Gelöb-NIX!

Blutbad

Blutbad am Rande eines Gelöbnisses - Aktion der Berliner DFG-VK. Uwe Hiksch | CC BY

Gerade jetzt, in dieser Situation in der Ukraine, ist Deeskalation sinnvoll und nötig statt Säbelrasseln und Militäraufmärschen. Vielleicht wegen, zumindest aber trotz dieser Krise, wird am 24. Juni in Mainz vor dem Landtag ein Bundeswehrgelöbnis veranstaltet. Auf Einladung des Rheinlandpfälzischen Landtags soll so eine Solidaritätsbekundung mit der Bundeswehr inszeniert werden. Erstmals geloben hier ausschließlich Freiwillige Rekruten ihren Diensteid – der Zwangs-Kriegsdienst an der Waffe ist ausgesetzt. Sie werden zwi­schen sechs und 23 Mo­na­te dienen, wovon erfahrungsgemäß ein Vier­tel von ihnen den Dienst noch in­ner­halb der sechs­mo­na­ti­gen Pro­be­zeit quit­tie­ren wird.

Es wird für die Bundeswehr und die Öffentlichkeit aber kein Routinegelöbnis sein, welche üblicherweise auf irgendeinem Kasernenhof stattfinden. Wie schon an der Ortswahl erkennbar, soll diese Veranstaltung vielmehr als politische Demonstration von landesweiter und überregionaler Bedeutung in Szene gesetzt werden. Soldaten, die zum Beispiel in der Pfalz, Speyer und Germersheim ihre Ausbildung an der Waffe absolviert haben, werden dazu herbeikommandiert.

Dagegen hat sich ein breites Bündnis von Antimilitarist_innen in Mainz und Wiesbaden gebildet, das wie 2008 einen Aufruf für eine Gegendemonstration verfasst hat. Die Organisator_innen sehen in Öffentlichen Gelöbnissen eine Demonstration für Nationalismus, Militarismus und für die gerade geführten Kriege. Wie die Friedensbewegten feststellen, dient das Gelöbnis vor allem dazu, die Unterstützung in der Bevölkerung für die aggressive Expansionspolitik von Nato und EU zu gewinnen, welche auch die aktuelle Krise in der Ukraine hervorgerufen hat und die Kriegsgefahr drastisch erhöht hat.

Militarisierung des öffentlichen Raums

Im Koalitionsvertrag der jetzigen Bundesregierung wird ausdrücklich erwähnt, dass feierliche Gelöbnisse Ausdruck der Verankerung der Bundeswehr in der demokratischen Gesellschaft sein sollen. Außerdem sollen diese, laut Bundeskanzlerin Angela Merkel, „die enge Verbundenheit von Parlament und Bundeswehr zum Ausdruck bringen“. Der Öffentlichkeit wird so suggeriert, dass die Soldat_innen aus „Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein für Frie­den, Frei­heit und die Wah­rung der Men­schen­rech­te“ angetreten sind, Krieg zu führen.

Das Bündnis gegen das Gelöbnis sieht aber in den Auslandseinsätzen eine militärische Absicherung wirtschaftlicher Interesssen. Gelöbnisse selbst sind für sie eine Machtdemonstration und ein Instrument, um für noch mehr Ausländseinsätze der Bundeswehr zu werben, und erscheinen als Fanal für die Militarisierung der Gesellschaft. Denn die Bundeswehr dringt immer mehr in den öffentlichen Raum. Sie macht sich breit in Bildungseinrichtungen wie Schulen oder Arbeitsagenturen und Jugendfestivals, um Nachwuchs für sich zu werben. Daher sind für friedensbewegte Menschen öffentliche Gelöbnisse eine politische Provokation. 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg stellen solche Aufmärsche eine Verhöhnung der Kriegstoten dar. Sie zeigen, dass man aus den Lehren der Geschichte überhaupt nichts gelernt hat.

Der Anmeldeprozess für die Gegendemonstration zieht sich derweil ungewöhnlich lang hin. Noch immer ist nicht klar, wohin die Demonstration ziehen kann, um so nah wie möglich an den Platz des Gelöbnisses den legitimen Protest sichtbar kundtun zu können. Das Ordnungsamt erklärte die beantragten Kundgebungsplätze, die ausreichenden Sichtkontakt zum Gelöbnis haben, kurzerhand zum militärischen Sicherheitsbereich. Auch hier wird wieder öffentlicher Raum besetzt, in dem der Bundeswehr uneingeschränkt die Oberhoheit zugestanden wird.

