Kolonialismuskritische Filmvorführung ausverkauft

Szene aus "Der Schamane und die Schlange". Mamm Medellin | CC BY-NC

„Wem gehört die Welt?“ Dieser Frage hat am Montag eine Veranstaltungsreihe vom Weltladen Unterwegs begonnen. Im ausverkauften Kinosaal des Programmkinos Palatin begrüßen Julian Schroeder (Weltladen) und der Ethnologe Godwin Kornes das Publikum zur Filmvorführung von Der Schamane und die Schlange. „Der Film verdeutlicht die Kontinuität der Gewalt des Kolonialismus“, unterstreicht Kornes die politische Bedeutung des Oskar-nominierten Films von 2015.

Der dritte Film von Regisseur Ciro Guerra basiert auf den Tagebüchern des Ethnologen Theodor Koch-Grünberg und des Ethnobotanikers Evans Schultes. Er zeigt eindrücklich die koloniale Gewalt in Verbindung mit der Industrialisierung der Kautschukproduktion. Die Hauptfigur, der indigene Schamane Karamakate, trifft in verschiedenen Zeitebenen auf zwei weiße Forscher, die versuchen, Wissen über die indigenen Gruppen des Amazonas zu sammeln. In den Reisen durch das Amazonasgebiet zeigt der Film nicht nur die Misshandlungen und Gewalt der Kautschukproduzenten.

„Die weiße Wissenschaft führt nur zu Gewalt und Tod“

Er konfrontiert das Publikum auch mit der christlichen Missionierung, die auf die vollständige Assimilation indigener Kinder abzielte. „Die Kirche legitimierte die Missionierung, Ausbeutung, Versklavung und den Massenmord durch eine Erzählung von Sünden, Hexerei und Kannibalismus“, wie Kornes ergänzt. In der Tat behandelt der Film die Wirkung von Narrativen. Die christlichen Erzählungen kommen dabei nicht gut weg – genauso wie die wissenschaftlichen Erzählungen der europäischen Forscher.

„Es wäre verkürzt, die Ethnologie mit dem Kolonialismus gleichzusetzen“, so der Ethnologe von der Mainzer Universität. Zwar habe die Ethnologie Wissen geschaffen, das für die Ausübung von Herrschaft eingesetzt wurde. Dennoch, so gibt Kornes zu Bedenken, hätten Ethnolog_innen sich oft in einer Position zwischen der Herrschaftskultur und indigenen Bevölkerungen befunden.

Der Film selbst wird hier deutlicher: „Die weiße Wissenschaft führt nur zu Gewalt und Tod“, sagt die Hauptfigur an einer Stelle zu einem der weißen Forscher. Der Schamane und die Schlange war ein gelungener Auftakt zu einer spannenden Veranstaltungsreihe. Anfang November geht es weiter mit einem Film über den Konflikt in Nordirland.

Dennis Firmansyah

Über Dennis Firmansyah

Dennis Firmansyah hat die Zwischenzeit 2013 mitbegründet und 2016 die Herausgeberschaft und Chefredaktion übernommen. Seine Themen sind Migrationspolitik, Recht auf Stadt und Regionalgeschichte. Neben der Zwischenzeit veröffentlicht er auch bei der Jungle World, Direkte Aktion und Graswurzel Revolution.

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