Todesdrohung gegen Linke

Mitglieder linker Gruppen an Infoständen mit Fahnen, alle Sturmhauben über dem Kopf

Posen mit Masken: Von Gewalt ist nichts zu sehen. Linke Liste | ©

„eure aktion auf der messe war euer todesurteil. ihr seid nun auf der abschussliste.“ So heißt es wörtlich in einer Droh-Email, die vergangene Nacht das Haus Mainusch erreichte. Wenige Tage zuvor hatten Vertreter*innen von Haus Mainusch, Kritische Linke, SDS und Antifa mit einem gemeinsamen Foto zum Besuch ihrer Stände auf der Hochschulgruppenmesse mobilisiert. Die Einladung hätte eine Randnotiz bleiben können, hätte sich der lokale Vorsitzende der Jungen Union, Felix Leidecker, nicht daran gestört – denn die Menschen auf dem Foto sind mit Sturmhauben verkleidet. So schwadronierte er in einer Pressemitteilung unter großem rhetorischen Getöse eine linke Terrorzelle herbei. Die wichtigsten Stichworte: „Linksextremismus“, „verfassungsfeindlich“,“strukturelles Problem“ oder „gewaltsam“. Dafür sei die Unileitung verantwortlich.

Für die Besucher*innen des selbstverwalteten linken Kulturzentrums Haus Mainusch hat die Kampagne gegen sie nun drastische Folgen. In der Email wird ihnen unmissverständlich mit dem Tode gedroht. Dort heißt es unter anderem: „ist es nicht schön, wenn man sich abends im mainusch trifft. oder zur vokü. da kann dann auf dem weg dorthin oder nach hause oder einfach nur so immer was passieren.“ Der oder die  Absender*innen der anonymisierten Email kündigen am Ende des Schreibens an, dass die Empfänger*innen der Mail „bald fällig“ seien und enden mit dem Gruß „alhamdullilah!“ Die arabische Grußformel, die sich mit „Gott sei Dank“ übersetzen lässt, wird unter anderem von Muslimas*en nach dem Niesen gesprochen.

Junge Union einig mit NPD und AfD

Es ist nicht das erste Mal, dass Leidecker auf seinem Kreuzzug gegen vermeintliche „Linksextremisten“ auf dem Campus für Aufsehen sorgt. Im Januar hatte er das Haus Mainusch als Ort bezeichnet, aus dem „heraus Straftaten geplant und begangen werden.“ Der Kulturverein reagierte mit einer Strafanzeige wegen Verleumdung. Außerdem hatte Leidecker die Aktivist*innen des Haus Mainusch als „Faschisten“ verunglimpft. Auch in der Morddrohung werden die Aktivist*innen nun so bezeichnet. Die Aussagen Leideckers vom Januar hatte die AfD aufgegriffen und erklärt, diese „vollumfänglich“ mitzutragen. Dieses Mal sind es die NPD, Bildzeitung und andere Skandalmedien, die sich mit Leidecker inhaltlich einverstanden zeigen und demonstrieren, in welchem politischen Fahrwasser sich die Junge Union bewegt. Dass die Auswahl der Gruppen für die Messe ausgerechnet von einem AStA unter RCDS-Beteiligung, nicht vom Uni-Präsident abgesegnet wurde, unterschlug Leidecker in seiner öffentlichen Darstellung.

Und was sagen die Urheber*innen des Fotos? In einer Stellungnahme der Wahlgruppierung „Linke Liste“ erklären die Maskierten, ihnen sei es in der halbminütigen Fotoaktion um den Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte gegangen. Immer wieder kommt es vor, dass gewaltbereite Rechte Informationen in sozialen Netzwerken benutzen, um potentielle Angriffsziele zu identifizieren. Diese Sorge bestätigt die Morddrohung. Der Gewaltvorwurf gegen die Vermummten führt sich schließlich selbst ad absurdum: Faktisch sind es gerade nicht die verkleidet posenden Aktivist*innen, von denen Gewalt ausgeht. Stattdessen ist es der Kreisvorsitzende der rechten JU, der öffentlichkeitswirksam linkes gesellschaftlichpolitisches Engagement zu einer Bedrohung stilisiert. Die in dem nachfolgenden Klima der Angst und Abneigung entstandene Morddrohung geht nicht von Linken aus – sie ist gegen sie gerichtet.

Jan Zombik

Über Jan Zombik

Jan Zombik macht gerne Journalismus: Für alle, für die Leute, für die Politik, für die Freiheit. Wenn er gerade nicht journaliert oder philosophiert, dann musiziert er vielleicht. Anzutreffen ist er in der Regel vor seinem Bildschirm, an dem er etwas schreibt. Wenn ihr Jan etwas gutes tun wollt, dann flößt ihm beruhigenden Rooibos-Erdbeer-Sahne-Tee ein oder spendet ein paar Eurönchen für die Zwischenzeit.

Ein Gedanke zu “Todesdrohung gegen Linke

  1. Dino

    Schalke gegen Dortmund, Mainz gegen Frankfurt, Hisbollah gegen Junge Union (oder so..), Rechts gegen Links…
    Menschen gegen Menschen… (was ein Jammer ist)

    Not gegen Elend, Armut und wenig Bildung gegen Geltungsbedarf und Langeweile..

    Mir scheint, die Leute reagieren heutzutage mehr auf das, was sie lesen, als auf das, was sie erleben.

    Wenn „Du“ ein Problem mit „mir“ hast, dann stell Dich alleine vor mich, schau mir in die Augen, und sag mir, was Dich stört, anstatt mich in einer Gruppe stehend, ungesehen zu bepöbeln.
    Danach wärs schön, wenn wir was zusamm essen und n Kaffchen trinken.
    Wenn man nicht gewaltlos miteinander kommunizieren kann, sollte man das gemeinsame Kochen und Essen vielleicht vorziehen. Danach hätte man wenigstens nen Schimmer, wem man eine reinhaut.

    Liebe Grüsse, Jan

    bis bald

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