Die Lokalpresse redet vergangene Proteste klein

Bundespräsident Gauck nannte die Soldaten bei einem Gelöbnis in Berlin letzten Jahres „Mutbürger in Uniform“. Das Bündnis hält es darum für besonders dringend nötig, eine zivile Demonstration zu organisieren, auch weil ein Fehlen von Protesten gegen die aggressive Kriegspolitik der Regierung ansonsten als Zustimmung gewertet werden kann. Die Mainzer Allgemeine Zeitung hat schon im Vorfeld frohlockt, dass mit Protesten nicht zu rechnen sei, schon 2008 hätten nur einige Leute mit Flugblättern protestiert. Verschwiegen wird in dem Artikel, dass es damals weit mehr als 100 Teilnehmer_innen bei den Protesten gab. Bei Gegenprotesten im Jahre 2000 wurden DemonstrantInnen brutal von Polizei und Militärs mißhandelt.

Es bleibt die Frage offen, warum die AZ die brutalen Übergriffe 2000 verharmlost. Sie scheint sich nur für unmittelbare Störungen des Militäraufmarsches zu interessieren. Die Mainzer Antimilitarisit_innen sehen es als Problem für die öffentliche Darstellung ihrer Positionen an, wenn das Monopolblatt AZ, nach Einstellung der Rhein-Zeitung, wieder in ihr altes Verhaltensmuster zurückfällt. Schließlich ignoriert es ihre eigenen früheren Artikel.

Willfried Jaspers

Über Willfried Jaspers

Schon seit vielen Jahren erstellt und veröffentlicht Willfried Videos als Quer-TV für Initiativen und Gruppen im linksalternativen Spektrum, um ihnen ein Sprachrohr für ihr Anliegen anzubieten, vorrangig zu lokalen Themen. Bei der Zwischenzeit arbeitet er unter anderem am Ausbau der Videoproduktion und organisiert dazu Workshops.

16 Gedanken zu “Gelöb-NIX!

  1. Dino

    Wo wart Ihr Pseudo-Alternativen denn als die Wehrpflicht ausgesetzt und der letzte Funke Idealismus dieser Armee durch eine rein finanzielle Motivation ersetzt wurde? Begrüßt habt Ihr es, und jetzt bekommt Ihr die Quittung. Die Jungs vom Heer sind längst an Schulen und vor Supermärkten zu Anwerbezwecken zugange (erfolgreich wie so vieles aus Ami-Land kopiert) und nutzen die bewußt initialisierte Schere von arm und reich in unserem Land. Wo sind hier Antifa & Co?

  2. Hans

    Der Protest gegen das Gelöbnis war richtig und wichtig. Ein Erfolg. Gut dass soviele da waren. Ich frage mich, ob die Ordnungsbehörde (ich meine Der Staat oder Die Herrschenden) beim nächsten Gelöbnis in ein paar Jahren wieder einen Lautsprecherwagen zulassen wird und verneine. Macht nix. Vielleicht gelingt es dann an vielen Ecken rund um das Gelöbnisgelände öffentlichkeitswirksam einen stillen Protest zu organisieren, denke ich. Es braucht Vernetzung. Das geht. Es ist ok, wenn Gruppen und Grüppchen ihr „Süppchen kochen“. Nur sollten sie auch andere ihre „Suppe“ mal kosten lassen. In einem Infocafé geht das. – Vielleicht gelingt das über CRONOPIOS bis zum nächsten Gelöbnis.
    Zur Mainzer Allgemeine Zeitung heute (25.06.14). Die schreiben über Honoratioren. Sowas gab es echt im Dorf meiner Kindheit und Jugend bis Ende der 1950ern. Baron, Pfarrer, Schullehrer, Bürgermeister und um die scharten sich Geschäftsleute, Bauern, Tagelöhner und in an andere Orte pendelnde Arbeiter. Der Duden sagt heute: Häufigkeit: gering; Bedeutng: Standespersonen [in kleineren Orten]. – Mainz ist zwar Stadt, aber gleichzeitig die Innenstadt mit vielen Vororten, die so ungefähr seit den 1920ern nach und nach eingemeindet wurden und sich zumeist über Vereine ihre gesellschaftlichen Dorfstrukturen erhalten haben.
    Die AZ schreibt für diese Strukturen und fördert sie reaktionär Richtung Steinzeit.

  3. dino

    schade, dass Kritisches Euch ggüber offensichtlich nicht erwünscht ist, sonst hättet Ihr meinen Kommentar wohl freigeschaltet. Zu unbequem für das unbequeme Medium nehme ich an.

