Haus Mainusch bleibt

Eine Kugel mit dem Squatterzeichen baumelt von einem Ast auf dem Mainusch Gelände. Dahinter: Das Inter1.

Eine Kugel mit dem Squatterzeichen baumelt von einem Ast auf dem Mainusch Gelände. Dahinter: Das Inter1. Zwischenzeit | CC BY-NC-SA

Ende Januar 2017 kündigte die Universitätsleitung den Mietvertrag des Haus Mainusch. Das Haus Mainusch ist ein schon seit 1988 bestehendes selbstverwaltetes Kultur- und Kommunikationszentrum. Die Kündigung kam für die Nutzer*innen unerwartet. Noch im letzten Jahr sah das Präsidium angesichts des auslaufenden Vertrags keinen Gesprächsbedarf. Das Bauvorhaben für das Medien/Technikhaus, von der Universitätsleitung als Kündigungsgrund angeführt, besteht jedoch mindestens seit 2012.

Im Sommer 1988 wurde auf dem Unicampus das ehemalige Professorenhaus im Staudingerweg besetzt. Kurz darauf vermietete die Uni das Gelände dem AStA, der es einem für die Nutzung gegründeten Verein überließ. Dieser Vertrag blieb bis 2012 bestehen. Den Nutzer*innen des Haus Mainusch gelang es durch lange Verhandlungen zwar einen neuen Mietvertrag herauszuschlagen, allerdings bloß mit einer vorläufigen Laufzeit von 5 Jahren inklusive Mieterhöhung. Auf Anfragen zu Gesprächen über die Zukunft des Mietverhältnisses ging die Uni Mitte 2016 nicht ein. Bei einem Telefonat mit der Immobilienverwaltung gab es die Aussage, dass alles weiter bestehen bleibe. Daher gingen die am Haus Mainusch mitwirkenden Studierenden zunächst davon aus, dass sich auch dieser Vertrag automatisch verlängern würde.

Prestigprojekt Medienhaus verdrängt nicht zum ersten Mal kostengünstige Infrastruktur

2015 schon wurde das Wohnheim Inter I auf dem Nachbargrundstück zum Haus Mainusch geräumt. Es war das letzte mit dem BAFöG-Mietsatz bezahlbare Wohnheim in Mainz und neben dem Inter II der einzige studentische Wohnraum auf dem Unicampus. Hiermit wurden die ersten Pläne des Landesbetriebes LBB und der Universität für das Medien/Technikhaus umgesetzt. Gleichzeitig bedeutete dies die Verdrängung der Studierenden des Inter I vom Uni-Campus. Aktuell wurde jedoch festgestellt, dass sich das Bauvorhaben in dem ehemaligen Wohnheim nicht realisieren lässt. Als Ergebnis benötigt die Uni jetzt auch das Gelände des Haus Mainusch. Zuvor war nur das Gelände des Wagenplatzes im Gespräch. Das Medien/Technikhaus ist bei weitem nicht das einzige millionenschwere Bauprojekt auf dem Campus. Im Zuge ihrer Exzellenzbestrebungen ist die Universität dabei, jede Ecke des Campus grund zu sanieren. Die Prestigeprojekte führen nicht zum ersten Mal zur Verdrängung selbstverwalteter und oder kostengünstiger Infrastruktur.

Im Januar übermittelte der AStA den Nutzer*innen des Haus Mainusch die Ankündigung der Unileitung, den Vertrag nicht verlängern zu wollen. Die Unileitung sei aber zu einem Gespräch bereit. Das darauf folgende Treffen war in keiner Weise ergebnisoffen. Die Unileitung legte ihre Pläne dar, Bürogebäude und Medien/Technikhaus genau auf dem Standort des Haus Mainusch zu platzieren. Den von uns vorgebrachten Argumenten für den Erhalt des Kultur- und Kommunikationszentrums an genau diesem Ort wurden dabei kein Gehör geschenkt.

