Kohleausstieg ist Handarbeit

Ende Gelände – Dieser Zug ist erstmal gestoppt. Ende Gelände | CC BY-NC

Ende Gelände ist ein breites Bündnis aus Gruppen und Einzelpersonen, die aus verschiedenen sozialen Bewegungen und politischen Spektren kommen: Es ist ein Zusammenschluss von Menschen aus der Anti-Kohle- und der Anti-Atom-Bewegung, aus der Postwachstumsbewegung, aus den Vorbereitungsgruppen der Klimacamps im Rheinland und in der Lausitz, aus der Waldbesetzung im Hambacher Forst, aus klimapolitischen Graswurzelinitiativen und Bürgerinitiativen, aber auch von größeren Umweltorganisationen und linken Politgruppen, den Ende Gelände Ortsgruppen sowie von vielen politisch interessierten Einzelpersonen. Ende Gelände ist Teil einer globalen Graswurzelbewegung, die für Klimagerechtigkeit, gegen fossile Energieträger und für eine globale Energiewende von unten eintritt.

Auch aus Mainz werden sich einige Menschen aufmachen, um aktiv und entschlossen ein Zeichen für Klimaschutz zu setzen. Mit einem gesponserten Elektroauto werden sie Richtung Norden ins Rheinische Braunkohlerevier fahren.

Zwischenzeit: Was sind die Beweggründe für deine Teilnahme an den Aktionen im Rheinischen Braunkohlerevier?

Tjark: Von den Aktionen, die unter dem Motto „Für ein Klima der Gerechtigkeit“ stehen, verspreche ich mir sehr viel. Die von RWE betriebenen Braunkohleabbaue und Braunkohlekraftwerke machen das Rheinische Revier zum größten CO2 Emittent Europas.

Das klimafreundliche Verhalten im Alltag ist schon wichtig, da kann jede*r Teelöffel für Teelöffel sein Scherflein beitragen. Doch wenn es gelingt, einen der gigantischen Kohlebagger nur für 10 Minuten lahmzulegen, hat das eine ganz andere Dimension. Und diese Aktionen des zivilen Ungehorsams sind für uns legitim; sie werden auch offen angekündigt, denn schließlich geht um die Herausforderungen der Zukunft.

Der Schutz von Umwelt und Natur ist nicht verhandelbar. In diesem Jahr werden wir so viele sein, dass wir in einem Flächenkonzept die gesamte Kohleinfrastruktur mit unterschiedlichsten Aktionen behindern und verhindern werden. Wir bekämpfen die Klimakrise dort, wo sie befeuert wird.

Es wird vier Camps der Klimabewegung geben. Welche Ziele und Visionen sollen vom 24. Bis 29. August umgesetzt werden?

Wir sind Teil der weltweiten Bewegung gegen fossilen Kapitalismus und für Klimagerechtigkeit. Wir streiten für eine basisdemokratische und dezentrale Energiewende von unten, dazu gehört ebenfalls der Stopp von Fracking in Brasilien, vom Bau von Pipelines in den USA, vom Betrieb von Kohlehäfen in Australien, von Ölbohrungen in Nigeria sowie dem Bau von Kohlekraftwerken in Indien.

Die rücksichtlose Inwertsetzung aller Wesen und die damit verbundenen Unterdrückungs-mechanismen gilt es außer Kraft zu setzen und dies ist ohne die Überwindung des Kapitalismus nicht möglich. Gerade die Camps zeigen eindrucksvoll, dass dies möglich ist. Hier werden Utopien von morgen konkret umgesetzt.

Wie geht nach der heißen Phase im August weiter?

Der nächste Weltklimagipfel findet im November in Bonn statt, das heißt in unmittelbarer Nachbarschaft des Rheinischen Braunkohlereviers. Um während den Klimaverhandlungen ein starkes Zeichen zu setzen, geht es im November zurück in die Grube, um zu zeigen, wo tatsächlich über das Klima verhandelt wird.

Marie Blum

Über Marie Blum

Marie Blum schreibt für Lokalzeitungen über historische und aktuelle Themen. Sie ist regelmäßige Besucherin beim Open Ohr. Immer bedächtig, oft gechillt und selten fuchsteufelswild geht sie ihren Themen nach – und gibt nie auf.

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