    • Dennis FirmansyahDennis Firmansyah

      Hallo Dino,
      Es dauert immer etwas, bis Kommentare genehmigt werden, wenn jemand zum ersten Mal einen Kommentar schreibt. Die Verzögerung hat nichts mit dem Inhalt zu tun. Deiner Wahrnehmung, dass Proteste für den Frieden und gegen Krieg und Militär nicht auch soziale Fragen mitdenken, kann ich nicht teilen. Auf der Demo gestern gab es viele Reden, die genau diese Verbindung hergestellt haben. Zum Beispiel die Rede von Gerhard Trabert, vom Verein Armut und Gesundheit in Deutschland. Sie war überschrieben mit den Worten: „Mehr soziales Hilfsengagement statt mehr Militärengagement!“. Hier findest du seine Rede auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=w6X9–04os0
      Viele Grüße,
      Dennis

  4. Dino

    Gerhard Trabert kenne ich seit Jahren persönlich – von der Obdachlosen-Hilfe, welche Ihr wahrscheinlich nie von innen gesehen habt. Stattdessen kümmert Ihr Euch lieber um die Benennung stadtbekannter Plätze oder engagiert Euch auf dem Tahir-Platz. In der Zwerchallee haben seit Jahrzehnten Flüchtlinge, von der Gesellschaft ausgegrenzte Menschen unter übelsten Bedingungen gelebt. Es hat nie jemand ein Fest für sie veranstaltet. Hartz-4-Empfänger werden von 99,9% aller potentiellen Vermieter kategorisch abgelehnt. Das würde man besser mal thematisieren und die gesellschaftlichen Zusammemhänge verdeutlichen.
    Leider meist nur plakativ-pubertärer Nonsens von Euch, wenn es an die eigene Substanz oder ans eigene, unmittelbare Umfeld geht, seid Ihr meist verschwunden, weil sich sonst Eure eigenen, sogenannten sozialen Kontakte nicht mehr aufrecht erhalten lassen.

    • Anne-Marie ButzekAnne-Marie Butzek

      Hallo Dino,
      das ist ja ziemlich vernichtende Kritik von deiner Seite. Wir geben uns die größte Mühe offen auch für solche Arten der Rückmeldung zu sein – allerdings müsstest du deine meines Erachtens nach ein wenig untermauern. Der Flüchtlingsthematik haben wir uns bereits genauso angenommen wie des Themas Hartz-IV (insbesondere, da einige unserer Redakteure persönlich direkt oder indirekt involviert sind in beiden Fällen).
      Außerdem verstehe ich deinen letzten Absatz nicht:
      „… wenn es an die eigene Substanz oder ans eigene, unmittelbare Umfeld geht, seid Ihr meist verschwunden, weil sich sonst Eure eigenen, sogenannten sozialen Kontakte nicht mehr aufrecht erhalten lassen.“ – Was meinst du damit konkret? Kannst du ein Beispiel nennen?

  5. dini

    Liebe Annemarie,

    DAS meine ich konkret damit..(falls sich der lange Text hier reinkopieren läßt). Wenn Du dann nicht verstehst, was ich meine, können wir uns gerne mal auf nen Tee treffen, zwecks Erklärung.

