Kreatives Wirtschaften?

Zwischennutzung ohne Miete

Wird hier etwa ohne Miete zwischengenutzt? Die Polizei schaut nach. Squat Mainz | CC BY-NC-SA

Ortstermin in der Mainzer Neustadt: Die Schnittstelle 5 feiert Weihnachten, ein Verein zur Vermittlung von Leerstand an Raumsuchende. Oliver, Nicola, Gregor, Benjamin und Arne, 5 ehemalige Mainzer Geographie-Studies um die 30, haben die Schnittstelle gegründet. Sie wollen einem Problem begegnen, dass es nicht nur in Mainz gibt: Das Missverhältnis von Kreativprojekten ohne Raum zu Räumen ohne Nutzer_innen. Heute bin ich hier, um mich mit Ihnen über die Geschichte ihres Vereins zu unterhalten.

Als ich ankomme, ist es kalt und der Wind pfeift vorbei am Kirschgarten 1, wo die Initiator_innen der Schnittstelle 5 ein kleines Ladenbüro angemietet haben. Davor stehen ein paar Menschen, Glühwein und Weihnachtsgebäck gibt es auch – natürlich gegen Spenden, denn bei der Schnittstelle 5 arbeiten alle ehrenamtlich mit. So auch Julia (26), die mir ein Glas Glühwein ausschenkt. Die ehemalige Publizistik-Studentin erzählt mir, dass sie hier ab und an mithilft, wenn es ein bisschen mehr zu tun gibt. Sonst schreibt sie gelegentlich für die Mainzer Allgemeine Zeitung.

Bald treffe ich Gregor, einen der drei, die vom Gründungsteam noch in Mainz sind. Als dann auch noch Nicola und Oliver ankommen, haben die drei etwas Zeit für mich. Als erstes erfahre ich von Nicola, wie es im Sommer 2011 begann mit der Schnittstelle 5. Damals studierten die Gründer_innen alle noch Geographie an der Mainzer Universität. In einem gemeinsam besuchten Seminar über Stadtentwicklung begeisterten sie sich für das Konzept der Zwischennutzung, das an anderen Orten wie Berlin, Bremen oder Leipzig bereits zum Einsatz kam oder kommt.

„Wir bekommen viel zu wenig Raumangebote, da haben wir uns von der Stadt größere Unterstützung erhofft. Doch da herrscht im Moment, offen gesagt, Funkstille.“

Bei der Zwischennutzung sollen Eigentümer_innen von Gebäuden mit Raumsuchenden zusammengebracht werden, die dann eine begrenzte Zeit lang Räume zur Nutzung erhalten. Wer denkt, dass es dabei nur um künstlerische Projekte oder Kulturvereine ohne kommerzielles Interesse geht, hat sich aber getäuscht. Wie mir Oliver erklärt, sind es vor allem immer wieder aufstrebende Leute aus der „Kreativbranche“, die nach günstigen Räumen für Büros suchen.

Im Moment noch, Mitte Dezember 2013, läuft es für die Schnittstelle 5 aber nicht so gut: Nach der offiziellen Eröffnung im vorangegangenen Mai haben die Ehrenamtlichen von der Zwischennutzungsagentur zwar viele Anfragen, aber wenig nutzbaren Raum vorzuzeigen. „Wir bekommen viel zu wenig Raumangebote, da haben wir uns von der Stadt eine bessere Zusammenarbeit erhofft. Doch da herrscht im Moment, offen gesagt, Funkstille.“, fasst Oliver etwas missmutig zusammen.

Vom verantwortlichen Kulturdezernat fehle gerade jegliche Unterstützung, klagt Oliver. Trotz mehrfacher Nachfragen gibt es keine Hilfe bei der Öffentlichkeitsarbeit, die Stadt teilt ihre eigenen Leerstände nicht mit, finanzielle Unterstützung gibt es auch keine. Auf die Anregung, einen „Lenkungsausschuss“ einzurichten, ein Koordinationgremium zwischen Stadt, Schnittstelle und Eigentümern, gab es keine Reaktion.

Einzig das Büro im Kirschgarten 1 hatte die Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD) von der städtischen Mainzer Wohnbau vermittelt – im Gegenzug für einen Sponsoringvertrag, der die Schnittstelle zur Werbung für die Wohnbau verpflichtet. So kommen die Ehrenamtlichen von der Zwischennutzungsagentur um die 800 Euro Miete herum. Und woher sollten sie die auch nehmen?

