In der Abschiebeschleife

Meterhohe Betonmauer des Ingelheimer Abschiebeknasts, davor ein Mast mit einer Kamera, dahinter grauer Himmel.

Perspektive Beton: Die Mauer des Ingelheimer Abschiebeknasts. Jan Zombik | CC BY-NC-SA

Zum dritten Mal ist die Abschiebung gescheitert. Am vergangenen Donnerstag wurde Herr Iqbal früh morgens im Abschiebeknast Ingelheim von fünf Polizisten abgeholt und zum Frankfurter Flughafen gebracht. Ziel: Islamabad. Knapp 30 Stunden später war er wieder zurück. Bei seiner Ankunft erwiesen sich seine Einreisepapiere als ungültig, als pakistanischer Staatsbürger war er nicht registriert. Der unbedingte Abschiebewille der Mainzer Ausländerbehörde (ABH) wog offenbar schwerer als die gesetzliche Grundlage für Abschiebungen. Herr Iqbal ist verzweifelt: „Immer bin ich mit allen meinen Mitmenschen respektvoll umgegangen und habe mir nichts zu schulden kommen lassen. Ich will doch einfach nur in Ruhe hier leben!“

Abschiebung schon mehrfach gescheitert

Seit 14 Jahren wohnt Herr Iqbal in Deutschland. Im indischen Teil von Kashmir geboren musste er mit seiner Familie nach Pakistan übersiedeln, von wo er 2001 in die Bundesrepublik kam. Weil sein Asylantrag abgelehnt wurde, die pakistanischen Behörden aufgrund seiner Herkunft seine Identität aber nie bestätigten, wurde er bislang nur geduldet. Die meiste Zeit wohnte er in einem kleinen Zimmer in einer Unterkunft in Mainz, gemeinsam mit drei anderen Geflüchteten. Bis jetzt durfte Herr Iqbal keine Arbeit aufnehmen, da ihm seine „Passlosigkeit“, das Abschiebehindernis, als fehlende Mitwirkung zugeschrieben wurde.

Der jüngste Vorfall reiht sich in die bisherige Politik der ABH ein, die schon mehrfach mit fragwürdigen Mitteln versucht hatte, Herrn Iqbal loszuwerden. Seine erste Abschiebung scheiterte daran, dass er sich erfolgreich gegen eine Abschiebung mit falschen Papieren wehren konnte. Beim zweiten Versuch, den er gefesselt über sich ergehen lassen musste, wurde seine Weiterreise bei einer Zwischenlandung in Moskau unterbrochen. Die dortigen Behörden stellten ähnlich wie zuletzt fest, dass Iqbals Reisedokumente, die von der pakistanischen Botschaft ausgestellt wurden, ungültig sind.

Gefangen in der Abschiebeschleife

Nun ist Herr Iqbal erneut im Abschiebeknast in Ingelheim eingesperrt – ein bedrückender Bau umgeben von hohen Betonmauern, innen Zäune mit Natodraht, überall Gitter, Securities und Kameras. Rein rechtlich ist der Haftbeschluss gegen Iqbal noch in Kraft, doch entbehrt er nun endgültig jeglicher Grundlage. Schließlich sind keine weiteren Dokumente verfügbar, die eine erneute Abschiebung möglich machen würden. Jonas, der Iqbal unterstützen will, bringt Einknastung und Abschiebung nicht das geringste Verständnis entgegen: „Das ist doch einfach nur unmenschlich. Wer jemenschen nach 14 Jahren abschieben will, ist ein Rassist und Psychopath: Ein Mensch, der nicht mehr zu Mitgefühl in der Lage ist. Und wenn die Gesetze dieses beschissenen Staates das auch noch decken, dann muss offen gesagt werden, dass auch dieser Staat unmenschlich und rassistisch ist.“

M., ein Freund von Herrn Iqbal, ist wütend: „Warum sperren sie Iqbal gleich wieder ein? Die Institutionen hier machen, was sie wollen, die Gesetze sind ihnen egal. In der ABH sitzen Rassist*innen. Ich lebe schon genauso lange wie Iqbal in Deutschland, und bis jetzt habe ich keine Arbeitserlaubnis erhalten, obwohl ich schon mehr als 20 Anträge gestellt habe. Ich bin auch nur geduldet, Asyl bekomme ich nicht. Menschenrechte existieren hier nur auf dem Papier.“ Für Iqbals Situation kann es nur eine Lösung geben: ein dauerhaftes, unbefristetes Aufenthaltsrecht. Doch dafür müssen wir erst kämpfen.

Kaspar Skwatten

Über Kaspar Skwatten

Vor etwa einem Jahr tauchte Kaspar Skwatten in Mainz auf: Müde von der Reise beschloss der gelernte Gärtner, der schon viel herumgekommen war, sich auf ein neues Arbeitsfeld einzulassen und fand schnell neue journalistische Freunde. Nun schreibt er für die Zwischenzeit und beschäftigt sich vor allem mit dem Thema Rassismus.

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