Save Kobane

Frau zeigt Victory-Zeichen, in der Hand ein Transparent mit der Aufschrift

Kurd_innen stehen für Selbstbestimmung ein. Dennis Firmansyah | CC BY-NC-SA

„Seit mehr als drei Wochen greift der IS Rojava an. Die IS ist bis nach Kobane vorgedrungen und hat mehrere Stadtteile eingenommen.“, verkündet Satı von der Mainzer Initiative für Demokratie und Menschenrechte. 160 Menschen haben sich heute am Mainzer Hauptbahnhof zu einer Kundgebung versammelt, um gegen den Vormarsch des IS zu demonstrieren und sich mit den Menschen in Kobane zu solidarisieren. Die Demonstration steht im Kontext von europaweiten Protesten, bei denen unter anderem das niederländische Parlament gestürmt wurde, die SPD-Parteizentrale in Frankfurt besetzt und die Münchner CSU-Zentrale durch einen Sitzstreik blockiert wurde.

Auch in der Türkei kam es zu großen Demonstrationen und teils heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Gegen die Politik der türkischen Regierung und ihres Militärs erheben auch die Menschen am Mainzer Hauptbahnhof ihre Stimmen: „Die türkische Armee verhindert, dass weiter kurdische Kämpfer nach Kobane gelangen, um die Streitkräfte der YPG zu unterstützen.“, so Satı. Die Bundesregierung übe nicht genügend Druck auf die türkische Regierung aus und trage durch ihre Waffenexportpolitik zu der Entstehung und Aufrechterhaltung der Konflikte bei.

Kobane ist ein Symbol für einen selbstverwalteten, demokratischen Nahen Osten

„Wir erleben in Kobane eine Tragödie und die Welt schaut zu.“, sagt mir Merdo Kurdjew, der an der Demonstration teilnimmt. Er verurteile die türkische Regierung, weil sie keinen Korridor zuließe, durch den Widerstandskämpfer nach Kobane gelangen können, um die Belagerung und teilweise Übernahme der Stadt zu brechen. Die Luftschläge der Allianz gegen den IS seien nicht ausreichend, um den Vormarsch des IS zu stoppen. „Kobane ist ein Symbol für einen selbstverwalteten, demokratischen Nahen Osten. Dieses Symbol soll zerstört werden.“, fasst Merdo zusammen. Die kurdische Bewegung sei universellen Werten verpflichtet, wie Freiheit, Geschwisterlichkeit und Selbstbestimmung. Damit biete sie vielfältige Anknüpfungspunkte für andere emanzipatorische Bewegungen, betont er.

Rojin ist zufällig zu der Demonstration dazugestoßen. „Ich arbeite in Mainz als medizinische Fachkraft und bin neugierig darauf, was hier am Bahnhof passiert.“ Die Familie der jungen Frau lebt in Afrin, einem Dorf an der türkischen Grenze im Norden von Aleppo. Ihre Eltern leben dort immer noch, doch weil die Leitungen kaputt sind, können sie nicht oft telefonieren. Die Lage dort sei noch ruhig, doch das könne sich schnell ändern, weil der IS auch in diesem Kanton Gebiete einnimmt. „Ich wünsche mir, dass es keinen IS mehr gibt, keinen Krieg, keinen Salafismus. Ich will Freiheit für die Leute.“, ruft Sie mir zu, während sich die Kundgebung zerstreut.

Dennis Firmansyah

Über Dennis Firmansyah

Dennis Firmansyah hat die Zwischenzeit 2013 mitbegründet und 2016 die Herausgeberschaft und Chefredaktion übernommen. Seine Themen sind Migrationspolitik, Recht auf Stadt und Regionalgeschichte. Neben der Zwischenzeit veröffentlicht er auch bei der Jungle World, Direkte Aktion und Graswurzel Revolution.

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