Neben AStA und Mensa – das Haus Mainusch ist nicht austauschbar

Auf Grund seiner Symbolkraft und Geschichte ist das Haus Mainusch weder ersetzbar noch austauschbar. Das Haus, sein Garten, der Anbau und das Gelände drumherum haben sich in fast dreißig Jahren Selbstverwaltung einzigartig weiterentwickelt. Hinter jeder räumlichen Anordnung im Haus Mainusch steckt ein Stück der Geschichte studentischer Selbstorganisation. Dass das Haus Mainusch bis heute an eben diesem Ort weiterbesteht und immer noch selbstverwaltet ist, bedeutet für seine Nutzer*innen eine dauerhafte Auseinandersetzung mit und Wertschätzung seiner Geschichte. Kein alternativer Standort könnte das Haus Mainusch als Ort studentischer Arbeit, der gleichzeitig mit Leben und einer Vielzahl selbstorganisierter Verantstaltungen gefüllt ist, ersetzen. Neben dem AStA-Gebäude und der Mensa gelegen ist das Haus Mainusch auch gleichzeitig eine Alternative zu beiden: es bietet den Nutzer*innen sowohl die selbstbestimmte Beteiligung an politischer Mitsprache auf dem Campus als auch eine niedrigschwellige Anlaufstelle.

Wegen der intransparenten und unkommunikativen Haltung der Uni in Bezug auf den Mietvertrag des Haus Mainusch, mussten sich die Nutzer*innen zunächst darüber klar werden, ob weitere Gespräche überhaupt sinnvoll erscheinen. Die Intransparenz bezüglich der baulichen Veränderung und Umstrukturierung des Unicampus ist kein neues Phänomen. Sie bedroht nun zum wiederholten Male selbstorganisierte und kostengünstige studentische Infrastruktur, die sich noch bis vor wenigen Jahren auf dem Campus der Uni Mainz gehalten hatte. Wir, die Nutzer*innen des Haus Mainusch, haben nun aus diesem Grund die konkreten Baupläne sowohl für unser Grundstück als auch für den gesamten Campus gefordert. Die Offenlegung der Pläne ist nicht nur im Rahmen des Fortbestehens des Haus Mainusch von Bedeutung, sondern allgemein im Interesse aller Studierender. Wir wünschen uns mehr Mitsprache und Transparenz bei der baulichen Umgestaltung und Veränderung des Campus. Sie darf nicht in die Verdrängung der letzten, weniger profitorientierten Orte auf dem Unicampus münden.

Wir sind bereit weitere Gespräche zu führen. Klar ist jedoch: Mainusch muss bleiben!

Über Luisa Continua

Luisa Continua ist zur Zeit im Haus Mainusch aktiv, organisiert Konzerte und Veranstaltungen. Außerdem hat Luisa sehr viele Freund_innen, die europaweit in ähnlichen Orten wie dem Haus Mainusch aktiv sind und gerne mal in Mainz vorbeischauen würden.

11 Gedanken zu “Haus Mainusch bleibt

  1. Andrea

    Seit einigen Jahren gehe ich auf die JGU und mein Weg zur Uni führt immer am Haus Mainusch vorbei. Ich verstehe den Aufschrei nach Erhalt der alten Werte, besonders weil viele Studenten und auch nicht Studenten kostengünstig (oder sogar frei?) dort hausen können.
    Aber ich als Student der JGU wünsche mir für den Ruf und die Atmosphäre auf dem Campus nur das beste, und das sehe ich nicht durch Erhalt eines dermaßen versifften Komplexes auf dem Campus. Spät Abends gruselt es mich dort als Mädchen vorbei zu gehen, wenn Männer dort herumlungern und einen viel zu oft ansprechen und hinterher rufen. Auch der Zustand des Gebäudes ist mehr als fragwürdig. Höchstens 1% der Studierendenschaft macht Gebrauch von diesem Gebäude, würden allerdings die Pläne der Uni verfolgt werden würden einige mehr davon profitieren.. schon allein weil unsere Uni einen Exzellenz-Status erhalten könnte und das jedem mit Abschluss an der JGU zu gute käme. Ist es denn nicht eine ganz natürliche Entwicklung dass sich die Uni ausweitet und dynamisch Gebäude umfunktioniert werden? Wieso denkt ihr, dass euer Gebäude außenvorgelassen werden sollte? Sollte nicht die Mehrheit der Studierenden durch eine Umfunktionierung profitieren ? Nur weil das Haus lange existiert haftet ihm kein Sonderstatus an.. würde man sich etwas besser um die Umgebung & den Zustand kümmern könnte ich die Einwände vielleicht verstehen .. aber so wie die Verantwortlichen das Gebäude versiffen lassen…wäre ich froh wenn anstelle des Haus Mainusch ein, für die Studierendenschaft, ’nützliches‘ Gebäude entstünde und man nicht mehr Nachts einen Umweg geht weil man nicht angepöbelt werden will .. mitten auf dem Campus, wo man sich doch eigentlich sicher fühlen sollte!

