80 Jahre internationale, antifaschistische Freiwillige

DDR-Briefmarke von 1966 für die internationalen Brigaden.

In Europa ist Nationalismus seit einigen Jahren in aller Munde und verbreitet sich weiter. Und doch gibt es ein anderes Europa, dass für Offenheit und Toleranz steht. Dieses Jahr jährt sich zum 80sten Mal mit der Gründung der internationalen Brigaden. Ein historisches Vorbild, in dem die deutschen Interbrigadist*innen bewiesen, dass es mitten im deutschen Faschismus auch ein anderes Deutschland gab.

Die Freiwilligen aus Rheinland-Pfalz und Mainz

Mit dem Blick auf den 80sten Jahrestag der Gründung der antifaschistischen Interbrigaden, hat der Rheinland-Pfälzische Landesverband der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) am 15. September einen offenen Brief  an den Landtag geschickt. Sie fordern auf regionalen Interbrigadist*innen mit einer Ehrung zu gedenken. Bisher wurde von seitens des Landtags nicht reagiert.

Ein historischer Einblick: Der Putsch gegen die Spanische Republik

Am 17./18. Juli 1936 putschten große Teile des Militärs, monarchistische, faschistische und nationalistische Kräfte gegen die ‚frente popular‘, das gemeinsame Wahlbündnis von Linken und Demokrat*innen. Das Bündnis war wenige Monate zuvor mehrheitlich ins spanische Parlament gewählt worden und konnte die Regierung stellen.
Die Putschist*innen hingegen wurden massiv militärisch und finanziell durch das faschistische Italien und das Deutsche Reich unterstützt. Die großen Demokratien Frankreich und Großbritannien, die sich dem Faschismus hätten entgegen stellen können, versuchten sich bereits im Appeasement, also in einer Beschwichtungspolitik um Konflikte mit Italien und Deutschland zu vermeiden. Durch die Gründung eines Nicht-Interventionskomitees verweigerten sie der Spanischen Republik die Unterstützung. Einzig die Sowjetunion und Mexiko waren bereit die demokratisch gewählte Regierung gegen den Putsch zu unterstützen.

Die internationalen Freiwilligen

Der Faschismus an der Macht – vor allem in Deutschland und Italien, mit ihrer massiven Militarisierung und politischen Justiz – prägte den Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Nachdem das Deutsche Reich bereits im Juli 1936 die ‚Legion Condor‘ zur Unterstützung der Putschisten schickte und Frankreich im August 1936 die Grenzen zur einseitigen „Nicht-Intervention“ schloss, wuchs die Internationale Solidarität. Dem Aufruf zur Unterstützung der Spanischen Republik folgten viele Intellektuelle und ca. 40.000 Freiwillige aus über 50 Nationen, darunter ca. 3500-4000 Deutsche. Größtenteils (ca. 70%) waren diese Freiwilligen Kommunist*innen. Aber auch viele aus dem sozialdemokratischen, sozialistischen und anarchistischen Spektrum wollten die Republik unterstützen.

Die Interbrigadist*innen in der BRD

Die Niederlage in Spanien 1939 und die faschistische Diktatur in Europa prägten den Nachkriegsdiskurs ab 1945. Während die Angehörigen der faschistischen ‚Legion Condor‚ beispielsweise volle Rentenzahlungen erhielten, hatten es die „Rotspanier*innen“ – so der weiterverwendete NS-Duktus – wie die anderen antifaschistischen Kämpfer*innen äußerst schwer. Erst mit der Kanzlerschaft Willy Brandts, der selbst als Berichterstatter für norwegische Zeitungen die spanische Republik unterstützt hatte, änderte sich das langsam. Dennoch fehlt eine öffentliche Anerkennung der antifaschistischen Freiwilligen. Sie fehlt auch im Gegensatz zu der starken ‚antifaschistische Erinnerungskultur‘ der DDR, die einen starken Mythos um die Interbrigaden schuf. In dieser wurden allerdings die nicht-kommunistischen Freiwilligen ausgeblendet.

Anerkennung und Ehrung der Mainzer Interbrigadist*innen

An der landesweiten Initiative der VVN-BdA für eine stärkere Anerkennung und Ehrung der Interbrigadist*innen ist auch der Mainzer Kreisverband der VVN-BdA beteiligt. Dazu veranstaltet die lokale Gruppe einen Vortrag mit einem kurzen Vortrag zu den Interbrigaden inklusive einer Filmvorführung. Im Anschluss werden die Biographien der Mainzer Interbrigadisten Erwin Epstein, Karl Mathes, Martin Müller und Kurt Rusitzka vorgestellt. Am 01.12.16, ab 19h im DGB-Haus, Kaiserstraße 26-30, 55116 Mainz.

Ludovicus Schoenblick

Über Ludovicus Schoenblick

Mit einem Sinn für das Schöne und Gute im Menschen ausgestattet durchdringt Ludo die Welt auch ganz gerne mal historisch.

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