Ungehörte Stimmen zum Logo

Die Photos auf der Seite gegen das Dachdecker Logo.

Die Photos auf der Seite gegen das Dachdecker Logo. Sarina Linck | CC BY-NC-SA

Die Debatte dreht sich um das Logo der Firmen von Ernst und Thomas Neger, welches eine stilisierte Version eines Schwarzen Menschen darstellt, die in kolonialistischer Tradition steht. Die Zwischenzeit hat an anderer Stelle bereits darüber berichtet. In den Lokalmedien allerdings fand die seit 2013 schwelende Debatte sehr einseitig statt. So wurde in unzähligen Artikeln und Berichten allein Thomas Neger, dem derzeitigen Chef des Familienbetriebs, eine Bühne geboten, um sein Logo zu verteidigen und sich selbst darzustellen. Und in vielen Artikeln werden seine Rechtfertigungen als befriedigend dargestellt, während die Seite der Logo-Kritiker ins Lächerliche gezogen wird.

In einem dieser Artikel wird Thomas Neger wörtlich zitiert: „Sollte ein schwarzer Mensch zu mir kommen, der sich wegen des Logos beleidigt fühlt, würde ich meine Haltung sofort überdenken.“ Bislang soll es solch einen Fall noch nie gegeben haben. Was in den Artikeln, welche die Rechtfertigungen des Firmenchefs immer und immer wiederholen, nicht beachtet wird, ist, dass zu den Kritiker*innen des Logos schon seit Jahrzenten Schwarze Menschen gehören. Ihre zahlreichen Reaktionen auf das Logo werden von der konservativen Presse schlichtweg ignoriert.

Die Kritik der ISD findet kaum Gehör

Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. (ISD) besteht nun seit 30 Jahren und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Interessen Schwarzer in Deutschland zu vertreten. Sie ist eines der wichtigsten Sprachrohre und Raum für Vernetzung der Schwarzen Community. Ihr Pressesprecher Tahir Della äußerte sich kürzlich in einem überregionalen Magazin zu dem Logo und bezeichnete es als klar rassistisch. Auch betonte er, dass sich, entgegen der Behauptung des Dachdeckers, durchaus schon seit Jahren wiederholt Schwarze Deutsche bei der Firma über das Logo beschwert haben.

Dies bestätigt mir die Autorin und ISD-Mitbegründerin Eleonore Wiedenroth-Coulibaly, welche jahrelang im Vorstand der ISD mitwirkte. Sie ist in der Umgebung Mainz/Wiesbaden aufgewachsen und stieß, so wie viele Mainzer*innen, tagtäglich auf das Logo. Mit der damals bestehenden Regionalgruppe der ISD wandte sie sich bereits in den 1980er Jahren schriftlich an die Firma Neger. In Briefen und Stellungnahmen kritisierten sie das Logo und forderten seine Abschaffung. Eine Antwort oder Reaktion bekamen sie nicht. Als sie von der erneut aufgebrannten Diskussion um das Logo erfuhr, freute sie sich. Sie habe damals mit ihren Bemühungen um die Abschaffung des Logos aufgehört, weil sie das Gefühl bekam „gegen eine Wand zu rennen“.

Diese Reaktionen von Schwarzen blendet Thomas Neger in seinen Stellungnahmen aus und die Lokalpresse zeigt sich damit weitgehend zufrieden. Eine Miteinbeziehung in die Diskussion von Menschen, die tatsächlich von Rassismus betroffen sind, findet nun erst statt, nachdem die Debatte schon seit Jahren wiederholt aufgegriffen wurde.

Klassische Medien versagen, Social Media als Chance

Feven ist in einer Hochschulgruppe von People of Color (PoCs) organisiert. Der Begriff PoCs ist eine Selbstbezeichnung aller von Rassismus betroffenen. Feven kannte das Logo auch schon bevor sie nach Mainz zog. Die Berichterstattung der Lokalpresse war ihr zu einseitig und „wenig offen für die Stimmen marginalisierter Gruppen“. Nachdem sie Thomas Negers Statement gelesen hatte, in dem er sagt, dass er offen für Kritik von Schwarzen sei, machte sie sich zusammen mit einem Schwarzen Bekannten persönlich vorstellig bei der Firma. Für sie war er nicht zu sprechen. Zwei weiteren Schwarzen Mitgliedern der PoC-Hochschulgruppe gelang es, den Dachdecker persönlich zu konfrontieren, dieser „zeigte sich allerdings nicht einsichtig“.