    • rem023

      Liebe Andrea

      Deinem Verständnis von Entwicklung und Tradition nach zu urteilen müsste also auch der Mainzer Dom abgerissen werden, da ja höchstens 1% der Bürger hineinpasst Die Universität als Versuchsfeld für neue und/oder andere Realität sollte Dich dann doch eher ansprechen und dafür ist das Mainusch seit Jahrzehnten immer ein Platz gewesen, egal wie dreckig es auch manchmal war oder ist. Gegen Schmutz lässt sich was tun… und soweit ich mich erinnern kann, kämpft das Mainusch Zeit seiner Existenz immer gegen braunen Schmutz.

      Aber im eigentlichen frage ich mich bei Deinem Kommentar doch eher, ob Du nur mit Siff und Belästigt-Werden verkleiden willst, dass man Dich nicht sofort als rechte Socke erkennen kann… sollte dem nicht so sein, überleg Dir bitte, welche Dinge Du in welchem Kontext behauptest. Sollte dem so sein, wünsche ich Dir alles Gute auf dem Nachhauseweg. Dann hättest Du allerdings andere Gründe, besorgt zu sein, als ein Mädchen zu sein.

      Da ich das Mainusch seit 1991 kenne – und meine eigene Geschichte damit hatte, wünsch ich den Mainuschis alles Gute und viel Glück beim Erhalt des „versifften“ Zentrums.

      la lotta continua

      P.S. Bevor das Mainusch ein Störfaktor beim Erlangen des Excellenz-Status ist, müssten ganz andere Dinge verändert werden…

    • Alex

      Ich stimme dir voll und ganz zu Andrea, auch wenn es mich nachts nicht betrifft. Mich stören insbesondere die überall auf dem Campus verbreiteten Schriftzüge an Hauswänden etc. die offensichtlich von Haus Mainusch-Befürwortern an diese geschmiert werden. Das sorgt definitiv nicht für ein besseres Bild der Uni und Hässlich sind sie auch. Ich denke außerdem, dass wesentlich weniger als 1% der Studenten Haus Mainunsch nutzen. Nur schreien diese eben am lautesten!

    • Leo Lustig

      Naja, da kann man doch schon mal abwägen, wenn es hier schon um so ne Mehrheit-Minderheit-Fragen geht: Ist das legitim, was diese Weniger-als-Einprozent verlangen? Oder eher verrückt? So weit ich weiß wollen die Leute da ab und an mal ein Fest feiern, sich treffen und in (dreckigen) Wägen leben, statt in Häusern. Da geht es auch ums Wohnen. In einer Stadt, wo die Mieten überall ochsen hoch sind (zieht euch mal den Mietspiegel rein! Scheiße!) ist das doch total akzeptabel. Umgekehrt find ich diesen Exzellenzkrempel, von dem Andrea erzählt, eher fragwürdig. Da wird doch vor allem bewertet, ob ne Uni viele Drittmittel aus der Wirtschaft bekommt, und meistens kriegen das nur wenige profitable Fachbereiche ab. Habt ihr nicht den Skandal um den Vertrag der Uni mit Boehringer-Ingelheim mitbekommen? Die Forschung in dem exzellenten Life-Sciene-Ding ist nämlich gar nicht mehr so exzellent, wenns um den Zugang der Öffentlichkeit zu den Ergebnissen geht. Wissenschaftsfreiheit adé. (http://www.taz.de/!5324787/). Mit so was schmückt sich keine Uni, da profitieren wirklich nur wenige, und ich frag mich, ob dir das was bringt, an so einer Institution studiert zu haben …
      Und überhaupt gab es auch gar nicht so viel wilde Malereien auf dem Campus, bevor die Rede davon war, dass das Mainusch gehen soll.

  2. Benni

    Als Studierender der JGU gebe ich auch mal meinen Senf dazu.
    Ich finde, wenn ich die Reaktion von Haus Mainusch auf Andreas Text so lese, dass es ziemlich schade ist, dass ihr andere Meinungen nicht tolerieren bzw. gleich als ‚rechts‘ abstempeln müsst.
    Ich als Mann kann jetzt nicht nachempfinden wie man sich als Frau fühlt wenn man abends dort vorbeigehen muss aber da ich mich auch des öfteren über ein paar Leute wundere die dort herumlungern, glaube ich gerne dass es für manche Frauen unangenehm sein muss.

