Pegida die Meinung sagen

Eine wehende Antifa-Fahne vor einer Menschenmenge am Neubrunnenplatz in Mainz.

Antirassistische Kundgebung jüngst in Mainz. Jan Zombik | CC BY-NC-SA

Zwischenzeit: Du hast die heutige Kundgebung gegen den Auftritt von Tatjana Festerling bei der Burschenschaft Germania mitorganisiert. Was motiviert dich dazu?

Johann: Da gibt es mehrere Gründe. Einmal ist Frau Festerling als eine der Organisatorinnen von Pegida mitverantwortlich für die Hetze gegen Geflüchtete und Muslime in Deutschland. Leider ist Dresden zu weit weg von Mainz, um dort direkt gegen Pegida aufzutreten. Dadurch, dass Festerling nun hierher kommt, kann mensch ihr doch die Meinung sagen. Wichtig ist auch, zu wem sie kommt. Nämlich zu einer rechtsradikalen Burschenschaft in Mainz, die schon lange vielen Antifaschist*innen ein Dorn im Auge ist. So kann mensch gleich gegen zwei üble Gruppen demonstrieren.

Nun ist Akif Pirinçci kaum weniger übel als Festerling und hat die Burschies auch schon mal besucht, ohne dass es große Proteste gegeben hätte. Warum gerade jetzt die Kundgebung?

Pegida ist ein sehr emotionales Thema, das in den letzten Wochen und Monaten extrem viel Aufsehen erregt hat. Nach einer Flaute im Sommer haben es die Veranstalter*innen geschafft, vergangenen Montag wieder zehntausend Menschen auf die Straße zu bringen. Seit Pegida nehmen die Anschläge auf Refugees in einem erschreckenden Ausmaß zu. Pirinçci ist zwar ein Hetzer und Aufwiegler, wie es ihn in Deutschland kaum ein zweites Mal gibt, aber er hat lange keine so große Reichweite wie Pegida.

Auf Facebook haben sich schon mehr als 1100 Menschen für den Protest angemeldet. Mit wie vielen Teilnehmer*innen rechnest du?

Ich denk schon, dass mehr als 900 Menschen da sein werden. Das ist so ein Erfahrungswert: Meistens kommen etwa dreiviertel der Facebookzusagen, und dann noch die, die nicht zugesagt haben, weil sie kein Facebook haben oder die Gästeliste offen einsehbar ist.

Wie hat sich die Polizei bisher zur der Mobilisierung gegen den Aufmarsch verhalten? Denkst du, dass es ein hartes Vorgehen gegen die Demonstrant*innen geben wird?

Durch den Angriff auf das Germania-Haus am Wochenende ist die Polizei vorsichtig und wird wohl mehr Kräfte vor Ort versammeln. Es wurde uns aber signalisiert, dass die Veranstaltung von Seiten der Stadt wohlwollend aufgenommen wird. Wir hoffen, dass beide Seiten friedlich und deeskalierend agieren. Das erspart uns und der Polizei viel Stress.

Warum sollte die Gegenkundgebung der Polizei Stress ersparen wollen? Ist die Polizei nicht auch Teil einer rassistischen Gesellschaft, wenn sie eine Naziveranstaltung schützt, aber tägliche Anschläge auf Geflüchtetenheime nicht verhindert?

Der Polizei muss kritisiert werden, vor allem im öffentlichen Diskurs über rassistische Gewalt und rechten Terror. Diese Kritik sollte sich auch gegen die Polizei vor Ort richten. Dazu gehören meiner Meinung nach alle Mittel des zivilen Ungehorsams. Offensive Gewaltanwendung gegen die Polizisten heute könnte unser Sache aber erheblich schaden. Ich sehe hier das Problem, dass ein solches Vorgehen vor allem zu Debatten über vermeintliche ‚linksextreme‘ Gewalt führt und ähnlich wie bei Blockupy das eigentliche Thema in der öffentlichen Wahrnehmung in den Hintergrund rückt.

Es hat in den vergangenen Tagen schon zwei Aktionen gegen das Haus gegeben: Einen Angriff von einer größeren Antifa-Gruppe und eine Spray- und Farbaktion gegen die Außenmauer. Wie siehst du die Aktionen?

Dazu will ich mich nicht äußern.

Vielen Dank für das Interview, Johann!

Jan Zombik

Über Jan Zombik

Jan Zombik macht gerne Journalismus: Für alle, für die Leute, für die Politik, für die Freiheit. Wenn er gerade nicht journaliert oder philosophiert, dann musiziert er vielleicht. Anzutreffen ist er in der Regel vor seinem Bildschirm, an dem er etwas schreibt. Wenn ihr Jan etwas gutes tun wollt, dann flößt ihm beruhigenden Rooibos-Erdbeer-Sahne-Tee ein oder spendet ein paar Eurönchen für die Zwischenzeit.

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