Wie Fluchtursachen bekämpfen?

Zwei Demonstrierende gegen den Krieg: "No War". Mark Knobil | CC BY-NC-SA

Wie Fluchtursachen zu bekämpfen sind, darüber gibt es bekanntlich vielerlei Ansichten. Verschiedene linke Organisationen in Mainz begeben sich deshalb auf Spurensuche: Unter dem Titel „(Groß)Machtpolitik – Kriege“ startete am Mittwochabend im Haus des Deutschen Gewerkschafts-Bundes (DGB) eine Vortragsreihe zum Thema, die von einem breiten Bündnis – bestehend aus Attac, dem DGB, dem SDS, der Rosa-Luxemburg-Stiftung und weiteren Organisationen – veranstaltet wird.

„Unstrittig ist, dass Kriege, religiöse Konflikte und Terror ganz konkret und unmittelbar Millionen Menschen zur Flucht zwingen“, schreibt das Bündnis und kritisiert, dass diese Ursachenforschung in der medialen Berichterstattung und dem öffentlichen Diskurs kaum eine Rolle spiele. Umso notwendiger sei eine solche Vortragsreihe: „Wir wollen damit die Zusammenhänge von (Groß)Machtpolitik, Klimawandel und Aneignung-Enteignung von Natur, Boden und Rohstoffen als Ursachen von Flucht näher beleuchten und Lösungsansätze aufzeigen und diskutieren.“

Von der Pentarchie zur multipolaren Ordnung

Zum Auftakt am Mittwoch war der Saal war mit fast 50 Besuchern gut gefüllt. Die Veranstalter zeigten sich zufrieden, auch wenn „noch Luft nach oben ist und wir insbesondere auf mehr junge Leute hoffen“. Als Redner war Peter Wahl von der Nichtregierungsorganisation Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung (WEED) eingeladen, der in der linken Szene nicht unumstritten ist, hat er sich doch einst kritisch gegenüber militanten Demonstranten auf der Demo gegen den G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm geäußert, die er maßgeblich mit organisiert hat.

In seinem Vortrag betrachtete Wahl die historische Entwicklung der Weltordnung von der Pentarchie vor dem 1. Weltkrieg über die bipolare Ordnung nach dem 2. Weltkrieg, die unipolare Weltordnung mit Vorherrschaft der USA bis zur heutigen multipolaren Ordnung mit den Großmächten USA und Russland bzw. China. Diese Entwicklung bewertete er als „Demokratisierung des internationalen Systems“, was Kritik unter einigen Zuhörern hervorrief.

Kritik aus dem Publikum

Andererseits vermochte es Wahl aber auch, die Risiken eines polyzentrischen Systems aufzuzeigen, welches „nicht antikapitalistisch, nicht antiimperialistisch, nicht anti-neoliberal und nicht Anti-Krieg“ sei. Außerdem verwies er – auch wenn er sich eher auf die Seite des russischen Präsidenten Wladimir Putin stellte – darauf, dass bei der Bewertung der multipolaren Ordnung „differenzierte Positionen notwendig“ seien und Alt-Linke zu oft „spontane Zuneigung zu Russland“ zeigten.

Trotzdem musste sich der WEED-Aktivist Kritik aus dem Publikum gefallen lassen. Eine Besucherin vermisste den Bezug zum Thema der Vortragsreihe: Fluchtursachen. Zwei andere Zuhörer machten Wahl auf Fehler aufmerksam, als dieser Bibelstellen zitierte. So sei das Gebot der Feindesliebe – anders als Wahl meinte – bereits im Alten Testament und nicht erst im Neuen Testament nachzulesen.

Nichtsdestotrotz darf man gespannt auf die nächsten Vorträge sein: Am 12. Oktober lädt das Bündnis zu einer Diskussion über den Klimawandel ins DGB-Haus, zwei Wochen später stehen Aneignung und Enteignung von Ressourcen im Fokus der Debatte.

Max Zeising

Über Max Zeising

Seit 2012 arbeite ich neben meinem Studium als freier Journalist für verschiedene Tageszeitungen, v.a. für das "Neue Deutschland", in den Ressorts Politik und Sport. Mit meiner Arbeit möchte ich einen Beitrag für die demokratische Debattenkultur leisten. Journalismus bedeutet für mich, den Herrschenden auf die Finger zu schauen und die Bevölkerung zum Nachdenken anzuregen. Eine alternative Lokalzeitung wie die "Zwischenzeit" ist hierfür enorm wichtig, da es gerade auf lokaler Ebene häufig an Alternativen mangelt.

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