Trouble on the Far Right

Buch mit Brille und Teetasse.

Wir gucken genau hin: Das Buch mit Brille neben Teetasse und Kerzenständer. Zwischenzeit | CC BY-NC-SA

Die Rechte in Europa versammelt sich im Europäischen Parlament in drei Fraktionen und einigen fraktionslosen Abgeordneten. Die breit aufgestellte radikale Rechte und dazu noch die zahlreichen außerparlamentarisch bis im Untergrund aktiven Klein- und Kleinstgruppen bilden ein breites Spektrum. Die Frage nach den Zusammenhängen zwischen all dieser und die Gefährdung dieser betrachtet der Sicherheitspolitik-Blog, eine an der Uni Frankfurt angesiedelte Plattform. Der Blog definiert sich über eine kritische Auseinandersetzung mit der namensgebenden Sicherheitspolitik und hat einen Fokus u.a. auf dem Themengebiet ‚Rechtsradikalismus‘. In eben diesem Kontext ist jüngst im Transcript-Verlag unter der Herausgeberschaft von Maik Fielitz und Laura Lotte Laloire eine Aufsatzsammlung unter dem Titel „Trouble on the Far Right. Contemporary Right-Wing Strategies and Practices in Europe“ erschienen.

Ein breites Spektrum an Aufsätzen

Der Titel verweist mit Europa bereits in etwa auf den geographischen Raum, der durch die einzelnen Beiträge abgedeckt werden soll. Die über 20 Beiträge sind dabei nach den beiden einleitenden Beiträgen thematischen in die Kapitel „Trouble at the Ballox Box“, „…on the Street“, „…over Cultural Hegemony“, „… Underground“ und „… within“ aufgeteilt. Diese thematische Gliederung verweist dabei auf einen Untersuchungsansatz, der den Fokus auf die Arbeitsfelder der Rechtsgruppierungen legt und über deren nationalstaatlichen Organisationsrahmen stellt. Dennoch beziehen sich die Beiträgei zumeist als Detailstudien auf bestimmte ’national organisierte‘ Gruppen, sei es die Casa Pound in Rom, die Identitäre Bewegung in Österreich oder die griechische ‚Goldenen Morgenröte‘.

In der regionalen Verteilung finden sich erfreulicherweise neben den großen westeuropäischen Staaten mit Aufsätzen zur radikalen Rechten in Finnland, Lettland, Bulgarien, Rumänien, Polen, Ukraine, Griechenland und der Türkei insbesondere auch zu dem oftmals wenig beachteten ost(mittel-)europäischen und südosteuropäischen Raum. Dieser europäische Blick auf die Rechte gelingt aber nicht nur aufgrund der gelungenen Länderauswahl, sondern weil auch transnationale Verflechtungen der radikalen Rechten und deren Konzept von Europa in den Blick genommen werden.

Das Europabild der Neuen Rechten

Das spiegelt sich beispielsweise in den Artikeln zu den Identitären, aber auch zu den anti-muslimischen Kampagnen, hier in Bezug auf Großbritannien, wieder. Wie allerdings der Fall des Bürgerkrieges in der Ukraine und die damit einhergehende unterschiedliche positive Bezugnahme der Akteure der radikalen Rechten zeigt, sei es auf das neofaschistische Azov-Batallion einerseits oder das national-autoritäre System Putin andererseits, ist diese Orientierung auf den europäischen Rahmen durchaus widersprüchlich. Gerade hier schaffen es aber die hier versammelten Aufsätze durch ihr durchgängig umfassend gestaltetes Literaturverzeichnis erfolgreich die Anregung zur weiteren Lektüre – vielleicht aber auch zur eigenen Recherche und Erarbeitung zu geben.

In ihrer sprachlichen Gestaltung sind die Aufsätze durchgehend gut verständlich, dennoch verlieren diese nicht ihre ‚wissenschaftliche Verwendbarkeit‘. Die theoretischen Vorannahmen werden offen gelegt und auch erfolgreich versucht mit dem Begriff der ‚far right‘ ein weites Spektrum der europäischen Rechten abzudecken. Damit wird in den Aufsätzen erfreulicherweise auf eine extremismustheoretische-Konzeption verzichtet, sondern durchaus der enge Bezug zur ‚Mitte der Gesellschaft‘ mitberücksichtigt.

Eine Leseempfehlung

Als Wermuttropfen bleibt einzig, dass einige der Aufsätze als etwas zu kurz erscheinen und in diesem gedrängten Rahmen des Sammelbandes ein klein wenig der Eindruck erweckt wird, dass womöglich ein wenig zu viel abgedeckt werden sollte, als abgedeckt werden konnte. Dennoch kann nur eine Leseempfehlung ausgesprochen werden. Besonders für diejenigen, die sich einen vertiefenden Überblick jenseits des deutschsprachigen Raumes und in einem europäischen Kontext über die rechte Bewegung verschaffen wollen, sollten zu diesem Buch greifen. Das Inhaltsverzeichnis sowie den empfehlenswerten einleitenden Aufsatz findet ihr auf der Homepage des transcript-Verlages.

Maik Fielitz / Laura Lotte Laloire (Hsg.)
Trouble on the Far Right
Contemporary Right-Wing Strategies and Practices in Europe
Transcript Verlag; 19,99Euro

Ludovicus Schoenblick

Über Ludovicus Schoenblick

Mit einem Sinn für das Schöne und Gute im Menschen ausgestattet durchdringt Ludo die Welt auch ganz gerne mal historisch.

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