Nacht des offenen Fensters

Tür der Kurfürstenstraße 5: Von Plakaten ist hier nichts mehr zu sehen.

Tür der Kurfürstenstraße 5: Von Plakaten ist hier nichts mehr zu sehen. Kaspar Skwatten | CC BY-NC-SA

„Heute Nacht öffnen wir die Fenster. Wir sind in dieses Haus gekommen um andere hierhin einzuladen.“ So liest sich ein Bekenner*innenschreiben, dass die Zwischenzeit heute Vormittag erreicht hat. Unter dem so provokativen, wie neckischen Titel „Ein Einbruch? Wir bekennen uns“ verkünden die Autor*innen des Textes, die sich selbst „“ nennen, ein leerstehendes Haus in der Kurfürstenstraße 5 geöffnet zu haben. Mit ihrer Aktion wollen sie gegen Aufwertung und Verdrängung, steigende Mieten und Spekulation auf Wohnraum protestieren. Ihr blumig formuliertes Schreiben hat die Gruppe auch auf Indymedia veröffentlicht.

Ein Bild, dass die Gruppe BeNinA zusammen mit ihrem Bekenntnis verbreitet, zeigt die Tür des leerstehenden Hauses, auf der Plakate kleben. „Ladenfläche ab sofort verfügbar. […] Keine Miete! Keine Maklergebühr!“ verkündet eines davon aufmunternd. Auf einem anderen lädt eine fiktive Wohnungsanzeige dazu ein, direkt einzuziehen: „Angebot! 3 ZKB-Wohnung, ca. 60 qm, in urbanem Umfeld mit sonnigem Blick auf den Gartenfeldplatz. Keine Maklercourtage. Ziehen Sie jetzt ein und übernehmen Sie Ihre Wohnung teilmöbliert! Preis: Kostenlos. Eigene Regeln erfinden und einfach einziehen!“

Die mit der Anzeige abgedruckte Telefonnummer, bei der Interessierte sich angeblich melden sollen, stellt sich jedoch schnell als die des Sozialdezernenten Kurt Merkator heraus. Auch in ihrer Mitteilung richten die Besorgten Nachbar*innen Vorwürfe an die politischen Mandatsträger*innen: Die würde Stadtpolitik nach ihren eigenen Fantasien und zugunsten der Bedürfnisse von Wohlhabenden machen. Das wolle die Gruppe BeNinA nicht hinnehmen. Leerstand aus Profitinteressen hat für sie keinen Platz in der Stadt.

Leerstand nicht länger hinnehmen

Nach Informationen des Mainzer Leerstandmelders ist das betreffende Haus schon seit mindestens 3 Jahren unbewohnt. Tatsächlich dürfte es sogar schon viel länger brach liegen: Nach Informationen einer Lokalzeitung wurde das Gebäude in der Kurfürstenstraße bereits im Jahr 2008 von der Stadt beschlagnahmt und die Bewohner*innen vertrieben, angeblich wegen baulichen Mängeln. Ein weiteres Haus des gleichen Eigentümers in der benachbarten Nackstraße wurde bereits im Frühjahr 2014 besetzt und schon nach wenigen Stunden geräumt.

Auch an der Kurfürstenstraße 5 selbst ist von einer Besetzung oder ähnlichem heute nichts zu sehen – wie ausgestorben liegt das Gebäude da, die Fenster im Erdgeschoss verrammelt, die stählerne Tür mehrfach gesichert. Alle Spuren der Aktion wurden allem Anschein nach sehr schnell beseitigt. Die Polizei will vor und im Haus niemensch angetroffen haben, nur ein Plakat und eine Strickleiter hätten von einem Balkon gehangen. Doch vielleicht lassen die Besorgten Nachbar*innen ja bald wieder von sich hören – schließlich gibt es in Mainz noch viel Leerstand.

Kaspar Skwatten

Über Kaspar Skwatten

Vor etwa einem Jahr tauchte Kaspar Skwatten in Mainz auf: Müde von der Reise beschloss der gelernte Gärtner, der schon viel herumgekommen war, sich auf ein neues Arbeitsfeld einzulassen und fand schnell neue journalistische Freunde. Nun schreibt er für die Zwischenzeit und beschäftigt sich vor allem mit dem Thema Rassismus.

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