AfD im Rheingauviertel nicht erwünscht

Was waren nochmal die drei Grundforderungen der französischen Revolution? Wikimedia Commons | CC BY

Die AfD lud am Donnerstagabend zu einer Veranstaltung im städtischen Hilde-Müller-Haus im Wiesbadener Rheingauviertel. Eine Bundestagsabgeordnete der rechtsaußen Partei sollte ursprünglich einen Vortrag über die ersten einhundert Tage AfD im Bundestag halten. Doch der Abend verläuft anders als geplant: Etwa 50 Personen aus Wiesbaden sind gekommen, „um klar und deutlich Positionen der AfD zu benennen, die zu Feindseligkeit führen und eine Atmosphäre des Miteinanders verhindern“, wie ein Flugblatt verkündet.

In dem Schreiben wird das Wahlprogramm der AfD einer sachlichen Kritik unterzogen. Es wendet sich beispielsweise gegen die „kinderfeindliche Senkung der Strafmündigkeit für Minderjährige auf 12 Jahre“, lehnt die „vernichtende Internierung von psychisch Kranken und Süchtigen ab“ und fordert stattdessen professionelle Behandlung und Hilfe. Die von der AfD geplante „eiskalte Kürzung von Sozialleistungen“ und „Privatisierung sozialer Netze“ führe zu „einer immer größeren Kluft zwischen Arm und Reich“.

Gerade als die Bundestagsabgeordnete ihren Vortrag beginnen will, drücken große Teile des Publikums ihren Unmut über die AfD-Veranstaltung aus. Mehr als die Hälfte des Saales beginnt, die Sachargumente gegen das AfD-Wahlprogramm vorzutragen, unterbrochen von Sprechchören für die Wahrung von Menschen- und Grundrechten. Die AfD, so scheint es, ist im Wiesbadener Rheingauviertel nicht erwünscht. Nach einer halben Stunde sehen sich die AfD-Veranstalter*innen gezwungen, den Abend abzusagen. Die AfD will sich über das Jahr 2018 monatlich im Hilde-Müller-Haus treffen und so einen Veranstaltungsort in der Wiesbadener Innenstadt etablieren. Ob dieses Vorhaben gelingt, wird die Zukunft zeigen. Der heutige Abend jedenfalls lässt es nicht vermuten. Denn für viele Menschen im Rheingauviertel gilt: Einhundert Tage AfD im Bundestag sind einhundert Tage zu viel.

Christian Borchert

Über Christian Borchert

Christian Borchert hat in Mainz Politikwissenschaften und Soziologie studiert, um dann nach Abschluss seines Studiums 2012 erstmal nach Frankreich zu verschwinden. Dort hat er Häuser besetzt und verschiedene urbane, linke Projekte bei ihrer Pressearbeit unterstützt. Sein Arbeitsschwerpunkt sind populistische, politische Strömungen und die Hausbesetzer_innenszene. Seit April 2014 wirkt er auch als Autor bei der Zwischenzeit mit.

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