Mainzer Kriegskranz zerstückelt

Hand mit Arbeitshandschuh wirft Grünzeugreste in eine Biotonne; dahinter Banner und Kranz erkennbar.

Ab in die (Bio-)Tonne: Da gehört Kriegsverherrlichung auch hin. Jan Zombik | CC BY-NC-SA

Jedes Jahr das gleiche unwürdige Schauspiel: Am Volkstrauertag hinterlässt die Stadt Mainz einen Kranz des Oberbürgermeister Michael Ebling am Kriegsmarineehrenmal am Fischtorplatz. Über den Protest gegen das kriegsverherrlichende Ritual an dem Nazi-Denkmal hatten wir schon mehrfach berichtet. Geändert hat sich nichts. Auch dieses Jahr hängt der Kranz wieder da – oder besser hing, denn erneut hat Friedensaktivist Hans ihn entfernt.

Vergangenes Jahr brachte er den Kranz zusammen mit einem erklärenden Brief dem OB ins Büro. Hans‘ Forderung: Die jährlichen Kranzniederlegungen müssen ein Ende haben, weil sie am Kriegsmarineehrenmal kein Totengedenken, sondern eine Heldenehrung für Soldaten – Täter und Mörder – sind. Das macht die Inschrift klar, die die Nazis am Denkmal zum Untergang des kaiserlichen Kriegsschiffs SMS Mainz angebrachten haben: „Den Gefallenen zum Gedenken. Den Lebenden zur Anerkennung. Zukünftigen Geschlechtern zur Nacheiferung.“

Denkt Oberbürgermeister Ebling, dass Soldaten Vorbilder sind?

Denkt Ebling also, dass Soldaten Vorbilder sind? Zumindest ist das die Botschaft, die der Kranz vermittelt. Deshalb hat Hans den Kranz Ende letzter Woche weggeschafft. Heute bin ich zu Besuch bei ihm im Garten, wo der nächste Schritt folgt: die Zerstückelung! Hans hat bereits die passende Kulisse aufgebaut, einen Banner der DFG-VK, eine Friedensfahne und ein großes Papier mit der Aufschrift „Krieg ist scheiße!“ Davor zerlegt er den Kranz mit Zange und Schere, um ihn anschließend fachgerecht zu entsorgen. Das Grünzeug kommt in die Biotonne („Auch die Fäden, die sind aus Baumwolle!“), die rote Schleife des Stadtoberen Ebling in den Wertstoffsack, Drähte ins Altmetall. Währenddessen erzählt Hans, wie es nun weitergehen soll.

Auf einem Treffen mit anderen Friedensbewegten hatte Ebling nämlich bereits Zustimmung gezeigt, am Kriegsdenkmal eine Plakette oder Stele anbringen zu lassen, die die Herkunft des Denkmals erklärt. Den Kranz will er trotzdem wieder aufhängen. Bloße Beliebigkeit, wie Hans findet: „Das ist doch nicht konsequent. Erklärung hin oder her bleibt das ein Kriegsdenkmal, und ein Gedenken an die Menschen, die im Krieg gestorben sind, ist da nicht möglich. Selbst wenn ich die Stele für angemessen halte.“ Wird sich der Oberbürgermeister noch umentscheiden und auf den Kranz verzichten? Falls nicht, will zumindest Hans konsequent bleiben und plant abermals eine Fortsetzung der Aktion – mit „verschärften Mitteln“.

Kaspar Skwatten

Über Kaspar Skwatten

Vor etwa einem Jahr tauchte Kaspar Skwatten in Mainz auf: Müde von der Reise beschloss der gelernte Gärtner, der schon viel herumgekommen war, sich auf ein neues Arbeitsfeld einzulassen und fand schnell neue journalistische Freunde. Nun schreibt er für die Zwischenzeit und beschäftigt sich vor allem mit dem Thema Rassismus.

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