    „AULÄNDERPROBLEMATIK/“SOZIAL-SCHWACHE
    > MENSCHEN“
    >
    > Dir ist
    > als nahezu einzigem im Squat-Umfeld damals in der Austr.
    > aufgefallen, dass sich „bei uns“ erstaunlich
    > wenige Ausländer aufhalten. Gehen wir von einer
    > anti-faschistischen Bewegung aus, ist dies paradox, Jan,
    > aber alles andere als untypisch. Wieso thematisierst Du dies
    > eigentlich nicht mal unter
    > „Deinesgleichen“?Also.. ich kann Dir
    > zumindest
    > meine Beobachtungen und Schlussfolgerungen der letzten
    > zwanzig Jahre schildern- als 50%iges Einwanderer-Kind
    > sozusagen.
    > Du mußt Dir nur mal
    > die Mail-Adressen der Verteiler anschauen: Zu über 95%
    > deutsche Namen. Hinter den wenigen ausländischen Namen
    > verbergen sich entweder Leute, mit nur teilweise
    > Migrationshintergrund, wie z.B. Dennis, Rene Fritz, ich oder
    > z.B. Ausländer/innen , die einen „akademischen“
    > Hintergrund haben. Genau dies ist es, was ich die letzten
    > zwanzig Jahre beobachte – und es ist ja auch nicht
    > verwunderlich. Warum? Ganz einfach: Jan, es versteht sich
    > von selbst, dass die Gastarbeiter (wie auch mein Vater)
    > nicht seit den 60er Jahren zu uns nach Deutschland kamen,
    > weil das Wetter hier schöner ist. Natürlich waren/sind das
    > wirtschaftliche Gründe. Die gebildeteren Menschen bekommen
    > auch in ihrer Heimat eher einen Arbeitsplatz, wie bei uns in
    > Deutschland. Also sind die meisten Ausländer, die man bei
    > uns
    > außerhalb der Universität trifft, folglich ungebildeterer
    > Art. Selbst Du, der Du aus meiner Sicht zu den offeneren
    > Menschen der „Squat-und Uni-Kultur“ zählst,
    > müßtest doch eingestehen, dass diese Leute in Deinem
    > Alltag eine geringe bzw. keine Rolle spielen.Aber
    > warum ist das so?Ungebildete, fremdländische
    > Menschen, artikulieren sich anders als ihre gebildeteren
    > Landesgenossen/innen. Sie erlernen die deutsche Sprache in
    > der Regel auch nur rudimentär, was daran liegt, dass sie
    > Jobs ausüben, die weder gut bezahlt sind, noch viel
    > Freizeit bieten. Ausserdem sind diese Leute häufig von
    > Erfahrungen des Krieges, Armut und häuslicher Gewalt
    > traumatisiert, daher meist dementsprechend depressiv und
    > misanthrop. Häusliche Gewalt in solchen Familien würde ich
    > fast als üblich bezeichnen (in deutschen Familien
    > „sozial schwacher“Herkunft übrigens genauso). Ist
    > doch auch verständlich.. Stell Dir vor, Du stehst neun
    > Stunden bei Opel am
    > Band, gehst danach noch für ne fünfköpfige Familie
    > einkaufen (was bei einem kleinen Budget nochmal viel
    > stressiger ist; von der Sondierung der Produkte in Punkto
    > Gesundheit, Umweltfreundlichkeit, sozialer Gerechtigkeit mal
    > ganz zu schweigen) und sollst Dich dann noch geduldig um die
    > Hausaufgaben Deiner Kinder, mangels eigener Sprachkenntnisse
    > und Bildung, deren Spielwünsche und Erlebnisse kümmern
    > (der arbeitende Elternteil, meistens der Mann, lernt
    > naturgemäss etwas schneller die deutsche Sprache, als die
    > Frau, welche bisher in der Regel zumindest die ersten
    > „Kinderjahre“ zu Hause verbringt). Bei einem
    > solchen Alltag und einer derartigen Vergangenheit würde
    > fast jedem, („try walking in my shoes“!) selbst
    > den freundlichsten Menschen, mal die Hand ausrutschen (und
    > mehr). Dies kann aber der „bürgerliche,
    > akademische“ Nachbar von gegenüber aus der
    > Neubau-Reihenhaus-Siedlung“ (natürlich gibt es auch in
    > Akademiker-Familien
    > häusliche Gewalt, bitte ein wenig zwischen den Zeilen
    > lesen; ich beziehe mich mehr auf die „Regel“als
    > auf die Ausnahmen) nicht nachvollziehen. Er/sie hat einen
    > oft besser bezahlten, nicht ganz so unmenschlichen Job,
    > welcher in der Regel auch neigunsbezogener ist, kam auf
    > Grund der Herkunft, abgesehen von Kindergarten-oder
    > Grundschulerfahrung nie mit Auländern jenseits der Uni in
    > Kontakt und sieht somit lediglich, dass da jemand seine
    > Kinder schlägt, rumschreit oder sich
    > „ey-Alder-mässig“ artikuliert, was viele
    > „Bürgerliche“, mit wenig adäquater
    > Lebenserfahrung meist dazu veranlasst, sich von
    > ungebildeteren Menschen (Deutsche wie Fremdländische)
    > fernzuhalten. Deshalb kommuniziert der „bürgerliche,
    > gebildetere Deutsche“ mit seinen ausländischen
    > Zeitgenossen selten mehr als „einen Döner-; eine
    > Pizza-; ein Makali-Sandwich bitte“).Dabei
    > könnten alle Menschen ihrer Verschiedenheit des Seins und
    > ihren Erfahrungen so viel wichtiges
    > voneinander lernen.. (seufz) – wenn man sich nur
    > gengenseitig trauen würde, mal etwas länger hinter die
    > Fassade zu schauen(!), sich nicht zu schnell