    Dass der Mainzer Dom auch abgerissen werden sollte weil ihn, relativ betrachtet, nur wenige nutzen ist einfach ein lächerlicher Konter. Schon alleine deshalb weil der Dom wenigstens rein gehalten wird und schön anzuschauen ist..um nur einen von vielen Gründen zu nennen… Das kann man vom Mainusch echt nicht behaupten. Ich war schon 1-2 mal dort und da drin ist es so ekelhaft dass ich finde dass es verboten gehört so ein Gebäude auf dem Campus zu dulden. Da finde ich es schon fahrlässig von der Uni-Verwaltung dass die nicht stärker durchgreifen..Ihr könntet wenigstens für ein bisschen Sauberkeit sorgen..zumindest im Außenbereich. Wegen solch respektlosen Verhaltens gegenüber dem Unigelände kann ich schonmal garnicht verstehen wieso überhaupt noch überlegt wird dass man euch duldet. Eure ‚Anhänger‘, wie schon der Kommentar über mir besagt, sprayen überall in der Uni Graffiti..was soll das?! Wenn ihr bleiben wollt könnte man sich wenigstens gegenüber der Umwelt etwas respektvoller verhalten.
    Habt ihr eigentlich noch andere Argumente außer dass es euer Haus schon seit x Jahren gibt?
    Vielleicht könntet ihr ja auch mal ein paar anständige Gründe liefern und nicht wieder so eine merkwürdige Antwort verfassen wie zum Beitrag von Andrea.

    Dass die Uni viele andere Dinge verändern muss um den Exzellenz-Status zu erreichen, da stimme ich voll und ganz zu..aber da sollte man erstmal mit den schlechtesten Zuständen anfangen und die verbessern und dazu finde ich gehört eben der Teil des Campusses auf dem euer versifftes Gebäude steht.
    Danach kann man sich nach anderen Sachen umschauen und die auch noch verändern!

    • Leo Lustig

      Hey, ich finde es eigentlich nicht schade, ne klare Kante gegen rechten Mist zu zeigen. Ich finds eher schade, dass wir dabei zu selten präziseren, was denn rechter Mist ist. Deshalb versuch ichs mal auf den Punkt zu bringen: Ich finds zum Beispiel wenig dolle, über Orte und Erfahrungen zu reden, zu denen mensch keinen Zugang hat. Du schreibst hier zum Beispiel über „die Frau“. Klar sagst du, über deren Erfahrungen könntest du „als Mann“ nix sagen (seh ich auch so) – nur um dann im nächsten Satz genau das zu tun. Dann warst du ein oder zweimal da – kennst niemanden dort, kennst die Geschichte des Ortes nicht – aber weißt, dass er verboten gehört. Ziemlich schnelle Meinung, das. Dabei sprichst du stellvertretend für die Uni-Verwaltung, der du nicht angehörst, für den Campus, über den du nicht allein entscheidest. C’mon, das ist schon nen bisschen lame, sich hinter so nem Haufen gesellschaftlicher Institutionen („die Frau“, „die Uni-Verwaltung“, „der Campus“) zu verschanzen und die alle auf einmal vertreten zu wollen, oder? Die können doch auch selbst was sagen. Da find ich es schon besser, wo du ehrlich schreibst „Ich finds eklig“. Wenigstens zeigst du da klar, dass das nen persönliches Geschmacksurteil ist.
      Was fröhliche Botschaften all over the campus angeht, kann mensch ja schon geteilter Meinung sein. Ich zumindest finde, das Orte nicht unbedingt Respekt verdient haben, höchstens Leute. Also hab ich auch nicht ganz so respekt vor dem Pariser Tor oder dem Mainusch oder dem Gebäude der Stadtverwaltung da unten an der Kaiserstraße. Im Ernst jetzt, das fände ich echt etwas fetisch, vor Objekten Respekt zu haben. Aber versteh mich nicht falsch, vor Leuten mit Fetischen hab ich Respekt, die habens manchmal nicht so leicht.
      Fazit: Vielleicht hast du ja nen so großes Sauberkeitsbedürfnis für die Welt, dass du manches nicht sehen kannst. Ich hab das Gefühl, du siehst nicht, warum das Haus Mainusch als Infrastruktur und sozialer Raum für viele Leute wichtig ist, so wichtig, dass es auch mal dreckig sein darf. Guck mal, wer keine Lust mehr hat, sich von irgendwelchen Vermietern abzocken zu lassen, wohnt halt auf dem Wagenplatz – das ist doch schon ziemlich progressiv. Brauchst du nicht machen, wenn dir Miete zahlen mehr taugt. Oder wer sich organisieren will, kann das im Haus machen. Manche Leute brauchen das, sich zu organisieren, wenn sie diese Gesellschaft als ungerecht empfinden und davon mit betroffen sind. Nicht alle können sich Dreieuronochwas für nen Bier leisten, und trinken lieber ihr Hansa für Eineuro im Mainusch.
      Oder warum meinst du, „dass es verboten gehört“? Wenn du dir sicher bist, dass dein Anliegen die Mehrheit trifft, könntest du ja in die institutionelle Politik gehen. Einer Partei beitreten, dich in den Landtag wählen lassen, dass Hochschulgesetz ändern und gemeinsam mit der Mehrheit verfügen, dass schmutzige Orte auf rheinland-pfälzischen Campi verboten werden. „§88 – Schmutzverbot“ oder so. Aber wenn ich mir das so nochmal durchlese, dann kommt mir das irgendwie abwegig vor. „Schmutzverbot“ – das klingt für mich gerade ziemlich spießig und altbacken und der einzige Mensch, den ich kenne und der da zustimmen würde, ist mein Nazi-Opa. Dir sei es nicht genommen – alle haben das Recht, so spießig zu sein, wie sie wollen, aber ich denke, das dann auch alle das Recht haben, „Nein“ zu sagen und eine Welt zu fordern, in der Leute nicht das Recht auf ihren Wohnraum abgesprochen bekommen können, nur weil der anderen zu schmutzig ist.
      Das find ich nämlich ziemlich rechts: Das Sprechen für andere (die Uni-Verwaltung, die Frauen), das Verbieten, die Gewichtung von Sauberkeit über geschützten Wohnraum und einen gemeinschaftlichen Versammlungsort. Im Ernst, das ist doch total gefühlskalt! Hier geht es immerhin darum, dass Leute danach obdachlos wären! Putz halt vor deiner eigenen Tür, wenns dir da zu dreckig ist.

