Internetfahndung: Eine PR-Show?

Die Polizei liebt dich? Schön wärs. Heute nur Kriminalisierung im Angebot. ! @SeX#───── | CC BY-NC

Die Hamburger Polizei veröffentlicht im Internet einhundert Fotos von Menschen, denen sie Straftaten während der Proteste gegen den G20-Gipfel vorwirft. Diese Fahndung ist ein Aufruf zur öffentlichen Denunziation, wie er in Ausmaß und Größe in der jüngeren Geschichte selten vorgekommen ist. „Es handelt sich aus unserer Sicht um eine PR-Show, um die Deutungshoheit über die Geschehnisse, insbesondere den Polizeiangriff auf die Demonstration am Rondenbarg zurückzugewinnen“, erklärt Heiko Lange von der Roten Hilfe.

Am Rondenbarg wurden Demonstrierende teilweise schwer verletzt, als die Polizei ohne Vorwarnung angriff. Eine Betroffene schildert es gegenüber dem Lower Class Magazine so: „Ich hab gesehen, wie ein Genosse über die Metallabsperrung gefallen ist, er ist gestürzt, dann sind ihm die Knochen am Bein herausgestanden. Ein Polizist hat trotzdem auf ihn eingetreten, dann war überall Blut.“ Alleine elf Personen wurden im Zusammenhang mit den Vorfällen am Rondenbarg mit Knochenbrüchen ins Krankenhaus eingewiesen.

Die Polizei sah sich Anfang August durch die Veröffentlichung eines Videos unter massiver Kritik. Denn das Video legt nahe, wie die Süddeutsche schreibt, „dass die Sicherheitsbehörden den Vorfall im Nachhinein anders darstellten als er tatsächlich war.“

Überhaupt gilt als umstritten, ob der Polizeieinsatz am Rondenbarg rechtens war – verzichteten die Beamten doch auf jede Vorankündigung. Diese Vorkommnisse sind kein Einzelfall: „Während der gesamten Proteste gegen den G20-Gipfel ist es zu zahlreichen Rechtsbrüchen und Körperverletzungen durch Polizeikräfte auch auf Journalist*innen gekommen“, sagt Heiko Lange von der Roten Hilfe.

Christian Borchert

Über Christian Borchert

Christian Borchert hat in Mainz Politikwissenschaften und Soziologie studiert, um dann nach Abschluss seines Studiums 2012 erstmal nach Frankreich zu verschwinden. Dort hat er Häuser besetzt und verschiedene urbane, linke Projekte bei ihrer Pressearbeit unterstützt. Sein Arbeitsschwerpunkt sind populistische, politische Strömungen und die Hausbesetzer_innenszene. Seit April 2014 wirkt er auch als Autor bei der Zwischenzeit mit.

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