Keine große Sache?

Ein abgebranntes Spielzeug-Polizeiauto.

Keine große Sache: Ein abgebranntes Spielzeug-Polizeiauto. Zwischenzeit | CC BY-NC-SA

Nach übereinstimmenden Berichten des SWR und lokaler Medien sind in der Nacht von Donnerstag auf Freitag drei Polizeiautos in Mainz in Brand gesteckt worden. Ein Novum für Mainzer Verhältnisse, dürfte es doch längere Zeit her sein, dass in dieser Stadt Streifenwägen brannten. Ein Bekenner*innenschreiben liegt der Zwischenzeit bis jetzt nicht vor. Das lässt Raum für wilde Spekulationen. Welche Aussage soll die Aktion transportieren? Warum findet sie gerade hier und jetzt statt? Und wie bewerten lokale linke Aktivist*innen das Ereignis?

Tabea ist von der Neuigkeit sehr überrascht. Sie findet: „Polizeiwägen sind Symbol und Funktion eines repressiven Systems. Viele Menschen werden durch ständige Polizeikontrollen eingeschüchtert und diskriminiert. Mit solchen Erfahrungen löst allein eine vorbeifahrende Streife Angst aus. Polizeiautos abzubrennen kann daher als ein legitimer Ausdruck von Wut gelten und ein Befreiungsschlag für die Betroffenen sein.“

„Es heißt doch immer: Klammheimliche Freude! Wenn keine Personen zu Schaden gekommen sind, hab ich da kein Problem mit. Ich denke aber immer, dass so eine Aktion vermittelbar bleiben muss. Und wenn sich die Botschaft hinter dem Brand nicht von selbst erklärt, sollte sie erklärt werden.“ meint Günther, der in Mainz schon seit den achtzigern politisch aktiv ist.

„Konsequent pazifistisch“

„Ich begrüße die Aktion. Die Polizei ist eine Institution, zu deren alltäglichem Betrieb die Gewaltausübung gehört. Es wäre naheliegend, diese Gewalt mit Gegengewalt zu beantworten. Stattdessen haben sich Menschen entschlossen, die Infrastruktur des Polizeiapparats anzugreifen. Das ist konsequent pazifistisch.“ sagt Jakob, dem Freund*innen von der Aktion erzählt haben.

Manuel macht die Aktion nachdenklich: „Ich habe schon aus der Zeitung davon erfahren und mir ein paar Gedanken zu gemacht: Solange die Zustände so sind wie sie sind, solange Menschen auf dem Mittelmeer sterben und solange Menschen in ihren sicheren Tod abgeschoben werden, halte ich so eine Aktion für nebensächlich und nicht die Aufmerksamkeit wert. Die Welle der Empörung, die mit so einem Ereignis häufig einhergeht, finde ich ein bisschen albern. Ich würde es aber auch nicht glorifizieren, wenn Polizeiwägen brennen, weil ich darin nicht per se einen emanzipatorischen Wert sehen.“

Daniel schließlich befürwortet den Brand der Polizeiwägen ohne Vorbehalte: „Rassistische Polizeikontrollen bestimmen meinen Alltag, irgendwelche Leute nennen mich Kanacke auf der Straße, sie geben mir das Gefühl, nichts Wert zu sein. Wenn also mal wer einen richtigen Hals kriegt und endlich ‚Schluss jetzt!‘ sagt, finde ich das gut. Das bisschen Metall wird Mercedes Benz noch auf Lager haben, um den Bullen neue Karossen zu bauen. Die sollen mal nicht rumheulen.“

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