene Symbol kenntlich macht. Einen Reichsadler mit sich herumzutragen ist immer ein politisches Statement, auch wenn der vom Namen eines zweifelhaften Rappers geschmückt wird.

      • Lothar

        Hier gibt es noch mehr Infos dazu. Die Kommentare dazu zeigen auch, wie unterschiedlich das Thema behandelt wird: [Anm. d. Redaktion: Link wegen diversem problematischem Content entfernt. Wir unterstützen diesen Rapper nicht, auch wenn es im gleichen Kontext auch ein Fünkchen Kritik geben mag. Sicher finden sich dazu aber noch andere Quellen, wenn du das belegen willst.]

        Meine Meinung dazu. Wer sich ein solches Shirt anzieht, macht das entweder bewusst und muss sich nicht wundern, in der rechten Ecke zu stehen, oder er ist ungebildet, um nicht zu sagen, dumm.
        Gruß Lothar

  2. Markus

    Hallo liebe Leser dieses Artikels, und hallo Christian Borchert!
    Ich bin einer der Mitgründer der Mainzer Mahnwache.
    Ich finde es wirklich toll, dass ihr da wart. Kritik lese ich gerne, da sie einem ja auch seine Fehler aufzeigt. Leider richtet der Bericht sich eher gegen die Veranstaltung, die sich meiner Meinung nach gegen Faschisten richtet. Dies ist auch der Hauptgrund, warum ich überhaupt mitmache. Ich versuche mein Leben Buddhistisch zu leben, was bedeutet, dass ich eigentlich nichts beeinflussen sollte, und mich nicht beeinflussen lassen will. Ich habe eine große Tolleranzschwelle und akzeptiere alles und jeden, ausser Faschisten und rechte ORganisationen. Die Mahnwache finde ich absolut NICHT rechtsorientiert. Ich kann nur immer wiederholen, wenn linke bzw. der Großteil der Weltbevölkerung nicht will, dass eine Sache (Regierung, Mahnwache etc.) von rechten unterwandert wird, dann muss man diese selbst unterwandern. Es bringt nichts am Rande zu stehen und mit anzusehen wenn fragwürde Menschen zum offenen Mikrofon gehen und etwas zweideutiges sagen. Der Mann mit dem T-Shirt war meiner objektiven Ansicht nach irgendwie geistig verwirrt, sei es wegen alkohol oder sonstigen drogenkonsums. Vielleicht war er auch einfach nur psychich labil. Wer sich die Videos zur ERSTEN Mahnwache in Mainz ansieht, wird feststellen, dass der Mann kaum ein Wort hervorgebracht hat. Auch der Koch mit seinen zweideutigen Äusserungen fand doch nicht wirklich Zuspruch. Wie dem auch sei, wer sowas nicht tollerieren will, kann doch gerne ans Mikrofon kommen und etwas dazu sagen. Ich sehe jedoch ein, dass ich selbst etwas dazu hätte sagen können, und auch hätte sagen sollen. Das werde ich auf der nächsten Veranstaltung tun. Im übrigen gibt es eine gegendarstellung bei der Mainzer allgemeinen Zeitung, welche die Veranstaltung ganz anders sieht als du lieber Christian, in deinem Bericht. Vielleicht war dir das Interview ja auch unangenehm mit Owe, der ja auch ein sehr lautstarker Redner ist (Sehr impulsiv). Ich kenne ihn erst seit ca. 1 Woche, bin aber der Meinung, dass er trotz seiner impulsivität ein herzensguter Mensch ist. Das nächste mal kannst du ja auch gerne mich interviewen, oder selbst eine Rede halten, um die Bewegung in die richtige Richtung zu lenken. Ich kann jedoch Owes kleinen Wutausbruch verstehen bei der Frage: „warum lassen sie rechte sprechen?“. Man kann eben nicht in die Köpfe derer sehen die bei einem open Mic sprechen… Der mangelnde Applauss zeigt ja die Antwort der Bevölkerung. Ihr selbst habt es doch in der Hand was mit dieser Bewegung geschieht. Von aussen zu warten bis man mit dem Finger auf einzelne Personen zeigen kann bringt überhaupt nichts.

    Liebe Grüße, Markus

    PS.: Ich würde mich freuen mich mit dir mal persönlich Unterhalten zu können.

  3. Struppi

    Ich bin auch an denen vorbei gelaufen. Das ist wohl ein Symptom unserer neuen Facebook Welt. Mitmachen um des mitmachens willens und eine Meinung haben, egal wozu.
    Leider habe ich die Aggressiven Parts verpaßt, die zwei Minuten die ich gehört habe waren so Allgemeinplätze wie „Wir wollen alle Frieden“ oder auch „am schlimmsten sind die Grünen“. Wenn ich geahnt hätte was ich da miterleben durfte, wäre ich wahrscheinlich länger geblieben, es ist unglaublich welcher Unsinn heute verbeitet wird und das es Leute gibt die sich so einfach „überzeugen“ lassen.

