Teurer günstiger Wohnraum

"Gentrifizierung stoppen!" - am Zollhafen und anderswo. Jan Zombik | CC BY-NC-SA

Mainz gibt sich sozial: Am Heiligkreuz-Areal in Mainz-Weisenau wollen die Stadt, ihre stadtnahen Gesellschaft und private Investoren „bezahlbaren Wohnraum nach Maß“ schaffen. Anders als am Zollhafen, wo Luxusquartiere entstehen sollen, betont hier die Public-Relations-Maschine des Verbunds den sozialen Anspruch des Vorhabens. Kurt Merkator, Sozialdezernent der Stadt, verkündet gegenüber der Presse, dass das Projekt eine „Entlastung“ für „den angespannten Wohnungsmarkt“ bringen werde.

Doch von den geplanten knapp zweitausend Wohneinheiten sollen nur ein Drittel im „günstigen“ Preissegment liegen. Zudem sagte jüngst Franz Küppers, einer der Beteiligten an dem Projekt, der Allgemeinen Zeitung, was er sich unter günstig vorstellt: Die Mieten werden sich auf 9,50 Euro pro Quadratmeter belaufen. Darunter könne man nicht mehr bauen, findet der Geschäftsleiter von Küppers Immobilien.

Ob die Stadt das Projekt bezuschusst, um die Mieten zu senken, bleibt unklar. Gegenüber dieser Zeitung machte der Verbund dazu keine Angaben. Der durchschnittliche Mietpreis in Weisenau liegt jedenfalls bei unter neun Euro. Ist also die Vermarktung als sozialer Wohnungsbau nur Augenwischerei?

Die Mainzer Stadtpolitik spaltet die Stadt

Entscheidend zur Beantwortung dieser Frage ist, für wen der Wohnraum bezahlbar sein wird. Das Jobcenter zahlt nämlich für Zwei-Personen-Wohnungen mittlerer Größe nur knapp sieben Euro pro Quadratmeter, wie aus einem Dokument von 2011 hervorgeht. An Arbeitslose richtet sich das vermeintlich soziale Angebot also nicht. Die Stoßrichtung der städtischen Wohnungspolitik bevorzugt andere Menschen: In der Innenstadt kaufen stadtnahe Gesellschaften Häuser und lassen sie durch private Investoren sanieren.

Davon profitieren vor allem finanziell Privilegierte. An der Peripherie sollen die Wohnungen für diejenigen entstehen, die sich noch über ein durchschnittliches Einkommen freuen können. Und wer gerade keine Arbeit hat, wird durch diese Politik gar nicht berücksichtigt.

Das Projekt am Heiligkreuz-Areal demonstriert, wie uns die Spaltung der Stadt in Arm und Reich, Zentrum und Vorstadt als Erfolg verkauft werden soll. Die soziale Verträglichkeit einer solchen Politik wird durch PR-Maßnahmen schön gefärbt. Dabei ist es ein Fakt, dass der Bestand an Sozialwohnungen in Mainz in den vergangenen sechs Jahren um 14,5% gesunken ist. Diese Entwicklung ist unvermeidlich, wenn die Stadt Wohnraumpolitik nach unternehmerischen Maßstäben betreibt.

Dennis Firmansyah

Über Dennis Firmansyah

Dennis Firmansyah hat die Zwischenzeit 2013 mitbegründet und 2016 die Herausgeberschaft und Chefredaktion übernommen. Seine Themen sind Migrationspolitik, Recht auf Stadt und Regionalgeschichte. Neben der Zwischenzeit veröffentlicht er auch bei der Jungle World, Direkte Aktion und Graswurzel Revolution.

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