    > „abzuhaken“.
    >
    > RASSISMUS/DISKRIMINIERUNG
    > HOMOSEXUELLER/SEXISMUS/GEWALT GEGEN ANERSDENKENDE, MENSCHEN
    > ANDERER RELIGIONEN
    > –
    > URSACHEN UND LINDERUNGSVORSCHLÄGE
    >
    > Vorangegangener
    > Text erspart mir vieles an Erlärungen.Weisst
    > Du, Jan, eines der Grundübel unserer Zivilisation ist, dass
    > es oft schon ausreicht, anders zu denken, andere sexuelle
    > Neigungen zu haben, einer anderen Konfession anzugehören,
    > eine andere Meinung zu haben, um Opfer von Gewalt zu
    > werden.Hast
    > Du den Film „Forest Gump“ gesehen? „Dumm ist
    > der/die, der/die Dummes tut“, heisst es dort. (weniger
    > der/die sich z.B. „dumm
    > artikuliert“,
    > outet, whatever..)
    > Immer
    > wieder begegnen mir im Bereich
    > „Squat/Autonome/Anti-Faschisten/Alternative“ Leute
    > mit Resentiments gegen Politker, Polizisten, Lehrer,
    > „Nazis“, „Assis“,
    > „Super-unsoziale-Reiche“, blöde BWLer“,
    > „dumme Juristen“…etc. (M e n s c h e n)
    >
    > Fassen
    > wir jetzt vorangegangene Gruppen zumindest mal kurz als
    > „Menschen“ zusammen.., ja?
    > Sie
    > alle sind nicht als Mitglieder oben genannter Gruppen
    > geboren worden. Sie alle haben Eltern, die Erwartungen an
    > sie geknüpft haben. Sie alle hatten mit
    > Restriktionen/Bestrafungen zu rechnen, für den Fall, dass
    > sie den Vorstellungen/Anweisungen ihrer Eltern nicht
    > folgeleisteten, mussten nicht selten brutale Gewalt über
    > sich ergehen lassen, sind als Person gebrochen worden, haben
    > somit ein schwaches Selbstwertgefühl, können sich
    > folglich schlecht bis gar nicht anderen gegenüber
    > behaupten, sind demgemäß zutiefst beeinflussbar(!) (und
    > bleiben es oft), hatten aufgrund Ihres Lebenslaufes weder
    > Zeit, Nerv noch Kraft, aufklärende Information auf sich
    > wirken zu lassen, welche sich dann angesichts eigener
    > Labilität ohnehin erst einmal anderen Einflüssen
    > gegenüber hätte durchsetzen müssen.Ich
    > meine, wir sollten alle nicht solchermaßen eingenommen von
    > uns selbst sein, zu glauben, wir könnten nicht obdachlos,
    > kriminell, drogenabhängig, sexistisch, gewalttätig etc.
    > werden. Ich habe Doktoren, Ingenieure, Firmenbosse usw.
    > gesehen und erlebt, die sich plötzlich mit ihrem Parter/in
    > nicht mehr verstanden, ihre eigenen Kinder nicht mehr sehen
    > durften, ihren Job und ihr Heim verloren- oder ein lieber
    > Mensch verstarb unerwartet.. – und wenige Wochen später im
    > Obdachlosen-Heim gastierten, sich plötzlich mit
    > Pfandflaschen ein zusätzliches Taschengeld zum beim
    > örtlichen Sozialamt üblichen Tagessatz (für den man
    > täglich anstehen muss) dazuverdienten. Drogen und Gewalt
    > sind bei derartigen Geschichten nie weit weg. Dies kann uns
    > allen passieren, auch wenn Geschöpfe, welche ein
    > liebevolles, tolerantes Elternhaus geniessen durften und
    > somit als Persönlichkeit gestärkt und weniger
    > beeinflussbar sind, wahrscheinlich weniger in Gefahr
    > geraten, abzustürzen.Laßt
    > uns einander zuhören, uns füreinander interessieren! –
    > Nicht in erster Linie in der Ferne… , in Hamburg oder auf
    > dem Tahir-Platz, sondern
    > insbesondere direkt vor unserer Haustüre!
    > Laßt
    > uns Politiker, Medien-Wirtschafts-Erb-Milliärdäre,
    > Polizisten, Lehrer..etc immer wieder ansprechen/schreiben,
    > einladen, ohne Vorurteile. Auch sie sind Opfer ihrer
    > Herkunft und lernen nichts dazu, wenn wir sie anschreien,
    > bepöbeln und verunglimpfen. Derer Reichtum und
    > Einstellung basiert auf dem Irrglauben, dass im
    > Kapitalismus jeder reich werden kann, wenn er nur hart
    > arbeitet. So sind diese Menschen erzogen worden und
    > dementsprechend verbittert, auch radikal reagieren sie ,
    > wenn ihnen droht, ihr Geld zu verlieren. An dieser Stelle
    > möchte ich kurz den Polit-Kabarettisten „Volker
    > Pispers“ mit seiner Allegorie zum Lottospiel zitieren:
    > “ Es kann hier jeder reich werden, aber nicht
    > alle.“Die
    > Mächtigen in der Welt sind oft nicht in den Genuss von
    > freundschaftlicher- oder familiärer Wärme gekommen, glaubt
    > ja nicht, dass diese Menschen glücklich sind.
    > Nächstenliebe und Aufmerksamkeit ist meins Erachtens (nein,
    > das ist kein „dummes Hippie-Gequatsche“) das
    > Einzige, was diese Leute auf den rechten Weg führen
    > kann.Dann
    > werden wir ihnen hoffentlich irgendwann nichts mehr
    > entreissen müssen, sondern sie werden sich freiwillig zur
    > Umverteilung des Vermögens entschliessen, was eine
    > stressfreiere Arbeitswelt, bessere Bildung, mehr
    > gegenseitige Toleranz, weniger
    > Diskriminierung und Gewalt zur Folge hätte.

