20 Jahre Verfolgung sind genug!

Refugees Welcome Medien

Heute gilt die Aufmerksamkeit den Geflüchteten. Zicke | CC BY-NC-SA

Mein Name ist Austine, ich komme aus Baden Württemberg und bin von der Organisation The Voice of Refugees. Jedes mal, wenn wir so zusammenkommen wie heute, gibt es einen Grund, uns zu treffen. Der Grund ist die Situation von Refugees, die Verfolgung, die Isolierung von Refugees, die verschiedenen Formen von Diskriminierung, denen Refugees in Deutschland ausgesetzt sind.

Es ist wichtig, gegen diese Unterdrückung aufzustehen und uns gewahr zu werden, warum Refugees nach Deutschland kommen. Wir können nicht von Isolierung, Diskriminierung und Verfolgung von Refugees sprechen ohne zu sagen, warum sie nach Deutschland kommen, warum sie ihre Länder verlassen und nach Deutschland kommen. Es sind die Rolle Deutschlands in der Welt und die Rolle des Westens als Ganzer, die Refugees dazu veranlassen, ihre Länder zu verlassen.

Während es keinen Krieg in Europa gibt, ist Deutschland immer noch der dritttgrößte Waffenexporteur der Welt. Die Frage ist: Warum? Wo werden diese Waffen benutzt? Aus welchen Motiven heraus erfolgen diese Waffenlieferungen? Das geschieht, um unsere Länder in ständiger Unterentwicklung zu halten, um Verwirrung zu stiften durch zahllose Manipulationen aus eigennützigen Gründen: Um unsere Ressourcen auszubeuten und den Status Quo aufrecht zu erhalten. Das sind die Gründe.

Wir sind heute hier, um gegen all diese Formen von rassifizierter Diskriminierung und Verfolgung von Refugees zu demonstrieren.

Es gibt keine Rechte

20 Jahre Verfolgung sind genug! Es ist 20 Jahre her, dass das Asylbewerberleistungsgesetz auf Refugees aufgeherrscht wurde. Wie wir alle wissen, beraubt dieses Gesetz Refugees ihrer Menschenrechte. Es gibt keine Rechte. Keine freie Wahl des Wohnsitzes. Keine Bewegungsfreiheit. Keine freie Wahl der Lebensmittel. Kein Recht auf Bildung, nicht mal ein Recht auf Gesundheitsversorgung. Refugees werden in Lager gesteckt, in Isolierung, wo sie infolge dieser ganzen Ausgrenzung an Depressionen leiden. Einige sind depressiv, einige sind krank, einige begehen sogar Selbstmord.

Also: Diese Bundesrepublik ist auf die Zerstörung der Leben von Refugees ausgerichtet. Wir können nicht sagen, dass wir nicht töten. Denn es gibt viele Wege zu töten. Wenn ein Mensch hungrig ist und an Hunger stirbt, dann wird er getötet. Wenn ein Mensch krank ist und ihm wird die Behandlung verwehrt und er stirb, dann wird er getötet. Wenn ein Mensch in eine Situation gebracht wird, in der er depressiv wird und Selbstmord begeht, dann wird er getötet.

Es gibt so viele Leute mit Potenzial in den Lagern. Sie können es nicht einsetzen. Es gibt viele Leute, die zur Schule gehen wollen, die arbeiten wollen, aber sie werden daran gehindert. Wir hören oft diese Lüge, dass Refugees nicht arbeiten wollen, dass sie faul sind, dass sie nicht zur Schule gehen wollen, dass sie garnichts machen wollen. Aber all das sind Lügen.

Die Residenzpflicht ist unmenschlich

Neben Exklusion und Isolation gibt es auch noch die Residenzpflicht, die Refugees aufgenötigt wird und sie daran hindern soll, von einer Stadt in die andere zu gehen oder von einem bestimmten Bundesland ins andere. Das ist unmenschlich! In den Ämtern geht von denjenigen, die für Refugees verantwortlich sind, Diskriminierung aus. In dieser Gesellschaft gibt es eine weitverbreitete Diskriminierung von Refugees. Es gibt viel Polizeigewalt und Kriminalisierung gegen Refugees, besonders das Racial Profiling.

All dies führt dazu, dass Refugees zusammenkommen und sich untereinander solidarisieren, um ein Netzwerk und eine Plattform aufzubauen. So können wir Informationen und Ideen teilen, um all diese Dinge an die Öffentlichkeit zu bringen, damit die Menschen wissen, was genau passiert. Solange diese Struktur weiter in dieser Gesellschaft existiert, wird es Refugees geben, egal welche Mittel Frontex an den Grenzen einsetzt. All das kann Refugees nicht daran hindern, hierher zu kommen, solange immer noch Ausbeutung und das Schüren von Kriegen in den Ländern der Refugees fortbestehen.

Wir haben nicht die Macht, den Staat zu bekämpfen, aber jedes Mal, wenn wir zusammenkommen, sind wir solidarisch miteinander und können Widerstand leisten. Es ist wichtig, sich klar darüber zu sein, dass der Kampf der Refugees nicht nur für Refugees da ist. Er ist für alle da, einschließlich deutscher Bürger_innen. Wir wissen, dass das all die schlechten Gesetze zuerst an Refugees erprobt werden, und wenn dieser Testlauf gut verläuft, die Gesetze dann auf die Bürger_innen aufgeherrscht werden.

Zum Beispiel das Sammeln von Fingerabdrücken. Wir alle wissen, dass Linke mehr und mehr Fingerabdrücke abgeben müssen. Es ist wichtig, aufzustehen und gegen all diese Formen von diskriminierenden Gesetzen zu streiten, nicht nur für Refugees, sondern für alle Menschen. Es reicht nicht, wegzusehen und so zu tun, als wüssten wir von nichts. In der Zeit der Konzentrationslager haben das die Menschen schon gemacht.

Ich ermutige alle, aufzustehen und all den Ungerechtigkeiten ein Ende zu setzen. Eine Ungerechtigkeit gegen einen ist eine Ungerechtigkeit gegen alle. Wir sind heute hier, um gegen all diese ungerechten Gesetze zu demonstrieren. Wir sind heute hier, weil ihr unsere Ländern zerstört. Wir sind heute hier, weil ihr unsere Ländern zerstört.

 

Dennis Firmansyah

Über Dennis Firmansyah

Dennis Firmansyah hat die Zwischenzeit 2013 mitbegründet und 2016 die Herausgeberschaft und Chefredaktion übernommen. Seine Themen sind Migrationspolitik, Recht auf Stadt und Regionalgeschichte. Neben der Zwischenzeit veröffentlicht er auch bei der Jungle World, Direkte Aktion und Graswurzel Revolution.

Emine Aslan

Über Emine Aslan

Emine Aslan studiert Soziologie und Ethnologie an der Universität Mainz und schreibt, seit dem sie denken kann. Das können Kurzgeschichten sein, Poetry Slam und gerne auch mal journalistische Texte. Aktuell ist sie Redaktionsmitglied bei #SchauHin, der Muslimischen Jugend in Deutschland e.V. und der Zwischenzeit.

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