Fotos gegen Rassismus

Eine Gruppe von ca. 20 Menschen posiert vor dem Rathaus mit dem Blck in die Kamera. Sie tragen Schilder gegen das Logo vor sich.

Sie alle haben keine Lust auf das rassistische Logo von Thomas N. #wegmitdemlogo | ©

Das Wetter spielte am gestrigen Dienstag verrückt: Mal schien die Sonne, dann fing es plötzlich an zu regnen. Manchmal auch beides auf einmal. Trotz der widrigen Umstände versammelten sich gegen 18 Uhr etwa achtzig Menschen auf dem Vorplatz des Mainzer Rathauses, um ihre Solidarität gegen das rassistische Logo der Mainzer Dachdeckerfirma Ernst Neger und der Thomas Neger Metallsysteme und -bedachungen GmbH öffentlich kundzutun.

Das mehr als 60 Jahre alte Firmenemblem zeigt einen in der Tradition kolonialer Stereotype skizzierten schwarzen Menschen mit ausladenden Ohrringen und überdimensionierten Lippen. Um den nicht zu übersehenden Rassismus dieser Darstellung wird seit 2013 wieder vermehrt regional und überregional diskutiert. Dabei sprachen und sprechen sich die Gegner*innen des Logos nicht etwa gegen den Nachnamen des Dachdeckers aus. Einer bekannten Lokalzeitung zufolge habe der sich  nämlich aus dem Wort „Näher“ entwickelte. Es ist das Logo, das den Namen rassistisch auflädt, das die Proteste motiviert.

Social-Media-Aktivismus löste rassistischen Shitstorm aus

Den vorläufigen Höhepunkt des Engagements gegen das Logo stellt die von der PoC-Hochschulgruppe (PoC: People of Color) der Uni Mainz angestoßene Hashtag-Aktion #wegmitdemlogo dar. Im Zuge dieser ließen sich PoC und Schwarze Menschen mit auf Schildern formulierten Statements gegen das Logo und gegen Alltagsrassismus fotografieren und veröffentlichten die entstandenen Bilder über Social-Media-Kanäle.

Mit der Fokussierung auf PoC wollten die Initiator*innen auf eine Aussage des Firmeninhabers Thomas Neger reagieren. In einem Interview hatte er öffentlich angekündigt, er würde seine Meinung zum Logo überdenken, falls Schwarze Menschen sich öffentlich gegen dieses aussprechen würden. In seiner Reaktion auf die Hashtag-Aktion war von dieser Zusage nichts mehr zu spüren. In einer  vorsichtig ausgedrückt sehr unüberlegten, wenn nicht beleidigenden Stellungnahme auf seiner eigenen Facebook-Seite tat er die Aktivist*innen als „Spinner“ ab.

Herr N.‘s Kommentar mag von Unwissenheit und möglicherweise absichtlichem Unverständnis geprägt sein. Seine Unterstützer*innen hingegen machten in ihren Kommentaren auf der Seite der „Das Logo muss weg“-Initiative aus ihrer Einstellung keinen Hehl. Am mildesten liest sich hier noch spießbürgerliches Gezeter über vermeintliche „Gutmenschen“. Weitaus schlimmer lesen sich die  offen rassistischen Hetzparolen und Gewaltandrohungen gegenüber denen, die sich an der Fotoaktion beteiligt haben.

Den Gipfel der Eskalation stellte schließlich die 24-stündige Sperrung der Initiativen-Seite dar, der mittlerweile mehr als 3000 Menschen folgen. Zu der Sperrung kam es, nachdem einige der Logo-Befürworter*Innen öffentlich dazu aufgerufen hatten, die Seite aus reiner Provokation bei Facebook zu melden.

Fotoaktion am Rathausplatz soll Anstoß sein

Die Fotokation am Rathaus, an der diesmal auch Nicht-PoCs zur Teilnahme aufgerufen waren, liest sich daher auch als eine Antwort auf den Shitstorm. Das erklärt mir eine der Administrator*innen der Seite. Zum einen habe Thomas N. bereits gezeigt, dass es ihm egal sei, ob sich von Rassismus Betroffene gegen das Logo bekennen. Zum anderen wolle mensch auch die Aktivist*innen aus der ersten Fotoaktion entlasten. Sie hatten in den letzten Tagen unter den massiven Angriffen der virtuellen Rassist*innen-Community zu leiden gehabt.

Mit der großen regionalen und überregionalen Presseresonanz ihrer Aktion sind die Organisator*innen des Fotoshootings zufrieden. Das Ziel, an einem öffentlichen Ort in Mainz erneut ein Zeichen gegen Alltagsrassismus zu setzen, sei gelungen. Noch schöner wäre es allerdings, erklärt eine der Administrator*innen der Anti-Logo-Seite, wenn Menschen den Hashtag #wegmitdemlogo selbstständig für ihre eigenen antirassistischen Statements verwenden würden. Sie sehen die Fotoaktion vor allem als Anstoß und sind gespannt, was sich in Zukunft noch daraus entwickeln wird.

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