„Die Kälte der AfD vertreiben“

Eine Spontandemonstration zieht über den Brandt in Mainz, ein rotes Transpi

Time to act: Wollen wir erst warten, bis der Faschismus da ist? Jan Zombik | CC BY-NC-SA

Es ist Dienstagabend. Die AfD Mainz lädt zum Neujahrsempfang ins Rathaus. Vor dem Gebäude haben sich etwa 150 Menschen versammelt, um dem etwas entgegenzusetzen. „Die sollen sehen, dass nicht alle in Mainz so denken wie die“, sagt mir Maria. Sie stellt sich als Foodsaverin vor und arbeitet in einem Mainzer Unternehmen als Management-Assistentin. „Ich bin hier, um die Kälte der AfD zu vertreiben. Sie widerspricht den Grundsätzen, nach denen wir leben wollen.“

Die Menge unten beschallt der Lautsprecher, aus dem Ton Steine Scherben und Feine Sahne Fischfilet sich mit Hannes Wader und Beethovens Europahymne mischt. Derweil geht im zweiten Stockwerk im Rathaus kurz das Licht an. Ungewollt wird eine handvoll Uniformen sichtbar, die die Menge im Auge behält.

Sigi, einer der Demonstranten, kommt gerade aus dem Rathaus. Er erzählt, dass sich im Gebäude etwa 60 AfDler_innen eingefunden haben. Sie sind durch einen Seiteneingang hineingelangt, den die Polizei abgesperrt hat. Kurz darauf verlässt einer der AfD-Anhänger den Haupteingang und schubst eine Demonstrantin zu Boden. Gerangel, ein Handgemenge. Dann führt ein Polizist ihn ab. „Ich würde rausgehen, wenn uns die Arschgeigen lassen würden“, soll der AfD-Anhänger gesagt haben. Eine der Umstehenden zuckt mit den Schultern: „Pech gehabt, Mainz duldet eben keine Intoleranz.“

Am frühen Abend endet die Kundgebung vor dem Rathaus mit einer Spontandemonstration zum Hauptbahnhof. Noch etwa 70 Menschen sind trotz der Kälte dabei. „Nationalismus raus aus den Köpfen“, hallt es von den Glasfassaden am Brand wider. Es wird nicht das letzte mal sein, dass eine klare Haltung gegenüber Rechtsaußen nötig ist. Antifaschistische Gruppen mobilisieren am Wochenende nach Koblenz, wo die ultranationalistische und rechtsradikale Europafraktion ENF ein Treffen plant.

Dennis Firmansyah

Über Dennis Firmansyah

Dennis Firmansyah hat die Zwischenzeit 2013 mitbegründet und 2016 die Herausgeberschaft und Chefredaktion übernommen. Seine Themen sind Migrationspolitik, Recht auf Stadt und Regionalgeschichte. Neben der Zwischenzeit veröffentlicht er auch bei der Jungle World, Direkte Aktion und Graswurzel Revolution.

Jan Zombik

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Jan Zombik macht gerne Journalismus: Für alle, für die Leute, für die Politik, für die Freiheit. Wenn er gerade nicht journaliert oder philosophiert, dann musiziert er vielleicht. Anzutreffen ist er in der Regel vor seinem Bildschirm, an dem er etwas schreibt. Wenn ihr Jan etwas gutes tun wollt, dann flößt ihm beruhigenden Rooibos-Erdbeer-Sahne-Tee ein oder spendet ein paar Eurönchen für die Zwischenzeit.

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