  6. dino

    Annemarie,

    zusammengefaßt: einem syrischen Flüchltlimng auf einem Fest oder einer Veranstaltung zu helfen, ist etwas anderes, als täglich Gastarbeiter, deren Kinder, Obdachlose und andere, sogenannte „sozial schwache“ Menschen in seinem Umfeld zu haben. Sie artikulieren und benehmen sich nämlich nicht, wie jemand, „die/der gerade ihre/seine Dissertation verfaßt hat – und so nehmen die eigenen Kommilitonen (soziale Kontakte) ruckzuck reisaus, wenns mal etwas ruppiger zugeht, was „euch“ dazu veranlaßt, solche, möglicherweise bleibenden (und eben nicht nur betreuenden Charakter innehabenden) Verhältnisse zu meiden, weil „ihr sonst diese sozialen Kontakte verlieren würdet. Verstanden? Dies sind halt „Dinge“, die man nicht in zwei, drei Sätzchen erklären kann, weil es hierzu jahre/jahrzehntelange Erfahrung,Reflektion, Beobachtung, Rückschlüsse braucht.

  7. Hans

    Hallo Dino,
    da hast du zunächst mal Recht. Die Wehrpflicht wurde nicht einfach abgeschafft. Sie wurde ausgesetzt. Aber welcher Idealismus soll deiner Meinung nach dieser Armee durch das Aussetzen der Wehrpflicht verloren gegangen sein? Und Werben für das Töten kommt keineswegs aus „Ami-Land“. Rekrutierung von Soldaten gab es auf unserem Kontinent schon lange. Damals waren es die Fürsten. In Hessen gibt es eine Redewendung „Ab nach Kassel“. Bei Wikipedia kannst du eine Deutung nachlesen. Danach stammt die Redewendung aus dem 18. Jahrhundert, als hessische Landesfürsten viele ihrer Soldaten in den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg entsandten. Dafür haben die Fürst von Hessen-Kassel extra junge Männer rekrutieren lassen. Du siehst, das war vor „Ami-Land“. Ob „Ami-Land“ , „Deutsch(e)land“ oder sonst wie Land . Der Nationalismus ist wirklich ein Problem. Die Schere zwischen arm und reich klafft auseinander. Mit Nationalismus lässt die sich nicht schließen. Armut und Reichtum auf unserer Erde ist zurzeit eher von einem menschenverachtenden globalen Wirtschaftssystem verursacht.
    Ich weiß jetzt nicht wer welche Plätze umbenennen will. Vor vielen Jahren gab es eine Initiative, die die Hindenburgstraße in Anna Seghers Straße umbenennen wollte. Sowas ist inzwischen durch „hindenburg-freundliche“ Politiker im Stadtrat verhindert worden. Sie haben den Platz zwischen den Bonifaziustürmen „Anna-Seghers-Platz“ benannt. Damit kann ihr Name nicht mehr Hindenburg verdrängen. Schade.
    Was hast du gegen Solidarität für die Menschen auf dem Tahrir-Platz vor drei Jahren? Ich habe auch was gegen Ausgrenzung. Sie wird nicht nur gegen Hartz IV Empfänger betrieben, sondern gegen viele Menschen. Sieh nur die quasi Abschaffung des Asylrechts vor über 20 Jahren. Oder die Verhinderung von Migration auf dem Mittelmeer durch die europäische Grenzschutztruppe Kontex.
    Ich bin nicht bereit auf deine Beschimpfungen einzugehen. Einen Dialog, in dem sich die Menschen gegenseitig beschimpfen und runtermachen führe ich nicht.

