Teilerfolg gegen „Familienschutz“

Der bunte Demonstrationszug vor dem Hansa Hotel in Wiesbaden. Zwischenzeit | CC BY-NC

Zugegeben, die Wiesbadener Straßen mussten am vergangenen Wochenende schon ein bisschen leiden. Demonstrierende bemalten den Asphalt mit Sprühdosen in Regenbogenfarben. Eine ungewöhnliche Aktion, die aber einen guten Grund hatte: Denn auf denselben Straßen zogen am Sonnabend Homo-Gegner*innen durch die hessische Landeshauptstadt. Zur „Demo für alle“ versammelten sich mehrere Hundert Menschen, um gegen den Bildungsplan der Landesregierung, der eine stärkere Vermittlung verschiedener sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identitäten vorsieht, zu demonstrieren.

Ehe und Familie seien ein wichtiges Fundament der Gesellschaft, sagte etwa Manfred Spieker, ein christlicher Sozialwissenschaftler von der Universität Osnabrück, der auf der „Demo für alle“ als Redner auftrat: „Im neuen Lehrplan ist dieses Fundament noch nicht völlig verschwunden, aber es ist mit dem Virus der Gender-Ideologie infiziert.“ Unter den Zuhörern befanden sich viele Familien mit Kindern, die Schilder mit Bibelversen hochhielten – womit deutlich wurde, dass christlicher Fundamentalismus der wichtigste Baustein der „Demo für alle“ ist.

Dass es aber noch einen anderen Baustein – den Rechtsextremismus – gibt, war ebenso ersichtlich. So befanden sich auch Unterstützer der AfD und der neonazistischen Kleinstpartei „III. Weg“ am Rande der Demo. Laut Informationen der „Frankfurter Rundschau“ waren auch mehrere NPD-Kader vor Ort, Thassilo Hantusch von der NPD Wetzlar habe sogar eine Ordnerbinde getragen. Dass sich eine Organisatorin der Demo „von Rechts- und Linksextremismus und von Ideologien“ abgrenzte, erschien in diesem Zusammenhang bloß als Lippenbekenntnis.

Aus diesem Grund hatten sich zwischen 2000 und 3000 Menschen zu einer Gegendemonstration zusammengeschlossen. „Respekt vor sexueller Vielfalt ist ein elementarer Bestandteil einer freien, humanen Gesellschaft“, sagte Michael Wilk vom Wiesbadener „Bündnis gegen Rechts“ in einem Redebeitrag. „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“, riefen die Gegendemonstrant*innen. Tatsächlich gab es einen Teilerfolg zu vermelden: Aufgrund einer Blockade konnte die „Demo für alle“ nur eine verkürzte Route laufen.

Als fragwürdig hingegen ist das Auftreten der Polizei zu bewerten. Wie die „FR“ weiter berichtete, wurde ihre Autorin Katja Thorwarth bei einem Zusammenstoß zwischen Gegendemonstration und Polizei zu Boden geschleudert und krankenhausreif verletzt: „Die Polizisten sprangen über sie drüber, anstatt ihr zu helfen. Mehrmals schrie sie ‚ich bin von der Presse‘, wurde aber nur ein Stück hochgezerrt und in Richtung der Demonstranten geschleudert. Letztendlich wurde sie von einer Demonstrantin aus der Menge herausgezogen, vor Ort von Sanitätern versorgt und dann ins Krankenhaus gefahren.“

Max Zeising

Über Max Zeising

Seit 2012 arbeite ich neben meinem Studium als freier Journalist für verschiedene Tageszeitungen, v.a. für das "Neue Deutschland", in den Ressorts Politik und Sport. Mit meiner Arbeit möchte ich einen Beitrag für die demokratische Debattenkultur leisten. Journalismus bedeutet für mich, den Herrschenden auf die Finger zu schauen und die Bevölkerung zum Nachdenken anzuregen. Eine alternative Lokalzeitung wie die "Zwischenzeit" ist hierfür enorm wichtig, da es gerade auf lokaler Ebene häufig an Alternativen mangelt.

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