Party, Punk und Politik

Ein Frau auf einem Sofa unter einem liest eine Broschüre über das Mainusch, neben ihr ein Hund träge auf dem Sofa lungernd. Überlagert wird das Bild von der Aufnahme einer Discokugel.

Fest evil? Mittags ist es ruhig auf dem Mainusch-Festival. Jan Zombik | CC BY-NC-SA

Staub und Hitze liegen über dem Haus Mainusch auf dem Mainzer Unicampus, als die Nacht längst vorbei ist und der neue Tag noch nicht ganz begonnen hat. Einige Gäste vom Vorabend, die noch ihren Rausch ausschlafen, liegen träge im Schatten. Neue Besucher*innen stromern über das Gelände, gespannt auf das Tagesprogramm oder einen Workshop. Es ist Festival – oder „Fest Evil“, wie die Organisator*innen das dreitägige Ereignis getauft haben, das noch bis Sonntag läuft. „Das Mainusch war schon immer ein Ort, wo viele Menschen und Subkulturen zusammenkommen. Das wollen wir noch mal deutlich machen“, kommentiert Frida, die das Festival mitorganisiert hat.

Musik von Punk bis Techno

Mit der Hilfe vieler Freiwilliger ist dabei ein diverses Programm herausgekommen. Online ist wenig darüber zu erfahren. Umso mehr Infos halten vor Ort das Programmheft und ein Reader bereit. Im Laufe dieses Wochendes verdichtet sich noch einmal die schillernde Mischung aus Subkultur und Party, Punk und Politik, die das Haus Mainusch so einzigartig machen. Die Organisator*innen des Festivals – oder „Fest Evils“, so der offiziell Titel – bieten alles auf: Techno, Reggae, Punk, Drum and Bass, Hiphop, Jäzz und Jamsessions sind angekündigt.

Neben tanz- und zuckbarer Musik sind aber auch etliche Vorträge und Workshops geplant. Das Soziotop „Punkstelle“ lädt alle Feiermüden zum verspielt-fröhlichen Lungern ein. Dazu serviert die Bar veganes Essen, Bier, Drinks und Shots. Die improvisierte bis trashige Deko des Festivals erzählt von der DIY-Kultur, die den Ort prägt.  Doch womöglich wird es das letzte Mal sein, dass ein solches Fest im Mainusch stattfindet. Das geschichtsträchtige Projekt ist gefährdet, nachdem die Universität den Mietvertrag für das Gebäude zum November nicht verlängert hat. Auch der angrenzende Wagenplatz wäre dann räumungsbedroht.

„Hoffen auf Unterstützung“

Bisher hat die Universitätsleitung den Aktiven im Mainusch noch keine Alternative geboten, die ebenso zentral gelegen ist und ein vergleichbares Platzangebot hat. Sollte es tatsächlich im kommenden Winter zu einer Räumung kommen, ginge nicht nur bezahlbarer Wohnraum, sondern auch ein einzigartiger Ort der Kultur mit einer langen Geschichte verloren. Welche kulturelle Bedeutung das Mainusch hat, zeigen nicht zuletzt Bandgrößen wie Green Day, die lange vor ihrem kommerziellen Erfolg im Mainusch aufgetreten sind. „Wir bieten hier allen möglichen Bands eine Bühne, die sie sonst nicht erhalten“, ist Frida stolz auf den abwechslungsreichen Veranstaltungskalender des Haus Mainusch.

Besonders macht das Haus Mainusch auch sein politische Selbstverständnis als linkes, autonomes Kulturprojekt. Dazu gehört, eine Atmosphäre des respektvollen Miteinanders zu schaffen. Auf dem Festival soll ein Awareness-Team dabei helfen, eine Sanigruppe Verletzte oder Zerfeierte versorgen. Offenbar geht das Konzept auf. „Bisher ging alles sehr friedlich und entspannt zu. Ich glaube, die Leute haben hier ziemlich viel Spaß und eine gute Zeit!“, freut sich Frida. Jetzt hofft Sie, dass weiterhin so viele Gäste das Festival besuchen werden. „Vielleicht bekommen wir dann auch die Unterstützung vom AstA und der Universität, die wir uns wünschen. Mindestens vom Kulturreferat hätten wir uns ein etwas finanzielle Hilfe für das Festival erhofft. Ein wenig Anerkennung und Akzeptanz hat das Mainusch schon verdient. Darauf wollen wir aufmerksam machen.“

Ungewisse Zukunft

Ob das Festival so erfolgreich wird, ist ungewiss. Das dem Mainusch gegenüberliegende Traditionswohnheim Inter 1 wurde bereits geräumt. Es war das älteste Wohnheim in Mainz, das Wohnen dort als einziges noch vom Bafög bezahlbar. Auf dem Gelände des Inter und des Mainusch soll das sogenannte Medienhaus entstehen. Die Bauarbeiten verzögern sich jedoch. Mehrfach hatten die ehemaligen Bewohner*innen des Inter zusammen mit den Kulturschaffenden im Mainusch und Bewohner*innen des Wagenplatzes gegen das Prestigeprojekt demonstriert. Bewegt haben sich Universität, Stadt und Land in der Sache jedoch nicht.

26.6.: Die Redaktion hat eine Richtigstellung erreicht. Demnach wurde das Kulturreferat des AStA zwar mehrfach um Unterstützung gebeten, hat jedoch nichts zum Festival beigetragen. Wir haben den Artikel daher aktualisiert.

Jan Zombik

Über Jan Zombik

Jan Zombik macht gerne Journalismus: Für alle, für die Leute, für die Politik, für die Freiheit. Wenn er gerade nicht journaliert oder philosophiert, dann musiziert er vielleicht. Anzutreffen ist er in der Regel vor seinem Bildschirm, an dem er etwas schreibt. Wenn ihr Jan etwas gutes tun wollt, dann flößt ihm beruhigenden Rooibos-Erdbeer-Sahne-Tee ein oder spendet ein paar Eurönchen für die Zwischenzeit.

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