    Danke, für den interessanten Bericht.

  4. Udo Höppner

    Liebe Meenzer, liebe Autorin,

    ich finde, der Artikel lässt völlig außer acht, woher diese neue Dem(ag)obewegung kommt.
    Und habe überhaupt kein Verständnis für die in einem Kommentar vertretene These, dass es sinnvoll sei, dieses Phänomen nun wiederum von links zu „unterwandern“.

    Lars Märholz: Geoutet als schon lange antisemitischer Verschwörungstheoretiker. Ein Lügner also dazu!
    Ken Jebsen: Wegen Antisemitismus-Vorwürfen von den „gleichgeschalteten Massenmedien“ geschasst. Klar, dass der sauer is … Ein begabter Hetzer ist er ja allemal!
    Jürgen Elsässer: Klagt gerade gegen J. Dithfurt, die ihn einen „glühenden Antisemiten“ genannt hat.
    Dass er auch ein Putin-Vasalle und Schwulenhasser ist, kann man in seinem Magazin „compact“ nachlesen.
    Andreas Popp: Ohne Worte …

    Also. Wer unter der Flagge dieser narzistischen Rudelfüher montags eine Demo anmeldet, schadet dem politischen Klima und der Demokratie. Und hat genügend Möglichkeiten gehabt, hinter die Fassade zu schauen. Ich habe kein Verständnis!

    Grüße
    U.H.

    • Jan ZombikJan Zombik

      Hi Udo! Im Moment gibt es ja viel „Querfront“-Debatten, und ich bin mir selbst nicht sicher, inwiefern es Sinn machen könnte, diese Veranstaltung selbst als eine Plattform für Kritik zu nutzen, gerade weil jede Form von Gegenrede dort sofort von den politischen Brandstifter_innen, die diese Wahnmache mit Material versorgen und organisiert haben, diffamiert werden kann. Wir haben selbst erlebt, wie der Organisator Owe S. dort auftritt, viele kennen mittlerweile seine Pöbeleien auf Facebook und viele wissen, mit welchem Hass er seinen Kritiker_innen begegnet. Ich kann nicht sagen, wie gewaltbereit er ist und mit welchen Mitteln er Kritik vor Ort unterbinden würde, dennoch halte ich diesen Menschen in verschiedener Hinsicht für gefährlich.
      Ich denke dennoch, dass es auf das zumindest teilweise Versagen linker Bewegungen zurückzuführen ist, die klassischerweise mit den dort vertretenen Themen befasst sind, dass sich politisch orientierungslose Menschen, die sich Frieden oder Selbstbestimmung wünschen (und tatsächlich gibt es sie dort auch, wenn auch viele die üblichen bürgerlichen Ressentiments mit sich herumtragen), auf einer solchen Wahnmache landen und es keine, aber auch gar keine Form von zeitnaher, ortsnaher Aufklärung über diese Veranstaltung gibt. Deshalb denke ich, dass es wichtig ist, an diese Menschen heranzutreten und mit Ihnen darüber zu sprechen, aus welchem Kontext diese Veranstaltung entstanden ist, wer die Protagonisten dieses Kontextes sind und welche politischen Positionen sie unter der Hand vertreten und verbreiten.
      Die Herausforderung, sich dabei unmissverständlich von den Organisator_innen der Wahnmache abzugrenzen, ist groß, sollte aber nicht von Anfang an als nicht bewältigbar ausgeschlossen werden.

      P.S.: Der Grund, warum dein Kommentar hier nicht sofort erscheint, ist der, dass wir Erstkommentator_innen erst freischalten, und danach dein Kommentar aufgrund des Zwischenspeichers unser Webseite noch einen kleinen Augenblick braucht, bis er wirklich online auftaucht. (Meiner übrigens auch).

  5. Willfried JaspersWillfried Jaspers

    Ich würde nicht gleich von „Versagen linker Bewegungen“ sprechen. Ein organisatorisches und Konzept-Defizit in der Friedensbewegung zu analysieren ist immer richtig. Aber nicht weil es diese Montagsdemos gibt!
    Das Bedürfnis der Menschen, dort hinzugehen ist offensichtlich, einfache Meinungen und Lösungen angeboten zu bekommen. Überzeugungen, wie jede Gewalt als Herrschaftsinstrument zu begreifen, strikte Gewaltfreiheit zu propagieren sowie zivile Konfliktlösungsstrategien zu fordern sind Ergebnisse eines langen Diskussionsprozesses innerhalb der Friedensbewegung. Einen solchen streben die OrganisatorInnen dieser Montagsdemos gar nicht an. Daran werden diese wohl scheitern.

  6. Pingback: Links am Sonntag (25. Mai 2014) | Josef A. Preiselbauer

  7. dino

    Friede ist, wenn wir uns alle mal an die eigene Nase fassen. Uns scheint allen schwer langweilig zu sein, so dass der/die ein oder andere nach Beschäftigung sucht. – Eine Luxussituation.

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