  8. Dino

    Idealismus: Katastrophen-und Fluthilfe, ansonsten mag ich auch keine Armee und Waffen.
    Ns-Zeit: Die Überbleibsel sind nicht Jugendliche, arm und ungebildet, die Aufmerksamkeit um jeden Preis wollen, durch ein auftätowiertes Hakenkreuz. Genau darauf wird aber angesprungen. Der Rassismus äussert sich heute eher darin, dass man keine deutsche Frau bekommt, wenn man nicht Müller, sondern „Ügülü“ oder „Canneloni“ heisst“. Schau Dich mal bei Sqat, Antifa & Co nach Ausländern um – Fehlanzeige – und das hat eben Gründe (welche ich oben im langen Text beschrieben habe)
    Ich bin absolut für Solidarität mit den Menschen auf dem Tahir-Platz. – Nur kaufe ich diese Sol. Leuten nicht ab, wenn diese sich nicht mal ihrem Heimat- und Nachbarscchafts-Umfeld ggüber solidarisch verhalten. Ich will das jetzt nicht weiter erläutern, hiesiges, geliehenes Notebook, mit welchem ich schreibe, ist mehr als kaputt und anstrengend, dies ist bereits der dritte Versuch, der Text ging jedes Mal verloren.
    Es ist schlicht pseudo-sozial, was ich jungen Menschen aber nicht krumm nehme. Sie sind eben heute punk und alternativ, und übermorgen haben sie ein Reihenhaus, einen grossen Hund und wählen CDU.

    • Julia JulesJulia Jules

      Hallo Dino,
      ich stimme in vielen deiner Kritikpunkte überein, gerade was die mangelnde Kommunikation zwischen sozialen Milieus anbelangt. Aber in deiner Art Menschen anzugreifen widersprichst du den Forderungen, die du an andere stellst. Ich verstehe auch nicht wer mit „ihr“ gemeint ist. In sozialen Bewegungen engagieren sich die verschiedensten Leute, die die Welt ein bisschen besser machen wollen. Du stellst „uns“ als homogenen Haufen dar, der sich für die falschen Dinge einsetzt und das auch nur pseudomäßig, weil irgendwann haben „wir“ ein Reihenhaus und wählen CDU. (Gleichzeitig plädierst du für mehr Verständnis dafür, dass jeder Mensch in seinem sozialen Umfeld einem starken Erwartungsdruck ausgesetzt ist.)
      Für die Zwischenzeit schreiben ganz verschiedene Menschen und natürlich kommen die meisten aus dem akademischen Umfeld. Das liegt aber nicht daran, dass es sich hier um einen Klüngel handelt, sondern an der besseren Vernetzung unter Studenten. Und dass Studenten eher mit Studenten befreundet sind, liegt ja wohl in erster Linie daran, dass sie in der Regel zugezogen sind und an der Uni andere Studenten kennenlernen.
      Ich verstehe auch nicht, warum Engagement für eine gute Sache deshalb falsch oder pseudo ist, weil Engagement für eine andere gute Sache fehlt. Es ist wichtig darüber zu sprechen, wo was fehlt, aber wozu gerade diejenigen anbellen, die sowieso schon viel tun? Das empfinde ich als unfair. Wenn dir bestimmte Dinge am Herzen liegen und du der Meinung bist, es fehlt an vielen Stellen Kommunikation und Vernetzung zwischen Studenten und Nichtstudenten unterschiedlicher Herkunft, dann versuche doch selbst etwas auf die Beine zu stellen. Oder schreibe einen Artikel für die Zwischenzeit – ohne darin zu pauschalisieren und Menschen bzw. Gruppen anzugreifen oder ihnen zu unterstellen, dass sie sich nur „alternativ“ fühlen wollen.

