Solidarität organisieren

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Geflüchtete Menschen sind ein Teil von Mainz und doch ist ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben oft beschränkt. Viele Menschen engagieren sich bereits in der Unterstützungsabeit – ob bei Save Me Mainz, bei Medinetz oder auch einfach ganz privat. Geflüchtete und Helfer_innen bekommen nun weitere Unterstützung durch das Projekt „Refugees Solidarity Mainz“. Vom Mitbegründer des FICKO-Magazins David Häußer initiiert, will das Crowdfunding-basierte Projekt das Leben von Menschen, die hier Zuflucht suchen, sichtbarer machen und auch eine Plattform für einen einfachen Überblick über deren Situation anbieten. Mit David Häußer sprach David Adler.

David, seit ein paar Tagen läuft nun dein Projekt „Refugees Solidarity Mainz“ an. Was habt ihr euch konkret zum Ziel gesetzt?

David Häußer: Das konkrete Ziel ist es, ein Jahr lang zum Thema Flucht und Migration zu arbeiten und dabei die geflüchteten Menschen und die Menschen, die schon länger hier leben, stärker zusammenzubringen. Weiter wollen wir zeigen, was es schon an Solidaritäts-Initiativen gibt, andere Leute dazu zu inspirieren, noch mehr zu machen und das ganze Thema umfassend zu diskutieren. All das soll darüber hinaus öffentlich dokumentiert werden, etwa bei Abendveranstaltungen und auf der Website. Damit wollen wir helfen, die Kräfte derjenigen zu bündeln, die bisher noch nicht zusammengefunden haben. „Refugees Solidarity Mainz“ soll dadurch insgesamt dazu beitragen, aus der Defensive herauszukommmen und uns bei dem Thema nicht von der menschenfeindlichen Stimmung, die z.B. bei vielen Boulevardzeitungen und entsprechenden Politiker_innen herrscht, beirren lassen.

Mit Save Me Mainz und Medinetz Mainz gibt es doch schon jetzt Menschen, die sich in Mainz für Geflüchtete engagieren. Warum bedarf es eures Projektes?

Die Genannten machen schon sehr viel hervorragende Arbeit, aber u.a. wegen dieser Arbeit haben sie nicht noch Zeit übrig, das Thema auch geballt in die Öffentlichkeit zu tragen. Darum wollen wir uns kümmern. Das ist Lobbyarbeit, die muss auch die Zivilgesellschaft erledigen. Es gibt ja zudem noch einige Menschen in Mainz oder auch darüber hinaus, die von diesen Organisationen noch nie gehört haben. Das muss sich ändern!
Das Projekt bleibt aber natürlich nicht bei der Vorstellung schon existierender Gruppen stehen. Auf der Website soll auch viel Infomaterial zur Flüchtlingspolitik der EU und Deutschlands gesammelt werden, damit die Verknüpfung der lokalen Arbeit mit dem internationalen Aspekt des Themas verstanden werden kann. Das muss alles noch viel stärker im Mainstream der Gesellschaft ankommen. Und dabei hilft es, wenn die ganze Arbeit übersichtlich und dennoch tiefgehend präsentiert wird. Das mag für manche vielleicht seltsam klingen, aber „wir“, die sich mit dem Thema eingehend befassen, müssen dafür sorgen, dass all das Wissen, das zum Thema angehäuft wird, so einfach wie möglich abgerufen werden kann. Dann erreichen wir mehr Leute. Und das brauchen wir, um etwas an der Situation zu ändern. Wir brauchen viel mehr Menschen, die mitmachen. Und die gibt es. Sie wissen nur noch nicht maximal einfach, wie sie helfen können. Das wollen wir ändern.

Geht es euch vor allem darum, die Informationen an einem Ort für Interessierte zusammenzustellen? Oder versucht ihr auch gezielt auf Menschen zuzugehen, die sich vielleicht nicht von sich aus über das Thema informieren würden? Kann es nicht auch einfach sein, dass sich der „Mainstream“ gar nicht für die Situation von Refugees interessiert?

Kommt natürlich darauf an, wie weit man den Mainstream definiert, aber ich sehe es ganz pragmatisch und realistisch so, dass in einer Stadt von 200.000 Einwohner_innen, wie Mainz, sicher locker noch sehr viel mehr Menschen aktiv werden können als bisher. Und das ist die Hauptsache. Das Projekt ist schon auf Leute ausgerichtet, die sich zumindest schon einmal Gedanken über die Welt gemacht haben, in der sie leben. Ich bin aber überzeugt, dass eben genau das auch Leute tun, die bisher nicht sonderlich politisch aktiv waren. Einfach, weil es etwas sehr konkretes ist. Hier geht es um Menschen, direkt vor Ort, nicht um Zahlen in einer Statistik. Und die kann man z.B. kennenlernen. „Den“ einen Mainstream gibt es meines Erachtens heutzutage nicht mehr. Ich präzisiere daher: Das Thema muss überhaupt noch stärker auf die Agenda aller Leute und damit auch der Gesamtgesellschaft – also nicht nur der sowieso aktiven, politischen Szene. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir eigentlich leben, was für eine unmenschliche Situation wir de facto akzeptieren, wenn wir uns nicht für ein grundlegend anderes Vorgehen beim Thema Flucht & Migration einsetzen.

Wie kann man „Refugees Solidarity Mainz“ konkret unterstützen?

Konkrete Hilfe besteht natürlich darin, Geld zu spenden, damit das Projekt ein ganzes Jahr lang laufen kann. Und zwar so professionell, dass auch andere Städte und Regionen anfangen, sich in ähnlicher Weise zu kümmern. Es braucht einfach ein bisschen Geld, damit man sich überhaupt die Zeit nehmen kann, das konzentriert anzugehen. Zudem ist jede weitere Hilfe willkommen, sei es durch aktive Mitarbeit bei den Initiativen, Kontaktaufnahme mit den Refugees, Verbreitung der Projektidee im Freundeskreis usw. Geld allein hilft natürlich noch nicht. Ohne eine Community der ganzen schon existierenden Strukturen gäbe es ja auch wenig vorzustellen. Wer auch immer sich im weitesten Sinne mit dem Thema befasst, kann sich melden und wir schauen, ob es eine Möglichkeit gibt, gemeinsam etwas zu starten oder die Tätigkeit auf der Website vorzustellen.

Danke für das Gespräch.

Die Crowdfundig-Seite von „Refugees Solidarity Mainz“ findet ihr hier. Regelmäßige Infos gibt es vorläufig in Facebook. David könnt ihr hier erreichen.

David Adler

Über David Adler

David Adler studierte von 2006 bis 2013 in Mainz Soziologie, Philosophie und Politikwissenschaft. Inzwischen wohnhaft im hohen Norden ist er heute noch regelmäßiger Besucher in Mainz. Auf seinem Blog Per[spektiv[brocken versucht er sich in philosophischen Impressionen und engagiertem Denken.

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