„Die Stadt ließ lange auf sich warten, dann ging alles Schlag auf Schlag.“

Doch es war ein langer Weg für die Schnittstelle 5, überhaupt bis zur offiziellen Gründung zu kommen. Nikola erzählt mir, dass zwischen den einzelnen Antworten und Treffen mit dem Kulturdezernat viele Monate lagen. Erst nach über einem Jahr zeigte die Stadt plötzlich Interesse – da war das Thema Raumnot gerade mit einer Hausbesetzung in der Mainzer Oberen Austraße 7 und großen Getöse auf der stadtpolitischen Agenda aufgetaucht und nicht einfach kleinzureden.

Plötzlich wurde dann auch die Kulturdezernentin aufmerksam: „Das ging dann alles Schlag auf Schlag“, erinnert sich Nikola. Auf einmal feierte auch Marianne Grosse die Idee, dass ein Zwischennutzungsagentur her muss, und die Gründer_innen der Schnittstelle wurden auf ein Treffen der „AG Freiräume für Kultur“ eingeladen. Dort brachte Grosse sie dann auch mit dem Leiter der Mainzer Wohnbau, Thomas Will, in Kontakt. Das zeitliche Zusammenfallen der Einladung zur AG und der Besetzung sei natürlich nur ein Zufall gewesen, lässt sich dazu Grosse vernehmen – genauso wie der Titel „Freiräume für Kultur“, der den Forderungen der Besetzer_innen entnommen scheint.

Das Protokoll des Treffens, bei dem auch etliche Mainzer Ortsvorsteher_innen und Kreative eingeladen waren, und des vorherigen, ersten Treffens der Arbeitsgruppe liegt der Zwischenzeit vor. Aus den Dokumenten geht vor dem Hintergrund der Ereignisse rund um die Besetzung in der Oberen Austraße deutlich hervor, welchem Handlungsdruck sich die Kulturdezernentin offenbar ausgesetzt sah.

„Frau Grosse erläutert, dass die Kreativwirtschaft auch in Mainz ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, der die Einwohner an ihre Stadt bindet.“

In den Protokollen heißt es daher auch: „Sie [Marianna Grosse, Anm.d.Red.] erklärt, dass die derzeitige Stimmung zum Thema Leerstände genutzt werden muss, um die positive Entwicklung auszubauen.“ Finanzielle Mittel möchte sie jedoch, wie sie dort deutlich macht, für eine Zwischennutzungsagentur nicht zur Verfügung stellen. Dafür befürwortet sie eine „Imagekampagne“, die Mainz als dynamischen Kulturstandort darstellen soll. „Frau Grosse erläutert, dass die Kreativwirtschaft auch in Mainz ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, der die Einwohner an ihre Stadt bindet.“

Nun also ist die Zwischennutzungsagentur gefragt – mehr wegen der Wirtschaft, weniger wegen dem Kreativ, das der Schnittstelle 5 eigentlich ein wichtiges Anliegen ist. In der städtischen Verwaltung wird aber zeitgemäß pragmatisch gedacht, und das heißt vor allem, das Leben in der Stadt unter unternehmerischen Gesichtspunkten zu behandeln. Die Idee einer Zwischennutzungsagentur kommt hier gerade recht: Hier bietet sich eine Gelegenheit, den Aufruhr der Besetzung zu beschwichtigen und nutzbringend umzulenken. Dass dabei von einem nicht zuletzt auf Kreativität und Befreiung gerichteten Gedanken nicht mehr als der Standortfaktor übrig bleibt, wird zur Randnotiz.

Doch was heißt das, eine pragmatische, unternehmerische Stadtpolitik zu verfolgen? Und wie kommt hier die Zwischennutzung zum Tragen? Ich beschließe, mich an einen Experten zu wenden, und stelle meine Fragen an Sebastian Schipper, promovierter Humangeograph an der Uni Frankfurt, der sich kritisch mit dem Konzept der sogenannten Unternehmerischen Stadt auseinandersetzt. Schipper erklärt mir, dass gemäß einem neoliberalen Politikverständnis ein Standortwettbewerb zwischen Städten durchaus wünschenswert ist. „Die Förderung der Kreativwirtschaft passt in die neoliberale Logik der Konkurrenz der Städte und vor allem kostet es die damit verbundene Politik so gut wie nichts.“ knüpft Schipper an.