  9. Dino

    Julia, ich habe bereits einen „Artikel für die Zwischenzeit“ geschrieben. Du findest diesen, wenn Du etwas weiter nach oben scrollst, ein längerer Text, der von Dir grob in „mangelnde Kommunikation unter sozialen Milieus“ zusammengefaßt und heruntergebrochen wird. Es enttäuscht mich sehr, dass man gewisse „Dinge“ offensichtlich“ doch selbst erlebt haben muss, um diese verstehen zu können. Ja, ich verallgemeinere manchmal und mache die gleichen Fehler, die ich anderen vorwerfe. Das haben wir Menschen so an uns, müssen halt hin und wieder mal kacken. Die Ausgrenzung von Nicht-Sstudenten und sozial-Schwachen aus „eurer“ Welt (Entschuldigung!) liegt weniger an Vernetzung, auch warum das Engagement für eine gute Sache nicht gut ist, weil Anstrengung und Verständnis für andere Themen fehlen, habe ich deutlich erklärt. Nimm Dir ZEIT fürs Lesen und Verstehen. Der Döner-Mann Deines Vertrauens erklärt es Dir auch gerne, wenn Du ihn nett fragst.

    • Dennis FirmansyahDennis Firmansyah

      Hallo,

      Ich finde die Diskussion total wichtig und würde mich freuen, wenn mehr Leute, die sich als verarmt begreifen bei uns einsteigen. Auch wenn Leute mit Rassismuserfahrungen einsteigen, freut mich das immer. Soweit ich die Leute, die bisher für die Zwischenzeit geschrieben habe, überblicken kann (hoffentlich vergesse ich niemanden), haben von elf Leuten fünf keine Lohnarbeit vier studieren, drei verstehen sich als PoCs (People of Color) oder haben einen Migrationshintergrund, sechs sind weiblich und fünf männlich sozialisiert (letztere verstehen sich z.T. als queer). Zwei haben glaub ich einen festen Job.
      Die zählbare Minderheit der Autor_innen sind also Männer, nicht-Studierende und Leute ohne festen Arbeitsplatz. Damit sich gerade marginalisierte oder von Diskriminierung betroffene Menschen in unseren Journalismus wiederfinden, wäre es total cool, wenn mehr von ihnen einsteigen wollen. Denn nur zusammen und in Aushandlung und Respektierung unserer vielen Unterschiede können wir glaub ich die Welt verändern. Mir ist es auch wichtig, dass wir die über die Verschränkungen reden, die es zwischen den Unterdrückungformen Klassismus, Rassismus und Sexismus gibt, weil z.B. viele Studierende zwar viele Bücher lesen und sich teilweise abgehoben ausdrücken, aber trotzdem arm sind. Alle Ideen, die dazu beitragen, wie wir in Anerkennung unserer Verschiedenheit uns trotzdem zusammen für unsere Interessen und diejenigen aller Unterdrückten und Marginalisierten einstehen können, sind mir total willkommen.

      Viele Grüße,
      Dennis

  10. Julia JulesJulia Jules

    Dennis, danke dir für die klärende Statistik! Dino, was wäre denn dein Alternativbegriff, wenn dir „soziale Milieus“ als unsensibel erscheint? Gemeint waren einfach Menschen unterschiedlicher Herkunft/Klassen, getrennt durch Einkommensunterschiede, „Status“ etc. . Mir wäre eine egalitäre Gesellschaft auch lieber.
    Ich stimme dir (wie gesagt) in vielen Punkten zu und finde sie sehr wichtig zu diskutieren, ich habe nur den spontan für mich relevantesten herausgegriffen – Kommunikation, Dialog. Ich verstehe sehr wohl wovon du sprichst. Mehrere meiner Freunde habe ich ermutigt über ihre Erfahrungen mit Diskriminierung und Rassismus zu schreiben, aber die Muse hat sie noch nicht besucht. Und ich fände es schade, wenn auch deine Gedanken und Erfahrungen in der Kommentarspalte „vergammeln“.

  11. dino

    Der Hauptanteil des Squat,- Antifa,- Zwischenteitumfeldes sind doch wohl, wie Julia richtig schreibt, Akademiker. Ansonsten ein sehr feiner Text, Dennis! Ich bin nicht blind und blöd, ich weiss, was ich die letzten zwanzig Jahre beobachtet und erlebt habe. Seit Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten, versuche ich, mein“ Strassenumfeld“ und mein Akademikerumfeld zusammemzubringen. Sobald sich das Strassenumfeld äussert, flüchtet das Akademikerumfeld, statt sich die Menschen mal länger anzuschauen. Ich habe Dich nicht umsonst auf den Bouleplatz eingeladen, Dennis. Ich freue mich darauf, mal wieder mit Dir/Euch abzuhängen. Menschen, die mir „egal“ sind, kritisiere ich nicht. Bis bald

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