  3. Sabse

    Ich find die Idee hinter dem Mainusch echt mega geil. War auch schonmal dort als ne coole Band ihr bestes gegeben hat und würde mich selbst auch eher als links betrachten. Hab das Gefühl ich muss das jetzt in meinen Aufsatz zu Anfang einbauen und mich hier politisch rechtfertigen, wenn ich die Anschuldigungen oben so lese, obwohl, wie oben gesagt wurde, wir uns hier nicht im Landtag befinden sondern bei einer Debatte die die gesamte Studierendenschaft angeht.
    Nur weil die meisten aus dem Mainusch sehr weit links angeordnet sind bedeutet es nicht, dass automatisch alle die eine andere Meinung teilen rechts stehen.
    Klar relativ betrachtet schon, aber absolut gesehen ABSOLUT NICHT!

    Wie schon gesagt, finde ich die Idee super cool. Ich finds knorke dass ihr Essen verteilt und irgendwie auch dass ihr Wohnraum für stadtflüchtige STUDIERENDE(!!!) schafft.
    Was aber ist sexistisch oder nazihaft daran, zu Schreiben, dass man die Gefühlsregungen einer Frau verstehen kann die es abends gruselt an scheinbar sehr offensiven Männern vorbeizugehen? Da wäre es doch eher, wie Leo Lustig oben schreibt, ‚gefühlskalt‘ sich nicht in die Situation hineinversetzen zu können.

    Das mit den Graffiti find ich wiederum auch nicht so knorke und fände es dafür sehr links wenn sich die Verantwortlichen dazu aufraffen würden etwas so respektloses gegenüber dem Campus und damit auch seiner Studierendenschaft, zu entfernen.
    Und ja, ich finde auch dass der Campus als solcher Respekt verdient. Ich dachte als ‚Linke‘ wäre man respektvoll gegenüber seiner Umwelt.. ist respektloses Verhalten an der Umwelt da nicht auch eher rechts? Ich finde wenn der Campus mit Graffiti besprayt wird dann ist das ein Affront gegen alle Studierenden, da der Campus von uns allen genutzt wird. Wäre es da nicht demokratischer abzustimmen .. wenn mehr als 50% der Studierenden für Graffiti sind, dann lasst das Sprayen beginnen? Leider glaube ich (ich lasse mich gerne durch demokratische Ergebnisse umstimmen), wenn ich die Kommentare so über mir lese, dass viele Studierende eher ein Problem mit den Graffiti haben.. auch was ich bisher so von Freunden, Kommilitonen und Profs vernommen habe.
    Um dabei auf das von Leo Lustig Geschriebene einzugehen: nimmt sich das Mainusch bzw. dessen Fans dann nicht auch einfach das Recht heraus, für Univerwaltung und Studierende zu entscheiden was für den Campus am besten ist… eurer Meinung nach Graffiti an den Wänden ?
    Ist das nicht ganz schön rechts? Um mit euren komischen Unterstellungen darauf zu antworten.