„Am Beispiel Berlin sehen wir, wie die künstlerische Zwischennutzung zur Aufwertung der Nachbarschaft beitragen kann und somit zu höheren Immobilienpreisen, Mieten, etc. führt.“

„Hier war die Förderung von unkommerzieller Kultur wahrscheinlich nie vorgesehen. Am Beispiel Berlin sehen wir, wie die künstlerische Zwischennutzung zur Aufwertung der Nachbarschaft beitragen kann und somit zu höheren Immobilienpreisen, Mieten, etc. führt. Die Zwischennutzung treibt also Gentrifizierung voran“, so Schipper weiter. Letztlich gewinnen beim Zwischennutzungskonzept also vor allem die Immobilien-Eigentümer_innen. Das geschieht aber nicht nur indirekt durch Aufwertung der Nachbarschaft, sondern ein Gewinn kann auch das unmittelbare Resultat einer Nutzung sein – wenn beispielsweise eine Künstlerin die Wände neu streicht, eine Bürogemeinschaft den defekten Heizkörper repariert oder die Nutzer_innen durch ihre bloße Anwesenheit Verfall und Vandalismus verhindern.

Im Zuge der Einrichtung der Zwischennutzungsagentur profitiert auch die Mainzer Wohnbau. Die Zusammenarbeit mit der Schnittstelle verschafft dem Unternehmen einen Imagebonus, so der Geschäftsführer Thomas Will. Dazu trägt nicht zuletzt das Sponsoring bei, zu dem sich die Schnittstelle vertraglich verpflichten musste, um sich die eigenen Räume leisten zu können. Wie Will berichtet, müssen die Raumvermittler_innen auf ihrer Webseite, auf Veranstaltungen, und auf allen gedruckten Veröffentlichungen für die Wohnbau zu werben. Die knabbert immer noch an den Folgen hochriskanter Derivatgeschäfte, die im Jahr 2009 hohe Schulden von 820 Millionen Euro und einen großen Imageverlust für das städtische Unternehmen zur Folge hatten.

Damals wurde ein Großteil der Beschäftigten der Wohnbau entlassen, und auf Anraten der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers hin die Mieten in vielen Sozialwohnungen um das gesetzlich mögliche Maximum erhöht. Laut Will unumgängliche Maßnahmen, doch ganz offenbar wenig mit dem Auftrag der Wohnbau – dem sozialen Wohnungsbau – vereinbar. Und weil die Kassen immer noch leer sind, wird auch die Schnittstelle 5 laut Vertrag ihre Räumlichkeiten zu gegebener Zeit zugunsten einer zahlungskräftigeren Klientel verlassen müssen.

Finanziell profitieren vor allem Immobilienbesitzer_innen von der Zwischennutzung, die ihre Rendite maximieren wollen.

Wie auch viele andere Zwischennutzer_innen. Diese neue Flexibilität ermöglicht den Eigentümer_innen der jeweiligen Immobilien größeren Spielraum bei der Vermietung und verschafft ihnen oft eine höhere Rendite, indem auch in Abwesenheit einer zahlungskräftigen Kundschaft der Raum nicht unprofitabel verfällt. Daher trägt die Zwischennutzung vielmals dazu bei, die Gewinne von Immobilieneigentum im innerstädtischen Raum zu erhöhen. Leidtragend sind letztlich die Anwohner_innen, die mit steigenden Mieten zu kämpfen haben, wie auch all die Initiativen ohne kommerzielles Interesse, die am Ende einer Zwischennutzung wieder auf der Straße stehen.

Doch ist eine solch einseitige Klientelvertretung tatsächlich im Sinne der Stadtpolitik? Ich beschließe daher, auch noch die Kulturdezernentin zu treffen, die sich noch vor einem Jahr so begeistert für die Zwischennutzungsagentur ausgesprochen hatte. Bald kommt ein Interviewtermin zustande, im lichten, mehr als 40 Quadratmeter großen Büro von Marianne Grosse mit Blick über die Altstadt. Dort erfahre ich dann unter anderem, dass die Kreativwirtschaft erklärtermaßen eine wichtige Größe in der Mainzer Kulturpolitik ist. Auch, dass finanziell von der Zwischennutzung vor allem die Hauseigentümer_innen und Investor_innen profitieren, bestätigt mir die Kulturdezernentin im Gespräch.

