Rojava-Ausstellung in Mainz eröffnet

Kurdische Frauen bei einer Demonstration zeigen das Victory-Zeichen, Fahnen und Plakate

Freie Frauen sind Grundlage einer freien Gesellschaft. Frühling der Frauen/WJAR | ©

Am 8. März wurde die Ausstellung „Frühling der Frauen von Rojava“ Buchladen Cardabela in Mainz eröffnet. Die Vernissage am Weltfrauentag hat aufgrund der aktuellen Situation in Afrin besondere Brisanz.

Die ausgestellten Bilder sind zum Teil auf einer Reise nach Rojava mit der Frauenstiftung WJAR im Dezember 2015 entstanden und vermitteln ebenso wie die begleitenden Texte einen Einblick in die gesellschaftlichen Entwicklungen, wobei die Kämpfe und Errungenschaften der Frauenbewegung im Vordergrund stehen. Die Ausstellung ist bis zum 10.4. im Cardabela-Buchladen zu sehen.

2011 ist es der Bevölkerung der vorwiegend von Kurd*innen bewohnten Gebiete in Nordsyrien (Rojava) gelungen, sich von dem syrische Regime weitgehend zu befreien und eine eigene autonome Selbstverwaltung aufzubauen. Das politische und gesellschaftliche Modell, der demokratische Konföderalismus, strebt die Gleichberechtigung aller dort lebenden Menschen unterschiedlicher Ethnien, Religionen und Geschlechtern an. Gerade die Frauenbefreiung hat in diesem Gesellschaftsmodell enorme Fortschritte gemacht und ganz neue Perspektiven entwickelt. Die Geschlechtergleichberechtigung ist vorläufig durch eine 40%ige Frauenquote in allen öffentlichen und politischen Ämtern sichergestellt. Erklärtes Ziel ist es jedoch, die Frauenorganisierung so zu stärken, dass es keiner Quote mehr bedarf und auf allen Ebenen gleiche Partizipation und Repräsentation umgesetzt wird. Zurzeit stellt bereits eine Doppelspitze bestehend aus einer Frau und einem Mann den Vorsitz aller Gremien.

Durch die türkische Invasion in Afrin/ Föderation Nordsyrien seit dem 20. Januar diesen Jahres hat sich nicht nur die Situation der Frauen sehr verschlechtert. In einer Erklärung zum internationalen Frauenkampftag ruft die kurdische Frauenbewegung in Europa zur Unterstützung des Widerstands von Afrin auf: „Die Stadt Efrîn mit ihren Gemeinden, Dörfern und Feldern zeugt noch heute von der Moral, der Kultur und der Schaffenskraft von Frauen. Und so wie in Şengal und Kobanê […] so hat der genozidale Angriff auf Efrîn vor allem Errungenschaften von Frauen zum Ziel. […] Die brutalen Angriffe des türkischen Staatsfaschismus, welcher mehr als alle anderen Staaten den IS genährt hat haben eine Angst zur Grundlage. Die Angst vor dem freien Menschen, der freien Frau und der freien Gesellschaft.“

Mit Videoaufnahmen macht die türkische Armee ihre Kriegsverbrechen gerade an Frauen öffentlich wie die Leichenschändung an der YPJ-Kämpferin Barin Kobane. Auch Folter und Misshandlung von gefangenen kurdischen Kämpfer*innen, aber auch an verschleppten Zivilist*nnen werden über das Internet verbreitet. Die Veröffentlichung dieser Gräueltaten ist Teil ihrer Vertreibungspolitik.

Trotz dieser schweren Menschenrechtsverletzungen steht Deutschland in treuer Waffenbrüderschaft an der Seite der türkischen Regierung und ihrer islamistischen Verbündeten. Die vehementen Angriffe mit auf die Region Afrin werden unter anderem mit deutschen Waffen und Leopard-II-Panzern begangen. Und die deutsche Nibelungentreue reicht noch weiter: kurdische Organisationen werden hier verboten und kriminalisiert, mit größter Anstrengung wird beispielsweise versucht, die diesjährige Newrozfeier in Hannover zu unterbinden und die Räumlichkeiten des Mezopotamien-Verlags in Neuss am Morgen des 8. März gestürmt. Auf der Suche nach „verbotenen Dokumenten“ wurden vier LKW-Ladungen Bücher und anderes Material beschlagnahmt. Der Verlag Mezopotamien gibt Bücher zur kurdischen Kultur und Befreiungsbewegung in verschiedenen Sprachen heraus.

Die Angriffe der Türkei und die getreue deutsche Unterstützung immer wieder durch Demonstrationen und Aktionen zu kritisieren und in den öffentlichen Fokus zu rücken, muss aktuell ein politisches Ziel vor Ort sein, darüber sind sich alle Teilnehmer*innen der Vernissage einig.

Marie Blum

Über Marie Blum

Marie Blum schreibt für Lokalzeitungen über historische und aktuelle Themen. Sie ist regelmäßige Besucherin beim Open Ohr. Immer bedächtig, oft gechillt und selten fuchsteufelswild geht sie ihren Themen nach – und gibt nie auf.

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