Mainzer Soldat gründet Bürgerwehr

Schauwand mit Sherrif-Badges

Institutionalisierte Gewalt: Die Polizei bedroht schon genug Menschen. Paul Hayes | ©

Bisher gab es in Mainz wenig organisierte Aktivitäten des rechten Mobs. Offenbar ändert sich das gerade: Der Luftwaffenoffizier Robin Hesselmann hat auf Facebook mehrere Gruppen mit dem Titel „Bürgerwehr Mainz“ gegründet. Die bestbesuchte, die am 9. Januar erstellt wurde, zählt bereits jetzt mehr als 150 Mitglieder – darunter etliche Soldaten und MMA-Kämpfer. Was der Initiator mit der Gruppe vorhat, bleibt zwar noch im Vagen, lässt aber nichts Gutes vermuten. Auf seine Absichten angesprochen, tönt er, es sei vor allem „ein erster Schritt, sich zu organisieren“. Wie er verlauten lässt, will er damit auf die sexistischen Übergriffe am Kölner Hautpbahnhof reagieren.

Was mensch sich unter so einer Miliz vorstellen kann, zeigt das Beispiel einer selbsternannten Düsseldorfer Bürgerwehr, deren Mitglieder nachts durch die Straßen patrouillieren. Droht ein solches Szenario nun auch in Mainz? Immerhin ist die neue Gruppe in diesem Stadium noch nicht angelangt. Doch ist die Aussicht auf eine inoffizielle Polizei, die sich aus Soldaten und Kampfsportlern zusammensetzt, mehr als Grund zur Sorge. Bereits die offizielle Polizei dieses Staates ist für viele Menschen Bedrohung genug.

Zu guter Letzt darf die Intention des Gruppengründers, gegen sexualisierte Gewalt vorzugehen, ernsthaft bezweifelt werden. Schon wieder ein Mann, der die Sache in die Hand nehmen will – mit einer Truppe, die größtenteils auch aus anderen gewaltbereiten Männern besteht. Sie nehmen den Frauen*, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, ihren* Kampf aus der Hand. Nirgendwo findet in der Facebookgruppe Erwähnung, dass für diesen Samstag bereits eine antisexistische und antirassistische Demo geplant ist. Es ist höchste Zeit, den Umtrieben des rechten Mobs Einhalt zu gebieten – in Mainz und überall.

Christian Borchert

Über Christian Borchert

Christian Borchert hat in Mainz Politikwissenschaften und Soziologie studiert, um dann nach Abschluss seines Studiums 2012 erstmal nach Frankreich zu verschwinden. Dort hat er Häuser besetzt und verschiedene urbane, linke Projekte bei ihrer Pressearbeit unterstützt. Sein Arbeitsschwerpunkt sind populistische, politische Strömungen und die Hausbesetzer_innenszene. Seit April 2014 wirkt er auch als Autor bei der Zwischenzeit mit.

8 Gedanken zu “Mainzer Soldat gründet Bürgerwehr

  1. Alfred Schulze

    [Hier kommentierte der neue Moderator der Mainzer Bürgerwehr, und das hat bei uns keine Plattform. Alles klar oder was? Cheers! – die Redaktion]

    • Kartoffelmann

      [Hier stand ein widerwärtig-beleidigender Beitrag eines Mainzer Telekom-Kunden gegen Menschen, die sich politisch links definieren. Natürlich löschen wir so nen Mist. Cheers! Die Redaktion]

    • A

      Ich hab kürzlich bei E. Bernays gelesen, dass das Unterdrücken missliebiger Diskussionen und Meinungen Teil propagandistischen Vorgehens sei. War es tatsächlich notwendig den Beitrag zu löschen?

      • Christian BorchertChristian Borchert Autor

        Hallo A! Spannend, dass du Bernays‘ Buch über Propaganda gelesen hast. Ich hab mir das mal im Rahmen von einer Forschungsarbeit reingezogen und erinnere mich deshalb noch relativ gut daran, dass Bernays darin auch feststellt, dass Propaganda nicht zu machen ist, ohne bereits über genug Einfluss zu verfügen, sie auch verbreiten zu können.
        Die systematische Unterdrückung von Meinungen kann Propaganda unterstützen, setzt aber eine staatsähnliche Macht voraus, um wirksam zu werden, wie es zum Beispiel in China der Fall ist. Auch in Ungarn oder Polen wird der Medienapparat ja langsam einer immer rigideren staatlichen Kontrolle und Einflussnahme im Sinne der Interessen der rechtsnationalistischen Regierungen und ihrer Anhängerschaft unterworfen.
        Ich sehe nicht, dass wir als einzelnes kleines Lokalmedium zur systematischen Unterdrückung von Diskursen in der Lage wären, zumal es ja in Mainz bereits eine erzkonservative Lokalzeitung gibt, wo alles bis auf offene Hetze und Gewaltandrohungen seinen Platz findet, mindestens in den Onlinekommentaren. Wer Leute anpöbeln will, die sich selbst als politisch links verstehen, findet dort eine Plattform dafür.
        Wir hingegen verstehen uns als emanzipatorisches und herrschaftskritisches Medium, das über gesellschaftliche Missstände und Unterdrückung berichtet. In diesem Sinne werden wir auch jederzeit wieder von der Möglichkeit Gebrauch machen, denjenigen hier den Raum zu reden zu entziehen, die diesen Konsens nicht teilen – du kannst das unser Hausrecht nennen, wenn du willst. Es gibt überall – im Internet und offline – genug Orte, wo Leute frei nach dem Motto „Anything goes!“ pauschale Verurteilung gegen Gruppen und menschenfeindlichen Mist produzieren können. Wir sind nicht ein weiterer diese Räume. Unter anderem um das zu kennzeichnen, löschen wir Kommentare ja auch nicht einfach nur, sondern entfernen den Inhalt und erklären kurz warum. Das schafft Transparenz.
        Wer einfach nur nicht einverstanden mit unseren Artikeln ist und darüber diskutieren will, kann das hier unter den oben erklärten Bedingungen jederzeit tun, und davon sind kritische Stimmen nicht ausgeschlossen. Einen Unterschied zwischen Kritik und Pöbelei machen wir dennoch.

  2. ManManmMan

    Ich finde schade, dass ihr denjenigen nicht einfach mal interviewt, was seine wirkliche Intention ist. Außerdem ist er kein Luftwaffenoffizier. Schade, hab die Seite bisher gemocht.

    • Christian BorchertChristian Borchert Autor

      Der zweite Anführer der Mainzer „Bürgerwehr“, die zwischenzeitlich den Namen gewechselt hatte, ist auch kein Luftwaffenoffizier, sondern ein IT-Techniker aus Weisenau. Mit unserem Artikel vom 14. Januar erheben wir natürlich keinen Anspruch darauf, eineinhalb Monate später die aktuelle Situation wiederzugeben. Ich denke, dafür wirst du sicher Verständnis haben.
      Den Bürgerwehrchef zu interviewen ist aber nicht unser journalistisches Interesse: Wer hierzulande fürchtet – ob vor Menschen mit nicht-biodeutsch klingenden Namen, vor Asylsuchenden, vor Menschen, die nicht weiß sind, vor Kriminalität, vor was auch immer – bekommt in den diversen Medien schon viel Platz eingeräumt. Wir sprechen aus einer anderen Perspektive und wollen den Stimmen Gehör verschaffen, die nicht schon diskursiv überrepräsentiert sind.

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