    Ich hoffe dein Nazi-Opa trübt dir nicht de Sicht auf die Welt und du denkst wegen eines eventuellen Opa-Komplexes nicht gleich jeder der eine tendenziell mittigere Einstellung anstrebt als du, träumt von einem Schulterklopfer von Opa Adolf.
    Denke bitte dran, du bist nicht der Mittelpunkt der politischen Szene und die politischen Richtungen ergeben sich nicht von deiner Warte aus. Wie oben gesagt, relativ zu deiner Meinung ist wohl alles rechts… sehr egozentrisches Weltbild. Was dann doch eher wieder rechts wäre oder nicht? Sehr verwirrend diese Behauptungen zu stemmen…

    Alles in allem ist meine Meinung gegenüber dem Haus Mainusch dann wohl doch eher, wie ihr es scheinbar nennen würdet, tendenziell rechts (meiner Definition nach ja eher mittig aber gut).
    Ich finde zwar den Gedanken dahinter spitze, aber die Umsetzung ist Mist. Wenn ihr an einem öffentlichen Ort euer Ding drehen wollt dann macht es eben nach den Regeln des Ortes den ihr in Beschlag nehmt. Und dazu finde ich gehört nunmal auch Sauberkeit Und REDSPEKT gegenüber der Herberge. Wenn ihr den Campus nicht respektieren könnt seid ihr hier sowieso falsch und ich versteh nicht was euch noch hier hält.. dann wäre ja jeder andere Ort genauso gut für eure Entfaltung.
    Ich sage ja nicht dass sich euer Trailerpark nicht vom Rest des Campus abheben darf.. ich verstehe euren Wunsch nach Individualität .. aber geht das automatisch mit Schmutz und Graffiti einher? Kann man sich nicht anders bemerkbar machen?
    Solange ihr euch nicht den, wie ich finde linken, mittigen und rechten, weiblichen, männlichen, hetero- und homosexuellen, islamistischen, jüdischen, christlichen usw usw usw UNIVERSELLEN Vorstellungen an eine ordentliche und saubere Umwelt anpasst, dann seid ihr auch nicht besser als der rechte Schmutz der überall seinen Dreck verbreitet hat.

    • Knofel

      Sabse, auch wenn ich dir in einigen Punkten zustimme, aber deine Versuche zwischen rechts und links zu unterscheiden sind fürchterlich kläglich :-D

      „nimmt sich das Mainusch bzw. dessen Fans dann nicht auch einfach das Recht heraus, für Univerwaltung und Studierende zu entscheiden was für den Campus am besten ist… eurer Meinung nach Graffiti an den Wänden ?
      Ist das nicht ganz schön rechts?“
      –> Tut mir leid, Graffitis an Wände zu schmieren hat nichts mit ner politischen Richtung zu tun. Das machen nämlich die Rechten UND die linken UND sogar ganz unpoilitsche Menschen.

      „sehr egozentrisches Weltbild. Was dann doch eher wieder rechts wäre oder nicht? Sehr verwirrend diese Behauptungen zu stemmen…“
      –> Seid wann ist ein egozentrisches Weltbild rechts? Die Kommunisten waren (genauso wie die Nazis) der Meinung, sie wissen was das Beste für alle ist. Da geben sich Stalins Gulags und Hitlers Konzentrationslager nicht viel.

