Entspannt in die Endzeit

Theo Teekat von Attac Mainz zum Weltuntergang

Theo Teekat von Attac Mainz: In 12 einfachen Schritten zum Weltuntergang. Anne-Marie | Fair Use

Das Ende der Welt ist nah, „aber das wisst ihr ja alle“ – mit diesem Satz und einem Lächeln im Gesicht führt Physiker und Attac-Mitglied Theo Tekaat am 12. Mai durch seine „Thesen zum Kollaps der Industriegesellschaften“. Die Veranstaltung in einem Hörsaal der Mainzer Universität ist die zweite in der Reihe zum sogenannten Postwachstum, die die Jugendgruppe des NaBu (NaJu) zusammen mit dem Mainzer AStA, der örtlichen Attac– sowie der Real World Economics-Gruppe unter dem Titel Slow Down Hard ins Leben gerufen hat. Nur knapp 30 Menschen haben sich eingefunden, die Zukunft der westlichen Wirtschaftsordnung, die Zukunft unseres Planeten zu beleuchten.

Gleich zu Beginn macht der Redner klar: Seine folgenden 10 Punkte zum globalen neoliberalen Wirtschaftssystem sind eher Polemik als nüchterne Analyse. So rast er mit dem Publikum von bald aufgebrauchten Ressourcen zum verkommenen Finanzsystem, stolpert über den Klimawandel in die Welthungerproblematik, sieht aus den Augenwinkeln noch die sich weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich und ist schon bei manipulierenden Lobbys sowie den stets hirnwaschenden Medien. Ein chaotisches Endzeitszenario, der Alltag in der Wohlstandsgesellschaft. Jeder seiner Thesen wohnt die gleiche Kernaussage inne: „Das ist ja alles bekannt, das ist ja nichts Neues“. Warum reden wir dann eigentlich darüber? Und heute so viel mehr als noch vor fünf Jahren?

„Wer noch an stetiges Wachstum glaubt, ist ein Irrer oder ein Ökonom.“

Den Deutschen geht’s stetig besser; die Krise ist überwunden, die Wirtschaft brummt und das Wachstum zieht wieder an. Darin kann der Grund also kaum liegen – oder doch? Theo Tekaat erläutert: Das allgegenwärtige Wohlbefinden werde seit jeher am Bruttoinlandsprodukt festgemacht. Größeres BIP bedeutet größere Umsätze, größere Absätze, größere Produktivität bei Herstellern, Dienstleistern und sonstigen, bedeute Lohn und Brot für alle, laute der Dreisatz. Mehr ist bekanntlich immer besser und so seien mehr Unfälle gleichermaßen begrüßenswert wie mehr Krankheiten. „Am besten führe ich natürlich einen Krieg.“, ergänzt der Redner.

Dann macht er einen Schlenker. Den letzten Zweiflern am Klimawandel, von denen sich vermutlich keine im Raum befinden, erklärt er nämlich anhand einer Grafik: Der momentane CO2-Gehalt der Atmosphäre ist mehr als eine der üblichen Schwankungen und das normale gelegentliche Ansteigen der Erdtemperatur nichts im Vergleich zur Flughöhe, auf der wir uns seit langem befinden. Ein anderes Beispiel der Gleichung ‚mehr=besser‘, das eventuell mit der auf permanente Steigerung ausgelegten Produktivität zusammenhängt? Für Theo Teekat ist klar, dass daran auch nachhaltigeres Wirtschaften nichts ändern kann. Die bundesdeutsche grüne Wirtschaft mit grünem Wachstum stelle offensichtlich einen Widerspruch in sich dar.

Des Öfteren bemerkt er mit an Zynismus grenzender Bodenständigkeit: Das interessiere aber weder den „Ottonormalverbraucher“ noch die „Empirie-resistenten“ Größen in Wirtschaft und Politik: „Wer noch an stetiges Wachstum glaubt, ist ein Irrer oder ein Ökonom.“ Zum einen könne es nicht endlos weitergehen, weil allein die CO2-Kurve eine Sättigungskurve ist, und zum anderen auch die Rückwirkungen unseres regen Treibens auf die natürliche Umgebung irgendwann problematisch würden.

Holzhammer und wenig Neues

Schade, dass er sich auf die rednerische Holzhammermethode beschränkt. Schließlich kommt während des verbalen Hagelsturms doch etliche Male der Verdacht auf, dass Theo Teekat durchaus Neues hinzuzufügen hätte. Zum Beispiel reißt er an: Technologie gegen den Klimawandel, Rationierungsmöglichkeiten von Energie wie Ressourcen, Strategien zur Minderung des Wohlstandes (die schöner klingen unter dem Namen „Konsumniveausenkung“) und noch einiges mehr.

Am Ende betreiben wir alle gemeinsam eher eine Art Katastrophentourismus (Oh, schaut her! Das Öl ist beinahe alle, die Luft verpestet und die ersten Landstriche verwüstet vom beginnenden Klimadesaster!). Bleibt die Frage: Wie stehen wir das kommende Armageddon nun eigentlich durch? Dem überwiegend studentischen Auditorium kann der Rentner Teekat da nur sagen: „Das überlass‘ ich euch – ich bin raus!“

Anne-Marie Butzek

Über Anne-Marie Butzek

Eigentlich eher an den Rahmenbedingungen der Textproduktion (sprich: Verlagswesen und Literaturwissenschaft) interessiert, bemächtigt sich das aktive journalistische Schreiben in letzter Zeit immer mehr des wahlmainzerischen Nordlichts. Der Anspruch dabei: Die Welt besser machen oder zumindest ganz famos dabei scheitern.

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