Hier könnte eine Stadtpolitik eingreifen, die die Spekulation mit Wohnraum verhindert oder eine Mietpreisdeckelung beschließt, begleitet von der zielgerichteten Subventionierung unkommerzieller Initiativen. Doch Räume seitens der Stadt bietet Frau Grosse keine an, das nötige Geld  für finanzielle Zuwendungen fehlt angeblich ebenso. Eine Politik, die unkommerzielle Projekte fördert und Gentrifizierung ausbremst, scheitert aber auch gar nicht an den finanziellen Mitteln. Schließlich beläuft sich der Kulturposten im städtischen Haushalt derzeit immer noch auf etwa 20 Millionen Euro. Vielmehr spiegelt die dortige Verteilung der Ausgaben eine Politik wieder, die auf etablierte „Leuchtturmprojekte“ wie das Staatstheater setzt, um Mainz als hippe Kulturstadt positionieren zu können, statt eine Kultur von unten, jenseits des kommerziellen Mainstream zu fördern.

Für die Kulturdezernent_in zumindest scheint hier das Thema „Freiräume für Kultur“ mit der Schnittstelle 5 vorerst abgehakt. So finden dann auch nach den zwei ersten Treffen der Arbeitsgruppe keine weiteren mehr statt. Für die Zukunft ist das Ende der AG beschlossen. Auch nach ihrer Gründung musste das Team aus der Schnittstelle 5 lange warten, bis aus dem Kulturdezernat eine erste Antwort auf ihre Unterstützungsgesuche erging. Und vergeblich beklagten sich die Besetzer_innen aus der Oberen Austraße, dass ihr Verlangen nach einem Freiraum – unkommerziell, selbstverwaltet, herrschaftsfrei – als kurzer Marketing-Gag der Stadtverwaltung enden sollte.

Erst einmal geht nun etwas Zeit ins Land, und für einen erneuten Interviewtermin stehen die Engagierten von der Schnittstelle 5 vorerst nicht zur Verfügung, da sie selbst mit Arbeit ausgelastet sind. Doch Mitte März kann ich sie wieder treffen, diesmal zu einem sehr ausführlichen Gespräch, indem ich ihnen meine Erkenntnisse vorstellen will. Sehen sich die Raumvermittler_innen selbst in dem Kontext von Aufwertung und Gentrifizierung, indem sie zunächst zu stehen scheinen? Wie stellen sie sich zu ihrer Rolle, die ihnen die Kulturdezernentin zugedacht zu haben scheint? Und wie verlief die weitere Zusammenarbeit mit der Stadt, seit ich die Schnittstelle 5 das letzte Mal im Dezember besucht habe?

„Mit einer Mietpreisdeckelung kann die Stadt ganz einfach eingreifen.“

Eine Verbindung zwischen ihrer Initiative und Gentrifizierung in Mainz zumindest wollen Gregor, Oliver und Nicola nicht ziehen. Zu unbedeutend sei das Phänomen in Mainz derzeit noch, zu gering der hiesige Zusammenhang zwischen Kulturschaffenden als Aufwerter_innen und tatsächlichen Mietpreissteigerungen. Gregor verweist hier darauf, dass es – gerade in Mainz – doch viel öfter der Neubau von hochpreisigen Immobilien ist, wie sie gerade erst am Winterhafen entstanden sind, der die Aufwertungsspirale in Gang setzt, nicht die „lumpige Zwischennutzung um die Ecke“. Die These von den Künstler_innen, die die Gentrifizierung vorantreiben, sei auch nicht mehr ganz aktuell und oft zu pauschal angewendet worden.

Dass es aber vor allem Kulturschaffende und Anwohner_innen sind, die unter der Gentrifizierung leiden, sieht er auch. Wenn es aber gegen die Mietsteigerung geht, die die Aufwertung von innerstädtischem Raum zur Folge hat, wollen die drei Aktiven der Zwischennutzungsagentur aber die Stadtpolitik fordern. „Mit einer Mietpreisdeckelung kann die Stadt ganz einfach eingreifen.“, nennt Nicola ein Beispiel für ein stadtpolitisches Gegenmittel. Und wer sollte denn sonst verantwortlich sein als die Stadtpolitik? „Wie sollten wir selbst denn die Mieten bremsen?“, so drückt Gregor das aus.

