Um Europa keine Mauer!

Gruppe von Demonstrierenden hinter einem Transparent, auf dem

No Border, No Nation: Bei einer Zwischenkundgebung am Rhein werden Passant*innen informiert. Kaspar Skwatten | CC BY-NC-SA

„Um Europa keine Mauer! Bleiberecht für alle und auf Dauer!“ Laute Parolen waren am Sonntagnachmittag in Mainz zu hören, als etwa 30 Menschen spontan gegen Abschiebungen demonstrierten. Anlass war die Inhaftierung von Hern Iqbal im Ingelheimer Abschiebeknast. Zum dritten Mal bereits hatte die Mainzer Ausländerbehörde (ABH) erfolgos versucht, Iqbal nach Pakistan abzuschieben. Dass der ABH dies nicht gelungen ist, liegt vor allem daran, dass sie bis jetzt keine gültigen Ausweisdokumente für Iqbal beschaffen konnte.

Die Teilnehmer*innen der Spontandemo wollen diese menschenverachtende Politik nicht länger hinnehmen. Auf ihrem Marsch durch die Altstadt richteten sie sich in wiederholten Redebeiträgen an die Passant*innen, um sie aus ihrem Nachmittagsbummel zu reißen. Immer wieder wiesen die aufgebrachten Demonstrierenden auf das Schicksal von Herr Iqbal hin. Die Reaktionen auf die mit dem Megafon vorgetragenen Infos fielen gemischt aus und reichten von rassistischen Pöbeleien bis zu Solidaritätserklärungen.

„Dieser Staat und seine Politik gehören zerstrümmert“

Eric-Elias (28), der bei der Spontandemonstration mit dabei war, hat für die europaweite Abschiebepolitik nur Verachtung übrig: „Jeder Fall ist einer zuviel. Aber das ist ein systematisches Problem, das seinen Grund in einer unmenschlichen Wirtschaft und im Nationalismus hat. Dieser Staat und seine Politik gehören zerstrümmert, damit sich etwas ändert.“ Doch noch liegt die Zertrümmerung des Staates in weiter Ferne. So wurde die Demonstration kurz vor dem Marktplatz eine halbe Stunde lang von einem übereifrigen Polizeikommando aufgehalten, das laut Angabe der Uniformierten den Bundespräsidenten beschützen wollte.

Malte (22), verschlägt es die Sprache: „Die wahren Verbrechen sind solche rassistische Abschiebungen – und stattdessen werden wir kriminalisiert. Da kann mensch doch echt nichts mehr sagen.“ Auch Isa (24) ist geplättet: „Von wegen Willkommenskultur! Die Asylpolitik hier ist doch einfach nur ein schlechter Witz und daran will ich etwas ändern. Die Bullen sind selbst Teil des Problems.“ Nun planen die Unterstützer*innen von Iqbal eine Pressekonferenz, um seinen Fall publik zu machen. Durch eine größere Öffentlichkeit wollen sie erreichen, dass er sich bald wieder frei bewegen kann.

Kaspar Skwatten

Über Kaspar Skwatten

Vor etwa einem Jahr tauchte Kaspar Skwatten in Mainz auf: Müde von der Reise beschloss der gelernte Gärtner, der schon viel herumgekommen war, sich auf ein neues Arbeitsfeld einzulassen und fand schnell neue journalistische Freunde. Nun schreibt er für die Zwischenzeit und beschäftigt sich vor allem mit dem Thema Rassismus.

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