Massengrab Mittelmeer

Die Demonstration zieht vorrüber und ein Demonstrant trägt ein Schild mit der Aufschrift:

Das Grenzregime der EU ist tödlich: Das macht dieser Demonstrant klar. Sebastian Wolf | CC BY-NC-SA

„Ich finde es schrecklich, dass 700 Menschen im Mittelmeer sterben mussten“, sagt mir eine Aktivistin auf der Straße vor dem Bahnhof. 80 Menschen haben sich hier zusammengefunden, um gegen die tödliche EU-Grenzpolitik zu demonstrieren, nachdem in der Nacht zum Sonntag ein Boot vor der lybischen Küste gekentert ist. „Jeder Einzelne, der dort ertrunken ist, könnte genauso gut einer von uns sein.“ Die Demonstration setzt sich in Bewegung, verlässt den Bahnhof und zieht am Münsterplatz vorbei auf die Große Bleiche. „Du kannst schreiben, dass ich auch geflohen bin, ich bin eine ehemalige Asylantin!“ ruft mir die junge Frau zu.

Zacharias hat von der Demo zufällig erfahren, die Banner und Schilder gesehen, auf denen „Rassismus tötet“ oder „Die EU mordet“ geschrieben steht. Er habe sich über die Berichterstattung in den Medien geärgert, die „den Schleusern das Handwerk legen“ will. Es gehe darum, die Festung Europa einzureißen, um auf ihren Trümmern eine solidarische Gesellschaft zu bauen. „Während wir sprechen, ist der Sturm auf die Festung im Gange. Stell dir vor, dass gerade jetzt Refugees am Ärmelkanal in LKWs einsteigen, in den Lagern außerhalb von Melilla den nächsten Sturm auf den Grenzzaun vorbereiten oder Aktivist_innen mit Bolzenschneidern Löcher in die Zäune der Abschiebeknäste schneiden.“

Die EU-Politik tötet und dabei können wir nicht zusehen

Die Demonstration erreicht den Rhein, wo die Gruppe mittels der „Human Mic“-Technik eine Rede verstärkt. Dabei wiederholen die Demonstrant_innen mit ihren eigenen Stimmen die Rede eines Aktivisten. „Liebe Leute am Rhein. Es sind 700 Menschen im Mittelmeer gestorben. Die EU-Politik tötet und dabei können wir nicht zusehen.“ Der Redner macht auf die Platz Da?! Aktionswoche aufmerksam, die bereits vorgestern begonnen hat. Einige Aktivist_innen verteilen Flyer an die Menschen, die am Rhein sitzen, lesen und sich unterhalten.

Als sich die Demonstration zerstreut, spreche ich mit einer Lokalpolitikerin. Sie kann nicht verstehen, warum Fluchthelfer_innen „Schlepper“ genannt werden sollen und sieht die EU-Politik in der Pflicht, mehr legale Wege der Einreise zu schaffen. Die Arbeit auf der Lokalebene in Mainz frustriert sie oft. Es sei endlich Zeit für wirkliche Politik. In den Ausschüssen oder im Stadtrat fänden keine Debatten statt. Die Mehrheit der Funktionsträger_innen schachere im Hinterzimmer, um daraufhin fertig abgestimmte Positionen zu präsentieren. „Das ist alles eine große Verarsche.“

Dennis Firmansyah

Über Dennis Firmansyah

Dennis Firmansyah hat die Zwischenzeit 2013 mitbegründet und 2016 die Herausgeberschaft und Chefredaktion übernommen. Seine Themen sind Migrationspolitik, Recht auf Stadt und Regionalgeschichte. Neben der Zwischenzeit veröffentlicht er auch bei der Jungle World, Direkte Aktion und Graswurzel Revolution.

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