Wingertsleuchten in Nierstein: Mal was ohne Nazis, aber mit Kohlestrom

Die Klimaaktion Mainz/Wiesbaden im Einsatz - RWE killt das Klima Buzzdee | CC BY

Nierstein, 19.3.2016. Aktivist*innen der Klimaaktion Mainz/Wiesbaden protestierten vergangenen Samstag gegen 20 Uhr am Roten Hang im kleinen Örtchen Nierstein bei Mainz gegen die zerstörerische Energiewirtschaft von RWE-Tochter EWR. Ausgerechnet wenn an zahlreichen anderen Orten der Welt zur „Earth Hour“ das Licht für eine Stunde ausgeht, veranstaltet EWR gemeinsam mit lokalen Winzer*innen das Lichtspektakel „Wingertsleuchten“. Doch während zum Einbruch der Dunkelheit die Weinberge des Roten Hangs in „allen Farben des Regenbogens“ – so derEinladungstext, erstrahlten – wurde das  harmonische Bild durch den zehn Meter langen Bannerspruch „EWR = RWE = Kohlestrom = Klimakiller – Energie auf fossilen IrRWEgen“ von den Klimaaktivist*innen gestört oder besser gesagt: ins rechte Licht gerückt.

Mehr schwarzer Rauch als Grün…

Schließlich ist der Energiekonzern EWR, der für Rheinhessen und mittlerweile auch das Mainzer Stadtgebiet von Strom über Gas bis hin zu Internet eine breite Produktpalette anbietet, nicht so grün, wie er sich mit seiner Ökostrom-Sparte „Herzstrom“ auf der Veranstaltung präsentierte. „Der Gesamtstrommix der RWE-Tochter besteht zu über 40 Prozent aus Kohlestrom und zu über 10 Prozent aus Atomstrom. Dadurch, dass der Strom aus regenerativen Quellen für gesonderte Ökostromangebote Verwendung findet, wird der verbleibende Strommix der Energieriesen einfach nur noch dreckiger,“ erläutert Isabell Braunger von der Klimaaktion Mainz/Wiesbaden das Greenwashing des Konzerns.

Über die schädlichen Auswirkungen der Kohleverstromung ist sich der Energieanbieter durchaus im Klaren. „Bei der Kohleverbrennung entstehen giftige Gase und Stäube. Bevor der Rauch durch den Schornstein abzieht, muss er also aufwändig gereinigt werden. Trotzdem sind Kohlekraftwerke große Umweltverschmutzer. Sie stoßen viel mehr Kohlendioxid aus als andere Kraftwerke je nach Anlage ein Kilogramm pro Kilowattstunde Strom oder mehr,“ informiert das Unternehmen bereitwillig auf seiner Internetseite.

Die Folgen des Kohleabbaus – Weltweit und in Nierstein

Die Aktivist*innen fordern deshalb, dass der Wahnsinn der fossilen Energieerzeugung ein Ende hat. Mindestens 80 Prozent der Kohlevorkommen müssten im Boden bleiben, damit die Temperatur weltweit bis 2100 nicht um mehr als 2°C gegenüber dem Niveau vor der industriellen Revolution ansteigt. Schon dieser Anstieg hat dramatische Folgen für ganze Ökosysteme. Insbesondere Menschen im globalen Süden kämpfen bereits heute mit den Konsequenzen.

Doch auch in unseren Breiten macht sich der Klimawandel schon jetzt bemerkbar – auch am Roten Hang in Nierstein. Es ließe sich als unfreiwillige Ironie des Events an jenem Samstag bezeichnen, dass eine der besten Rieslinglagen Deutschlands dem Riesling mittlerweile zu warm geworden ist: Die Reben kämpfen mit Hitze und Trockenheit. In der Folge ersetzen einige Winzer*innen Rieslingreben bereits durch rote Rebsorten.

Keine Nachhaltigkeit im Kapitalismus

Die Klimaaktion Mainz/Wiesbaden richtet sich mit ihren Aktivitäten gegen die treibenden Kräfte der menschengemachten Erderwärmung. Die Aktivist*innen sind der Ansicht, dass der Klimawandel durch die Dynamiken einer kapitalistischen Wirtschaftsweise hervorgebracht wird. Die von der vorherrschenden Umweltpolitik angestrebte Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Treibhausgasemissionen sei daher eine Illusion. Deshalb setzen sie sich für eine sozial und ökologisch nachhaltige Wirtschaftsweise ohne Wachstumszwang ein, in der grüngetünchte Konzerne wie EWR/RWE nichts verloren haben.

Emanuela Feld

Über Emanuela Feld

Ela ist viel draußen, zum Beispiel in den rheinhessischen Weinberge und trinkt beim Schreiben gerne mal das ein oder andere Gläschen Wein von eben dort.

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