Merkurist wirbt für AfD

Nachrichtenseite, dahinter kommt ein blaues Wahlplakakat zum Vorschein

Wie neutral kann sein, wer für die AfD wirbt? Zwischenzeit | CC BY-NC-SA

Kurz vor der Bundestagswahl werben die Parteien kräftig. Auch im Internet grinsen die Bundestagskandidat*innen die User*innen an. Fragwürdig ist allerdings eine kürzlich veröffentlichte Wahlwerbung beim Merkurist. Dort wirbt die rechtspopulistische Partei AfD um Stimmen, präsentiert sich den User*innen der AfD-Spitzenkandidat Sebastian Münzenmaier. Ebenfalls sind dort Karsten Kühl für die SPD und Ursula Groden-Kranich von der CDU vertreten.

AfD-Werbung beim Merkurist (Quelle: Screenshot von merkurist.de am 18.9.)

Politische Einstellung sei unwichtig für Werbeeinnahmen

Auf eine Beschwerde des Facebook-Users Daniel, diese Werbung zu schalten, antwortet die Merkurist-Redaktion auf Facebook: „Wir finanzieren uns durch Werbung und haben uns dazu entschieden, auch offen für Wahlwerbung zu sein.“ Und weiter heißt es in dem Statement: „Bei uns können die Parteien werben, die zur demokratischen Bundestagswahl zugelassen sind – dazu gehört eben auch die AfD.“

Im Klartext bedeutet das: Solange die Anzeigekund*innen genug Geld für die Werbung aufbringen können, wird der Vertrieb des Merkurist diese auch zeigen – unabhängig von der politischen Einstellung. Der Verweis auf die Offenheit für alle zur Wahl zugelassenen Parteien stört Daniel und andere User*innen. Die Nachfrage, ob dann auch die NPD Werbung schalten könne, beantwortete die Redaktion bisher nicht.

Screenshot 2 bearbeitet

Statement vom Merkurist (Quelle: Screenshot von Facebook)

Grotesk – Wahlwerbung für die AfD

Daniel zieht daraus Konsequenzen. Er war monatelang Anzeigekunde bei Merkurist. Die Haltung der Redaktion kann er nicht nachvollziehen: „Dass der Merkurist dieser Partei eine Plattform bietet, ist für mich einfach nur grotesk. Die AfD, beziehungsweise deren Mitglieder sind eng mit der -GIDA Bewegung in diversen Städten verknüpft, die die deutschen Medien und deren Macher immer wieder als Lügenpresse bezeichnen, und teilweise davon sprechen, die journalistische Freiheit einschränken zu wollen.“

Dabei war Daniel zunächst begeistert von der Umsetzung des Merkurist. Die direkte Leser*innenbeteiligung durch Umfragen und Snips vermittelte einen Eindruck von medialer Demokratie. Er können dadurch mitentscheiden, worüber berichtet wird, erklärt Daniel. Als allerdings die Merkurist-Geschäftsleitung dazu bereit war, für „ein paar hundert Euro“ ihr „journalistisches Gewissen“ zu verkaufen, war Daniels Vertrauen in das junge Medium dahin. Die Antwort der Redaktion hat ihn enttäuscht.

Merkurist trägt zur Normalisierung der AfD bei

In dem Statement auf Facebook verspricht die Merkurist-Redaktion zwischen Vertrieb und redaktioneller Arbeit trennen zu können. Die Werbung habe keinen Einfluss auf die Berichterstattung, heißt es. Ob dieses Versprechen gehalten werden kann, werden künftige Artikel erst zeigen müssen. Welche Rolle Medien und Journalist*innen bei dem Erfolg der rechtspopulistischen Partei AfD spielen, wird bereits mehrfach diskutiert. Unstrittig ist, dass ein reichweitenstarkes Lokalmedium wie der Merkurist zur öffentlichen Normalisierung der AfD beiträgt, wenn er ihre Anzeigen wie die jeder anderen Partei erscheinen lässt. Daniel ist sich unsicher, ob die geschaltete Werbung bei Merkurist der AfD viele Stimmen bringen kann, dennoch meint er: „Und wenn du jetzt empfänglich für deren Parolen bist, kann natürlich auch Werbung beim Merkurist den Ausschlag geben.“

Ein Gedanke zu “Merkurist wirbt für AfD

  1. anne

    Die Reaktion auf einen Snip-Versuch von mir zu diesem Thema.
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    Hallo Anne,

    vielen Dank für Deinen Snip. Wir finanzieren uns durch Werbung und haben uns dazu entschieden, auch offen für Wahlwerbung zu sein. Dabei wollen wir nicht selektieren und nicht nur die Parteien zulassen, die unsere politischen Ansichten teilen. Bei uns können die Parteien werben, die zur demokratischen Bundestagswahl zugelassen sind – dazu gehört eben auch die AfD.

    Auf unsere Berichterstattung hat das keinen Einfluss, Vertrieb und Redaktion laufen bei uns getrennt. Der Vertrieb prüft den Inhalt der Werbeanzeigen, bevor sie veröffentlicht werden. Wir haben auch überlegt, unsere Position in einem Artikel zu erklären, aber das würde der AfD nur noch mehr (kostenlose) Aufmerksamkeit bringen.

    Viele Grüße und ein schönes Wochenende

    Anna Blazek
    Journalistin

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