Familienschutz mit AfD-Nähe

Come Queer, Stay Rebel – Street Art in Heidelberg. liborius | CC BY-NC-SA

Es gibt mal wieder Streit ums Vokabular. Genauer gesagt: um das Wort „alle“. Sind damit wirklich alle gemeint – ohne Ausnahme? Wer gehört dazu, wer wird ausgeschlossen? Folgt man dem Bündnis „Demo für alle“, dann scheinen sich diese Fragen von selbst zu erledigen. Denn keineswegs tritt das Bündnis, das sich laut Selbstbeschreibung aus „verschiedenen Familienorganisationen, politischen Vereinen, engagierten Einzelpersonen und Initiativen aus ganz Deutschland“ zusammensetzt, für „alle“ ein.

Diese Tatsache wird allein schon bei Betrachtung des Selbstverständnisses deutlich: „Ehe und Familie vor! Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder!“. Konkret richtet sich das Bündnis vor allem gegen Reformen in der Bildungslandschaft, die eine stärkere Vermittlung verschiedener sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identitäten im Schulunterricht vorsehen. Am Sonntag nun will das Bündnis in Wiesbaden gegen entsprechende Bildungspläne des Landes Hessen auf die Straße gehen.

Von konservativ bis extrem rechts

Wer steckt hinter der „Demo für alle“? Als offizielle Bündnispartner werden vor allem konservativ-reaktionäre Eltern- und Familienorganisationen gelistet, daneben sind auch das „Forum deutscher Katholiken“, der evangelische Arbeitskreis einiger CDU-Kreisverbände sowie die „CSU-Basisbewegung für Werte und Freiheit“ vertreten. Mit der AfD und anderen rechten Parteien gibt es zwar keine offizielle Partnerschaft, jedoch existieren seit der Gründung des Bündnisses weitreichende Verstrickungen zwischen den selbsternannten Familienschützern und der politischen Rechten.

So ist Sven von Storch, Ehemann der AfD-Europaabgeordneten Beatrix von Storch, Sprecher der „Initiative Familienschutz“, die das Bündnis „Demo für alle“ offiziell unterstützt. Mehr noch: Beatrix von Storch soll sogar zugegeben haben, die Demonstrationen von ihrem Büro aus zu organisieren. Seitdem bemüht sich das Bündnis mehr oder weniger erfolgreich, aus der rechten Schmuddelecke wieder herauszukommen. Als „wahrheitswidrig“ bezeichnete Koordinatorin Hedwig von Beverfoerde die Behauptung, die „Demo
für alle“ arbeite mit der AfD zusammen.

Jedoch muss man schon auf dem rechten Auge blind sein, um zu verkennen, dass AfD-Leute bereits mehrfach als Redner auf Demonstrationen des Bündnisses aufgetreten sind und auch die „Christen in der AfD“ zur Teilnehmerschaft der Demos gehören. Und nicht nur das: Wie die „Frankfurter Rundschau“ berichtete, mobilisiert nicht nur die AfD nach Wiesbaden, sondern auch andere rassistische Parteien und Gruppierungen wie die NPD, „Der III. Weg“ und die Identitäre Bewegung.

Bündnisse mobilisieren zu Gegenkundgebungen

Unter dem Motto „Demo für alle? Läuft nicht!“ ruft deshalb ein linksradikales Bündnis – zu dem etwa die „Antifa United Frankfurt“, der AStA der Frankfurter Goethe-Universität, die „GenderpAnks“ und der Infoladen Cronopios zählen – dazu auf, am Sonntag in die hessische Landeshauptstadt zu kommen, um gegen die „Demo für alle“ Widerspruch zu erheben. Denn: „Eingebettet in einen rassistischen, nationalistischen und klassistischen Kanon, werden all diejenigen, die diesem rückwärtsgewandten Gesellschaftsmodell nicht entsprechen oder es in Frage stellen ausgegrenzt, herabgewürdigt und angegriffen“, ist im Aufruf des Bündnisses zu lesen. Kundgebung und Demonstration starten um 11 Uhr am Wiesbadener Hauptbahnhof.

Ebenfalls mobilisiert ein bürgerliches Bündnis nach Wiesbaden. Unter dem Motto „Ihr seid nicht Alle!“ rufen mehr als 80 Organisationen dazu auf, für Akzeptanz und Vielfalt zu demonstrieren.

Max Zeising

Über Max Zeising

Seit 2012 arbeite ich neben meinem Studium als freier Journalist für verschiedene Tageszeitungen, v.a. für das "Neue Deutschland", in den Ressorts Politik und Sport. Mit meiner Arbeit möchte ich einen Beitrag für die demokratische Debattenkultur leisten. Journalismus bedeutet für mich, den Herrschenden auf die Finger zu schauen und die Bevölkerung zum Nachdenken anzuregen. Eine alternative Lokalzeitung wie die "Zwischenzeit" ist hierfür enorm wichtig, da es gerade auf lokaler Ebene häufig an Alternativen mangelt.

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