In der Schnittstelle herrscht also durchaus Bewusstsein für die Problematik, die mit der Zwischennutzung einhergehen kann. So nehmen die drei dort auch nicht jedes Gesuch an, wenn es ihnen gar zu offen kommerzig erscheint. Wie sie selbst sagen, ist es primär ihre Absicht, kulturelle und soziale Projekte als Bereicherung für die städtische Gesellschaft zu unterstützen – dieser Anspruch deckt sich auch gut mit ihren jüngsten Vermittlungserfolgen. Auch sei eigentlich nicht die Zwischennutzung, sondern eine dauerhafte Vermittlung von günstigem Raum das Ziel. Dabei arbeiten Nicola, Oliver und Gregor aber auch mal mit SPD, CDU, oder den Grünen zusammen, wenn das ihrem Thema Auftrieb verleiht, beispielsweise bei Stadtrundgängen zum Thema Leerstand. Sie fühlen sich aber nicht an eine bestimmte Partei gebunden.

Ob diese Politik der Offenheit in fast jede Richtung nun zielführend ist, darüber kann wohl gestritten werden. Im Vordergrund zumindest stehe in der Schnittstelle 5 die Bereicherung gesellschaftlichen Lebens, deren weitere Auswirkungen und Zusammenhängen werden als unproblematisch bewertet. Folglich nimmt mensch dort die Zusammenarbeit mit dem politischen Betrieb, der die beklagenswerten Verhältnisse erst ermöglicht, eher locker. Schließlich müssten alle Möglichkeiten genutzt werden, um Leerstand zu verhindern, und Abriss und teurer Neubau trügen ja auch nicht gerade zur Mietsenkung bei. Daher denken die drei von der Zwischennutzungsagentur auch über eine Zusammenarbeit mit dem Recht-auf-Stadt-Bündnis nach, das die letzte Nachttanzdemo in Mainz organisiert hat.

Der Erfolg einer Politik der Offenheit gegenüber fast allen Akteuren scheint ungewiss.

Es ist nicht gewiss, ob eine solche Anfrage von Seiten dieses Bündnisses auf viel Gegenliebe stoßen würde, zumal dort eine Zusammenarbeit mit den etablierten Parteien, erst recht CDU und SPD ein Tabu ist. Auch die Mainzer Hausbesetzungsszene wäre wohl wenig angetan von irgendeiner Arbeit gemeinsam mit der Regierung, die im Sommer 2012 ihre innig geliebte Obere Austraße 7 räumen und einebnen ließ. Ganz zu schweigen davon, dass die gleiche Stadtregierung veranlasste, dass die Unterstützer_innen des Projekts immer noch mit rechtlichen Repressalien überzogen werden.

Mit der Stadt hingegen funktioniert die gemeinsame Arbeit für die Schnittstelle 5 nun wieder besser: Nach zwei weiteren Treffen und einem Gespräch mit Marianne Grosse hatten die Aktiven der Schnittstelle dort ihre Unzufriedenheit erfolgreich vermitteln können. Nun soll der gewünschte „Lenkungsausschuss“ bald eingerichtet werden, eine Kooperation mit dem städtischen Liegenschaftsamt anlaufen. Denn bereits jetzt kann sich das Dreiergespann von der Schnittstelle vor Nutzungsanfragen und Arbeit kaum retten – es besteht offenbar immer noch ein großer Bedarf nach unkommerziellen, billigen Räumen in Mainz. Ob die Agentur diesem Anspruch wohl gewachsen sein wird? Irgendwann werden sich ihre Betreiber_innen wohl klarer positionieren müssen, um über diese Frage zu entscheiden.

Jan Zombik

Über Jan Zombik

Jan Zombik macht gerne Journalismus: Für alle, für die Leute, für die Politik, für die Freiheit. Wenn er gerade nicht journaliert oder philosophiert, dann musiziert er vielleicht. Anzutreffen ist er in der Regel vor seinem Bildschirm, an dem er etwas schreibt. Wenn ihr Jan etwas gutes tun wollt, dann flößt ihm beruhigenden Rooibos-Erdbeer-Sahne-Tee ein oder spendet ein paar Eurönchen für die Zwischenzeit.

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