Heldenverehrung vorzeitig beendet

Ein Gedenkkranz wird weggetragen an den Fahnen der Stadt Mainz vorbei

"Der Kranz kommt dann gleich wieder weg!" - ein Antimilitarist bei der Arbeit. Jan Zombik | CC BY-NC-SA

Das Kriegsmarinedenkmal am Fischtorplatz ist seit längerem Stein des Anstoßes. Denn noch heute wird das 1939 von den Nazis errichtete Monument für das Kriegsgedenken der Stadtverwaltung genutzt. Doch kann an einem Ort, an dem die Täter des ersten Weltkriegs als Helden und Vorbilder gerühmt werden, beispielhaft allen Opfern gedacht werden? Während der Mainzer Oberbürgermeister Ebling offenbar dieser Meinung ist, sehen das die Friedensbewegten von der DFG-VK anders. Sie protestierten öffentlich gegen die Kranzniederlegung der Stadt und rufen zum kritischen Nachdenken über die Bedeutung dieses Denkmals auf.

Die Stadtverwaltung ließt sich durch den Protest bisher nicht von ihren Praktiken abbringen. Der Friedensaktivist Hans von der DFG-VK hat daher am gestrigen Dienstag das Politikum wortwörtlich selbst in die Hand genommen und den Kranz kurzerhand entfernt. Doch statt ihn einfach in den Rhein zu werfen, brachte er ihn zum Oberbürgermeister Michael Ebling zurück: „Ich hoffe, dass Herr Ebling das Problem einsieht und die Kranzniederlegungen an diesem Ort beendet,“ kommentiert Hans seine Aktion. In seinem Schreiben an den Oberbürgermeister, das Hans dessen Büroleiterin übergeben hat, heißt es unter anderem: „Die Inschrift entspricht nationalsozialistischem Gedankengut. […] An diesem Denkmal können Sie nicht Opfern gedenken, ohne zugleich die Täterschaft der Nazis zu verherrlichen.“

Bereits in den 1980ern war Hans gegen das Denkmal aktiv, wie er berichtet. Unter anderem begoss er die Säule mit Farbe und brachte verschiedene Infozettel an. Auch dieses Jahr hatte er Herrn Ebling frühzeitig angeschrieben und aufgefordert, von der Ehrung Abstand zu nehmen. Doch was soll mit dem Denkmal geschehen, wenn es nicht gleich abgerissen werden soll? „Das ist einfach ein Zeitzeugnis, das da steht, und so sollte es auch behandelt werden. Wir müssen über seine Errichtung aufklären, dann kann es zur geschichtlichen Bewusstseinsbildung beitragen,“ erklärt Hans. Das könnte zum Beispiel durch eine aufklärende Infotafel an dem Kriegsmarinedenkmal geschehen. Sollte dort erneut ein Kranz niedergelegt werden, will Hans dagegen vorgehen. „Der kommt dann gleich wieder weg!“

Jan Zombik

Über Jan Zombik

Jan Zombik macht gerne Journalismus: Für alle, für die Leute, für die Politik, für die Freiheit. Wenn er gerade nicht journaliert oder philosophiert, dann musiziert er vielleicht. Anzutreffen ist er in der Regel vor seinem Bildschirm, an dem er etwas schreibt. Wenn ihr Jan etwas gutes tun wollt, dann flößt ihm beruhigenden Rooibos-Erdbeer-Sahne-Tee ein oder spendet ein paar Eurönchen für die Zwischenzeit.

2 Gedanken zu “Heldenverehrung vorzeitig beendet

  1. henne

    Jetzt sind Soldaten des 1. Weltkrieges auch schon Täter…das ist so lächerlich, dass es schon wieder traurig ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.