Das zentrale Sprachrohr der Schwarzen Community, die ISD, wird von den Medien kaum beachtet, der Versuch, mit Thomas Neger auf persönlichem Weg zu kommunizieren, scheitert. Mit dem Vorbild des Hashtag-Aktivismus rund um Ferguson – einer US-amerikanischen Kleinstadt, in der anti-rassistische Proteste nach der Ermordung des unbewaffneten Schwarzen Teenagers Michael Brown durch die Polizei sehr sichtbar sind – überlegten sich einige Mitglieder der Hochschulgruppe einen Weg, mit ihrer Kritik an die Öffentlichkeit zu gelangen. Das Ergebnis ihrer Überlegungen kann nun auf Facebook angesehen werden. Auf der Seite „Das Logo muss weg – Für eine Welt ohne Rassismus“ wurde eine Photoaktion gestartet, in der sich Schwarze Menschen unter dem Hashtag #wegmitdemLogo gegen das Logo bekennen können. Die Seite hat mittlerweile über 1000 Unterstützer*innen und es werden stündlich mehr. Tatsächlich haben es die Initiator*innen der Aktion bereits ins Fernsehen geschafft. Der SWR berichtete über die Aktion und gab ihnen die Möglichkeit, sich öffentlich zu dem Logo zu äußern.

Reaktionen auf die Aktion fallen heftig aus

Je mehr Aufmerksamkeit die Aktion gegen das Logo gewinnt, desto mehr Verteidiger*innen des Logos finden auch zu ihrer Facebook-Seite. Ein regelrechter Shitstorm breitete sich aus in den Kommentarleisten. Mit der Heftigkeit, mit der hier ein einzelnes Firmenlogo verteidigt wird, hatten die Initiator*innen der Aktion nicht gerechnet. Insbesondere in Privatnachrichten toben sich die Verteidiger*innen aus. Es kommt zu gezielter rassistischer Hetze gegen Personen und sogar zu Gewaltandrohungen. Inzwischen wollen die Betreiber*innen der Anti-Logo-Seite gegen Einzelne Anzeige erstatten.

In einer neueren Entwicklung hat sich Thomas Neger nun öffentlich auf Facebook zu der Aktion geäußert. Er bezeichnet die Logo-Gegner*innen hierin als „Spinner“ und „dumm“. Von dem Gespräch mit den zwei Studentinnen berichtet er ebenfalls und seine Positionierung in der Debatte fällt eindeutig aus:

„Ich nahm mir die Zeit und hörte mir Ihre Interpretation unseres Logos an und erklärte Ihnen, dass Sie es falsch interpretieren ! Es kamen aber auch weit über 50 Menschen ( auch Schwarze ) zu mir und sagten, Sie haben mein Logo verstanden und ich solle dabei bleiben ! Also habe ich meine Meinung überdacht und für mich entschieden :
Ich bleibe bei dem Logo !!!!!
Ich bin stolz ein NEGER zu sein !
Ich identifiziere mich mit NEGER !
Die Interpretation der Gegner ist so stupide, dass ich sie nicht ernst nehmen kann.
Wie dumm seid Ihr, dass die Stilisierung eines schwarzen Menschen : Neger für Euch gleichbedeutend ist mit Herabsetzung, Dummheit, Minderwertigkeit ?“

Thomas N. hat sich hier ganz offensichtlich im Ton vergriffen. Dass die Verwendung des N-Worts für Schwarze Menschen rassistisch ist, scheint ihm nicht klar zu sein. Es hat seinen Ursprung in der Rassentheorie, welche die Menschheit in unterschiedliche „Menschenrassen“ einordnete und ihnen angeborene Wesensmerkmale zuordnete. Der Begriff ist eine Fremdbezeichung, die mit rassistischen Stereotypen verbunden ist. Ob der Dachdecker sich mit diesen Äußerungen in ein gutes Licht rückt, ist fraglich. Seit der Veröffentlichung seiner Stellungnahme hat die Seite gegen das Logo jedenfalls wieder neuen Zulauf an Likes.

Sarina Linck

Über Sarina Linck

Sarina ist eine von diesen Studierenden und genießt den Luxus den ganzen Tag über sich und die Welt nachdenken zu können. Vieles was sie da sieht, findet sie so nicht gut. Das sagt sie manchmal. Gerne lässt sie sich dann als Gutmenschen beschimpfen.

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