      Aber ich verstehe deinen Ansatz. Jede Kritik am Haus Mainusch wird ganz schnell als Rechts abgestempelt. Aber das ist völliger Schwachsinn und einfach nur eine billige Art die heutige Political-Correctness als Totschlagargument für alles zu nutzen. Wenn man seine Kollegin für ihre schlechte Arbeit kritisiert ist man Sexist, wenn man sich über den aggressiven Türken am Bahnhof aufregt ist man Rassist und wenn man sagt das Haus Mainusch ist einfach nur ein ziemlich heruntergekommener Ort, wo obdachlose „Studierende“ (von denen garantiert der Großteil nicht wirklich studiert) kostenlos wohnen, ab und zu mal ein Punkkonzert starten (und dafür Geld vom Uni-Kulturausschuss kassieren) oder einen Vortragabend mit 10 Teilnehmern (in dem es nur mal wieder darum geht wie rechts und sexistisch alle anderen doch wieder sind), dann ist man rechts.
      Wohlgemerkt: Ein solcher Schandfleck wie das Mainusch hätte weder im dritten Reich noch unter Stalin lange Bestand gehabt. ;-) Darum kann man ganz klar sagen, gegen das Mainusch zu sein, hat per se erstmal nichts damit zu tun rechts zu sein. Genauso wie ich nicht links sein muss um ein Problem mit nem Neonazi-Bikerclub vor meiner Tür zu haben.

      Und wenn man schon solche tollen Sprüche auf dem Campus liest: „Wenn das Mainusch geht, dann brennt der Campus“, dann disqualifizieren sie sich im Grunde selbst für ein Existenzrecht auf der Uni. Denn das hat nichts mit Demokratie zu und ist einfach nur offen aggressiv und asozial.

    • Jan ZombikJan Zombik

      @Sabse: Ich denke, manchmal geht Individualität mit Schmutz und Graffiti einher – geschadet haben die noch keinem. Der Umkehrschluss, dass Individualität im Zweifel Ordnung und Sauberkeit weichen müssen, klingt dagegen doch ziemlich totalitär. Die Überlegungen über eine Kultur der Kommunikation mit seiner Umwelt sind mir da viel sympathischer. Über Graffiti kann mensch diskutieren: Ob die gefallen oder nicht, wo die Sprayer*innen sonst noch eine Bühne finden, sich Gehör zu verschaffen oder ihr Anliegen auf einen geschützten Wohn- und Organisationsraum durchzusetzen oder nicht finden. Ich denke auch nicht, dass solche Orte immer an den Rand der Stadt verschwinden oder herausgeputzt werden müssen. Bevor die Debatte zu aufgeregt wird, will ich auch was zur Abwägung zwischen dem Schutzwert der Interessen sagen: Da würde ich nämlich Leo beipflichten darin, dass der Blick, der sich an Schmutz oder der Veränderung einer Wand stößt, im Zweifelsfall zurückstehen muss gegenüber dem Schutz des Wohnraums, auch wenn er nicht allen ästhetischen Ansprüchen genügt.

      @Knofel: Allein, „Türken“ als erstes und einziges Beispiel von dir als aggressiv wahrgenommene Menschen an irgendeinem Hauptbahnhof anzuführen, ist ein rassistische Bemerkung. Und nein, tatsächlich gibt es Menschen auf dem Wagenplatz des Mainusch, die noch daran arbeiten, ihr Abitur nachzuholen, und sonst obdachlos wären. Eine solche Person aufgrund ihres sozialen Status zu diffamieren, mehr noch ihr Dasein als Schandfleck zu bezeichnen, finde ich niederträchtig. Wenn du noch Lust hast, dich weiterhin hier zu äußern, dann kannst du das weder in so einer menschenverachtenden Art und Weise tun, noch weiterhin dubiose Mutmaßungen mit nicht minder dubiosen Implikationen über das Dritte Reich anstellen.

  4. Sabse

    Knofel, ich bin sowohl über die Linke als auch die Rechte Szene und deren politische Ansichten sehr gut im Bilde. Wie du später in deinem Text geschrieben hast, dienten meine ‚Rechts-Beschuldigungen‘ einfach als rhetorisches Mittel. Mein einziges Ziel war damit zu zeigen wie gegenstandslos die politischen Anschuldigungen der ‚Mainuschis‘ sind, die mit dem Vorwand political correctness in Diskussionen umgehen wie trotzige Kinder. Ich bin mir darüber im Klaren, dass Egozentrik und Graffiti universell auftretende Begebenheiten sind.
    Deine Formulierungen gefallen mir hingegen sehr gut, schön dass du so präzise auf den Punkt bringen konntest, was ich scheinbar durch missverständliche Übertreibungen nicht schaffen konnte.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *